Aus TBC-Heilstätte wird Forstschule

Am 14. Juni ist Spatenstich in Bad Reiboldsgrün für das neue Domizil der Forstschule. Zeit wird‘s, sagen die, die auf Neubau und Umzug schon lange warten: Seit über zehn Jahren ist das im Gespräch. Die Baukosten haben sich von 12 auf 25 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Von Cornelia Henze

Bad Reiboldsgrün/Morgenröthe - In Bad Reiboldsgrün regt sich was. Arbeiten sind im Gange. Bäume werden auf dem Gelände der früheren Lungenheilstätte (1873 bis 1965) und späteren Kinder- und Jugendpsychiatrie (1966 bis 2004) gefällt und kommen noch vor Ort in den Schredder. Ab Mitte Juni werde das Baufeld für den Um- und Neubau frei gemacht, und der Bau könne beginnen. Denn der Freistaat Sachsen habe dafür 25 Millionen Euro im Haushalt eingestellt, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Sören Voigt.
Dass der Bau eigentlich schon hätte Anfang der 2000er Jahre passiert sein müssen und dieser in den Folgejahren fast zum kleinen Bruder des "BER" Berlin und ähnlichen Endlos-Projekten avancierte, davon sprechen Politiker und der Bauherr, das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB), heute höchst ungern. Schon 2004 zeigte Sachsenforst Interesse am Ausbau der alten Klinik für die bisherige Forstschule in Morgenröthe-Rautenkranz. 2011 hieß es vom damaligen Landwirtschaftsminister Frank Kupfer, dass der Umzugs spätestens bis 2015 vollzogen sein solle - danach wurde er auf 2016 verschoben und von dort auf 2017 und 2018. Vor drei Jahren taxierte man die Baukosten noch auf 12 Millionen Euro. Aufgrund der komplexen Planungen habe sich das Vorhaben hinausgezögert. Auch öffentlich-rechtliche Genehmigungen, wie beispielsweise eine wasserrechtliche - der Baugrund in Reiboldsgrün befindet sich in den Trinkwasserzonen II b und III und das Grundwasser fließt der Talsperre Eibenstock zu - verzögerten den Bau immer wieder.
"Das Vorhaben ist in einer noch recht frühen Phase, weshalb weiterführende Infos zur Bauplanung noch nicht möglich seien, verweist SIB-Sprecher Alwin-Rainer Zipfl auf die erste Ausschreibung für die Baustelleneinrichtung. Momentan plane man die Ausführung und erstelle die Ausschreibungsunterlagen.
Was schon zu sagen ist: Das ehemalige Kurhaus wird saniert und später als Wohnheim und von der Verwaltung genutzt. Das alte Casino wird zu Speisesaal nebst Küche umgebaut. Die beiden imposanten Gebäude, die nur noch in Ansätzen von den Glanzzeiten der ältesten Lungenheilstätte Sachsens berichten, stehen heute unter Denkmalschutz. 1888 wurde das Kurhaus,damals noch als Winterheim bezeichnet, errichtet. Wegen seiner stolzen Form und Größe habe das Kurhaus damals Aufsehen erregt, heißt es in einer historischen Schrift aus dem Stadtarchiv Auerbach. Kurze Zeit danach wurde das Casino erbaut - schon damals befanden sich darin Speisesaal, Gesellschaftsräume, Küche und Magazine. Neu gebaut werde ein dreigeschossiges Lehrgebäude. Auch das ehemalige Verwaltungsgebäude werde umgebaut: Zum Gästehaus für die Teilnehmer von Fortbildungen, so Alwin-Rainer Zipfl. Das zweite Baufeld ist der praktischen Ausbildung vorbehalten. Der Neubau einer Werkstatt und eines Mehrzweckgebäudes gruppieren sich um einen Wirtschaftshof. Dort werden vor allem Sanitär- und Umkleideräume zu finden sein.
138 junge Leute werden aktuell in Morgenröthe-Rautenkranz zum Forstwirt innerhalb von drei Jahren ausgebildet. Jedes Lehrjahr halte zwei Klassen vor, so Schulleiter Thomas Neidhardt. In den vergangenen Jahren habe sich die Gesamtschülerzahl um die 140 eingepegelt. Im Jahr 2005 lag die Zahl der Azubis indes noch bei knapp 200. Seit 1956 werden in Morgenröthe-Rautenkranz Forstwirte ausgebildet - seit der Wende kommen sie  aus ganz Deutschland, vorwiegend aber aus Sachsen. Nach all den Jahren ist die Immobilie am alten Standort abgewirtschaftet, weshalb der Umzug nach Bad Reiboldsgrün ins Gespräch kam. Wie in Morgenröthe wird auch in Bad Reiboldsgrün die überbetriebliche Ausbildung praktiziert: Der praktische forstliche Part obliegt Sachsenforst, schulisch ist diese Außenstelle des Berufsschulzentrums Anne Frank Plauen. Und das Internat wird vom SBW Vogtland betrieben.
Letztmals bewohnt waren die alten Heilstätten-Gebäude 2012 übergangsweise von Senioren des Awo-Heimes, die im Jahr drauf ins neu gebaute Heim nach Rodewisch umzogen. Seitdem steht der Komplex leer.