Augenärzte in Sicht

Die augenärztliche Versorgung im Vogtland nähert sich in den kommenden Jahren einer Unterversorgung. Abhilfe tut Not. Im kommenden Jahr sollen am Helios-Klinikum zwei neue Praxen entstehen. Dafür sind Umbauarbeiten nötig.

Von Gabi Kertscher

Plauen  Waren 2020 nur 2,5 Stellen nicht besetzt, sind es im laufenden Jahr bereits 6,25 freie Arbeitsplätze für Augenärzte. Eine Besserung sei nicht in Sicht, die Zahlen würden eher noch schlechter, kommentierte Carmen Baumgart, Geschäftsführerin der Bezirksgeschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Chemnitz. Der Versorgungsgrad 2020 lag bei 93,3 Prozent, 2021 bereits nur noch bei 65,4 Prozent. "Die Zahl könnte auf 37 Prozent fallen", so die Expertin. Ab 50 Prozent ist die Region "unterversorgt".


Nach der Schließung mehrerer Augenarztpraxen im Vogtland haben es Patienten schwer, einen neuen Facharzt zu finden. Immer mehr Betroffene versuchen in Plauen einen Termin zubekommen. Dabei wenden sie sich auch an das Helios Vogtland-Klinikum Plauen. "Die Not der Menschen ist kaum noch auszuhalten", bestätigte der Chefarzt der Augenklinik Dr. med. Dirk Ehrich. In seiner Klinik arbeiten derzeit sieben Augenärzte. Im Medizinischen Versorgungszentrum des Klinikums behandelt eine Augenärztin Patienten. "Wir sind völlig überlastet."


Die Versorgung muss dringend verbessert werden, darüber sind sich Politik und Ärzteschaft einig. Am 2. August beginnen die Umbauarbeiten für ein Augenärztliches Versorgungs- und Weiterbildungszentrum (AVWZ) im Helios-Klinikum. Das Zentrum mit zwei neuen Praxen wird in unmittelbarer Nähe zur Augenklinik im Haus 2 entstehen. Die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie wird neue Räume beziehen, so dass hier neben einer zentralen Anmeldung, vier Behandlungsräume, zwei Wartebereiche und vier Untersuchungseinheiten für das AVWZ entstehen können. Die Umbauarbeiten sollen Ende 2021 abgeschlossen sein.


Ab Januar sollen Patienten von insgesamt vier Assistenzärzten behandelt werden. Sie erhalten Unterstützung von Fachmedizinern der Augenklinik. Die Kassenärztliche Vereinigung zahlt monatlich rund 5.200 Euro pro Assistenzarzt Gehaltszuschuss ans Klinikum. Außerdem ist geplant, weitere drei Arzthelfer und einen Optiker einzustellen. Für das Vorhaben hat der Freistaat Sachsen 650.000 Euro bereitgestellt. Die Summe ist ausschließlich für das Modellprojekt vorgesehen. Die Gelder für Umbauten und Umzüge wird das Helios-Klinikum tragen.


Die CDU-Landtagsabgeordneten Sören Voigt und Andreas Heinz erklärten, dass ein Projekt erarbeitet wurde, dass in den Kliniken Aue-Bad Schlema, Glauchau, Zwickau und Plauen in den nächsten fünf Jahren etabliert wird. Damit sollen junge Ärzte in die Regionen geholt und zum Bleiben animiert werden. Mit der Genehmigung wird eine zeitnahe Verbesserung der Versorgung angestrebt.


Die Terminangebote nehme mit dem Fortschreiten des Ausbildungsstandes der Assistenzärzte stetig zu. So sollen im ersten Jahr rund 8.000 Termine verfügbar sein. Bis zu 12.000 Patienten können maximal behandelt werden. Für die Vergabe haben die Mediziner mitgeteilt, dass seitens der Terminservicestelle vorrangig noch nicht behandelte Patienten sowie Patienten der in Rente gegangenen niedergelassenen Ärzte Termine erhalten.