Aufstehende Eltern demonstrieren

Für geöffnete Kitas und Schulen demonstrieren in Plauens Innenstadt am Donnerstag rund 500 Menschen, darunter viele Eltern und Kinder. Das Polizeiaufgebot in der Stadt ist immens.

Plauen Zwei hochschwangere Mütter geben den Ton am Mikro an, das auf dem Theaterplatz aufgebaut ist. Eine davon, Tina Balke, gibt sich als Organisatorin der Demo zu erkennen. Sie wiederum gehört dem deutschlandweit verbreiteten Verein "Eltern stehen auf" an, die schon anderenorts gegen Corona-Maßnahmen auf die Straße ging und Verbindungen zu der Querdenker-Bewegung hält. Man sei politisch nicht organisiert, spricht die vierfache Mutter zu den im strömenden Regen stehenden großen und kleinen Demonstranten. Nebenan steht der dunkelblaue Kombi, der jeden Montagabend am Wendedenkmal parkt, wenn der Plauener Busunternehmer Thomas Kaden das Wort ergreift. Auch diesmal steht Kaden unter der hochgeklappten Kofferraumklappe und spielt zwischen den Redebeiträgen fröhliche Kinderlieder ab. Könnte es nur Zufall sein, dass Tony Gentsch von der rechtsextremistischen Kleinstpartei III. Weg zwischen den Demonstranten läuft und mit Kaden den Mann trifft, der sich am Wochenende in den Vorstand der rechtsextremen Partei "Freie Sachsen" wählen ließ?
Unter Tränen ruft eine andere dreifache, bald vierfache Mutter: "Ich hab die Schnauze voll!" Vor allem deshalb, weil die Kitas und Schulen zu sind, die Kinder vom Homeschooling erschöpft sind und die Eltern nicht länger Lehrer spielen wollen. Das Testen ihrer Kinder für den Schulbesuch lehnen "Eltern stehen auf" ab. "Ist das der Sinn, dass mein Kind von ungechultem Personal ein Stäbchen in die Nase geschoben kriegt?" Auf diesen und ähnliche Redebeiträge folgt Applaus mit Händen, Topfschlagen und Rasseln. Ein langes "Buuuh" ertönt, als Balke den Brief von OB Ralf Oberdorfer vorliest, den er den demonstrierenden Eltern geschrieben hat. Er schreibt von Verständnis und Durchhalten, bis genügend Impfstoff vorhanden ist, um die Pandemie zu vertreiben.
Von einem "gemischten Klientel" spricht Polizeisprecher Christian Schünemann. Aufgrund der Corona-Auflagen für Demonstrationen ließ die Polizei nur 200 Teilnehmer am Theaterplatz zu. Vor Stadtgalerie und am Postplatz versammelten sich weitere 200 Menschen. Diese Spontandemo sei vom Landkreis genehmigt worden. Im Einsatz war 180 Polizisten, darunter von der Bereitschaftspolizei Chemnitz und Dresden. Fünf Ordnungswidrigkeiten und vier Straftaten, darunter eine versuchte Körperverletzung gegen Polizei, kamen zur Anzeige.  "Im Ergebnis ließen sich die anwesenden Versammlungsteilnehmer durch intensive Kommunikation und Hinweise auf die Vorschriftenlage im Wesentlichen dazu bewegen, sich an die Corona-Schutzmaßnahmen zu halten", so die Einschätzung der Polizei.  Die Hauptdemo auf dem Theaterplatz war bereits nach einer halben Stunde gegen 16.30 Uhr beendet; die Spontandemo endete 16.50 Uhr. cze