Aus der Traum vom Urlaub

Andreas Richters Sommerurlaubspläne sind getrübt: Am 3. Februar hat der Plauener bei Germania online für 1066 Euro fünf Flüge gebucht. Einen Tag später erfährt er, dass die Airline Pleite ist. "Wir sind sauer", sagt Herr Richter.

Von Cornelia Henze

Plauen - "Die Vorfreude auf Korsika war groß. Nun haben wir alle einen Dämpfer bekommen. Das Geld ist wahrscheinlich weg", ahnt Andreas Richter. Beruflich stellt der Ingenieur für Kältechnik in eigener Firma Tiefkühlzellen und -anlagen her - privat sollte es in die Wärme ans Mittelmeer gehen. Und zwar ganz individuell. Er liebe individuelles, unabhängiges Reisen, verrät der Plauener. Deshalb hat er vorerst die Flüge für seine Frau, den Sohn, die Tochter, die Schwiegermutter und sich selbst gebucht. Online, und - weil schon am Vorabend der Pleite die Website-Funktion für das Flügebuchen nicht funktionierte - auch via Hotline. Am nächsten Morgen, als Andreas Richter die neuesten Nachrichten im Internet checkte, kam das böse Erwachen. Sein erster Gang führte Richter zu seiner Bank. Mit deren Hilfe wolle er versuchen, das überwiesene Geld zurückbuchen zu lassen. Gelinge das, könne es sein, im Nachhinein der Germania-Insolvenzverwalter ankommen und die Hand über das Geld halten könne, so die Auskunft, die Richter bekam. Große Hoffnungen, dass er sein Geld wieder sieht, hegt er nicht. Als einer von vielen Gläubigern könnte er, mit ganz viel Glück, zwischen zwei und zehn Prozent des gezahlten Preises zurück bekommen. Wenn überhaupt.
"Wer nur den Flug gebucht hat, für den siehts schlecht aus. Es ist davon auszugehen, dass diese Kunden auf den Kosten sitzen bleiben", sagt Plauens Verbraucherberaterin Claudia Neumerkel. Es sei davon auszugehen, dass alle Gläubiger in den nächsten Tagen vom vorläufigen Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg angeschrieben werden und die Rückforderungen auf die Insolvenzliste geraten. So weit die guten Aussichten. Die schlechten: Neumerkel weiß aus Erfahrung, dass vom Reisepreis am Ende nicht wirklich mehr als vier Prozent aus der Insolvenzmasse an den Gläubiger gehen werden. "Es wird viele Insolvenzverfahren geben und es kann Jahre dauern." Mit etwas Glück können geprellte Kunden wie Herr Richter versuchen über die Bank der jeweiligen Kreditkarte das gezahlte Geld zurückzuholen. Banken böten oft Insolvenzschutz auf Kreditkarten an. Wer über Paypal gezahlt hat, habe in der Regel 180 Tage Zeit, das Geld zurück zu fordern.
Bessere Karten haben diejenigen, die den Flug mit Germania über ein Reisebüro im Pauschalpaket gebucht haben. In diesem Fall sei der Reiseveranstalter verpflichtet, einen Ersatzflug zu organisieren. Gibts keinen in der gewünschten Reisezeit, könne der Kunde von dem Vertrag zurück treten. Dann allerdings bleibt das Reisebüro auf den Kosten sitzen.
Während in Plauen erst ganz wenige Leute in der Verbraucherzentrale wegen Germania Rat suchten (Neumerkel: "Viele haben die Pleite noch gar nicht registriert"), stehen bei Kollegin Heike Teubner in Auerbach die Telefone nicht still. Über ein Dutzend Germania-Kunden suchten Rat. Unter anderem auch ein Mann aus Reichenbach, der am 3. Februar schon auf dem Flughafen Berlin stand - und vergeblich auf den Flieger wartete. Teubner: "Die Leute sind total traurig. Sie haben sich ja auf den Urlaub gefreut." 
Kunden fragen nach, wie sie wieder an ihr Geld kommen, andere wollen wissen, welche Konsequenzen es hat, wenn der Arbeitnehmer um Tage verspätet aus dem Urlaub zurück kommt. Dass einen der Chef gleich entlasse, das werde wohl in den seltensten Fällen passieren. Aber dass man unbezahlten Urlaub nehmen müsse, damit sei eher zu rechnen, so Teubner. In diesen Tagen springen übrigens andere Airlines, wie die Lufthansa ein, um im Feriensort festsitzende Urlauber zurückzufliegen. Manche Tickets werden verbilligt angeboten. Ein kleiner Trost.
Andreas Richter muss als eigener Chef natürlich nicht um seinen Arbeitsplatz bangen. Auch ist er ja noch nicht abgereist. Trotz Einbuße soll es im Sommer doch in den Urlaub gehen. Geht es trotzdem nach Korsika? "Wir müssen den Urlaub noch mal neuberwerten und unser Budget prüfen", so der 41-Jährige.