"Aus Neugier auf das Fremde"

An Kurt Mothes, den gebürtigen Plauener und späteren Präsidenten der Leopoldina in Halle, erinnert eine Ausstellung, die das Stadtarchiv vorerst nur virtuell anbietet.

Plauen Dass das Stadtarchiv Jahr für Jahr eine Ausstellung zeigt und dafür stadtgeschichtlich interessante Themen aufgreift, ist zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Plauen geworden. Für 2020 und 2021 hat sich hierfür eine fruchtbare Kooperation mit dem Archiv der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle ergeben. Das Leopoldina-Archiv verwahrt den Nachlass des langjährigen Akademiepräsidenten und renommierten Naturwissenschaftlers Kurt Mothes (1900-1983), der aus Plauen stammt und seiner Heimat Zeit seines Lebens verbunden war.
Diese biografische Verknüpfung war der Auslöser für die Idee, die Ausstellung "Aus Neugier auf das Fremde - Jugendbewegte Europareisebilder aus dem Nachlass Kurt Mothes" in Plauen zu zeigen. Ursprünglich war die Eröffnung für Juni 2020 geplant, was durch die Corona-Situation jedoch verhindert wurde. Damit die Plauener und ihre Gäste bis zu der nun für 2021 geplanten Eröffnung nicht zu lange warten müssen, ist als Vorgeschmack auf die eigentliche Schau nun eine "Vorschau" erarbeitet worden, die seit Freitag im Internet gezeigt wird. Die virtuellen Besucher erhalten damit schon jetzt die Möglichkeit, diesen bedeutenden Sohn der Stadt auf seinen frühen Reisen zu begleiten.
Schon in seiner Kindheit weckten Wanderungen im Vogtland sein Interesse für die Natur. Nach der Lehre als Apothekergehilfe in der Johannis-Apotheke führte ihn sein Weg in die Wissenschaften. In seiner Funktion als Akademiker und als XXII. Präsident der Leopoldina in Halle, der ältesten Wissenschaftsakademie der Welt, verteidigte er die Freiheit der Wissenschaft, nicht selten gegen die offizielle Staatspolitik der DDR, prägte die Wissenschaftsethik und -politik seiner Zeit und wirkte als Spiritus Rector für Gleichgesinnte.
Angesichts seiner Laufbahn, zahlreichen Ämter und internationalen Vernetzung war Mothes zweifelsohne ein "Mann von Welt", blieb seiner Heimat aber stets treu. Besonders die auf seine Schul- und Jugendzeit zurückgehenden Erfahrungen und Freundschaften aus der Jugendbewegung prägten ihn. Im Nachlass finden sich hierzu zahlreiche Fotografien, Glasplatten, Fotoalben und Tagebuchaufzeichnungen. Mit einer ansprechenden Bilderauswahl, Audiobeiträgen unter anderen gesprochen von Jörg Simmat und zahlreichen Hintergrundinformationen bietet die Seite genug Potential, um einzutauchen in eine andere Zeit - und eine andere Welt.