Aus für Ehrenamtler der Plauener Tafel?

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der "Plauener Tafel" klappern Supermärkte ab, Bäcker und Händler, sie sortieren Obst und Gemüse, Brot, Brötchen und alles andere: Allein in Plauen werden wöchentlich bis zu 700 Warenkörbe an Bedürftige abgegeben. 78 Euro erhalten die Ehrenamtlichen in diesem "Tauris-Projekt" dafür - im Monat; das ist ein Stundenlohn von 1,40 Euro. Doch im Dezember soll Schluss sein, weil der Freistaat kein Geld mehr hat für die Aufwandsentschädigung.

"Schei . . .", sagt der Henry Köhler, einer von 20 Ehrenamtlern der Arbeitsloseninitiative (Ali) Pausa, die es treffen könnte; vogtlandweit sind es 534 bei 123 Trägern. "Ich bin zu 30 Prozent behindert und froh, hier eine Aufgabe zu haben", sagt 51-jährige Köhler, ein Maurer und Molkereifacharbeiter, der nach eigenen Worten keine Festanstellung mehr findet. Auch für den 44-jährigen Jörg Kathke sind 78 Euro neben seinen Hartz IV-Bezügen viel Geld. "Bei dieser Tätigkeit kommt man wenigstens unter die Leute und kann etwas Sinnvolles tun." Zweimal die Woche fahren die beiden mit dem Transporter Lebensmittelspenden aus den Einkaufsmärkten zusammen und später - nach Sortieren und Portionieren - in neun Ausgabestellen.

Der Wegfall ihrer Jobs macht Ali-Geschäftsführerin Konstanze Schumann große Sorge: "Da müssen wir wieder eine Lücke schließen" - wie der Ausfall von zehn Ehrenamtlern allein in der Plauener Tafel kompensiert werden soll, weiß sie noch nicht. Von den wegfallenden, zu den noch je fünf Ehrenamtler in der Plauener Suppenküche und im Auerbacher Begegnungszentrum (Computerkurse für Langzeitarbeitslose) hinzu kommen, ganz zu schweigen.

Frau Schumann hat die Landespolitiker Frank Heidan, Jürgen Petzold (beide CDU) und die DGB-Regionalvorsitzende Sabine Zimmermann (Linke) um Unterstützung gebeten. Die vogtländische Gleichstellungsbeauftragte Veronika Glitzner will das Thema zur nächsten Kreistagssitzung ansprechen. Das Landratsamt macht laut Pressesprecherin Kerstin Büttner jedoch wenig Hoffnung: Der Kreis könne kaum die Kosten für "Tauris" übernehmen. Breite Front gegen die Kürzungen können die Betroffenen am 29. September in Dresden bei der Demo "Gerecht geht anders" machen. Mitfahrgelegenheit gibt es noch, denn die ALI (v 037432/7765) hat neun Busse dafür gechartert.

Wenn die Tauris-Geschichte geklärt ist, geht es weiter: Frau Schumann zufolge sind im Landeshaushalt für das ehrenamtliche Projekt "Wir für Sachsen" (Umweltbereich, Schülerlotsen) in den kommenden zwei Jahren Kürzungen von 700 000 Euro vorgesehen.  j. st.