"Aufstehen" jetzt auch im Vogtland

Die Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht hat nun auch eine Ortsgruppe Vogtland. Mehr als 300 Frauen und Männer aus der Region haben sich bereits in die Internet-Listen von "Aufstehen" eingetragen.40 waren bei der Gründungsversammlung dabei.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Wer glaubt, er ist hierher gekommen und bekommt etwas vorgesetzt, ist falsch", sagte die Organisatorin und Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann und freute sich über das große Echo der Vogtländer. 40 der etwa 300 an der Sammlungsbewegung Interessierten hatten sich zur Gründung der Ortsgruppe aus allen Teilen des Vogtlandes nach Plauen auf den Weg gemacht. "Und was mich besonders freut, sie stammen aus allen Schichten der Gesellschaft", sagte Zimmermann, die als enge Weggefährtin von Sahra Wagenknecht gilt und die von ihr initiierte Bewegung "Aufstehen" von Anfang an unterstützt. Ihr tun es rund 6000 in Sachsen gleich, zehn Ortsgruppen von Zwickau bis Görlitz arbeiten bereits. 
 "Was ist wichtig? Was ist für das Vogtland wichtig und was ist machbar" Das ist die Herausforderung, um sich auf ein Ziel zu einigen, zu planen und zu organisieren, damit es umgesetzt werden kann", erklärte Sandra Steiner aus Pöhl, die die Facebook-Gruppe für das Vogtland leitet. Weder sie, noch der Landeskoordinator Nico Rudolph, der aus Chemnitz nach Plauen kam, wollen irgendwelche Vorgaben machen. "Es ist eine Bürgerbewegung und keine Partei, die von oben vorgibt, wie und wo es lang geht", betonte auch Sabine Zimmermann und versicherte, dass "Aufstehen" keine Partei werden wird. 
 Die 40 Frauen und Männer, vom Arbeitslosen bis zum Unternehmer und Arzt, folgten ohne Umschweife der Aufforderung, zu sagen, warum er oder sie bei der Bewegung mitmacht. Dass sie unzufrieden sind mit den etablierten Parteien, sich durch sie nicht vertreten fühlen, machten viele der Anwesenden deutlich. "Wir brauchen mehr soziale Gerechtigkeit und sollten besser miteinander umgehen" waren weitere Forderungen. Aber auch solche nach einem Stop der Nato-Aufrüstung, um eine solche Friedsperiode wie selbst erlebt auch den Kindern und Enkeln zu garantieren. Ein Unternehmer mahnte, dass latenter Rassismus inzwischen salonfähig geworden und in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei: "Dagegen muss man was tun", sagt er. "Die Angst, dass wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen, weil keiner eine andere Meinung zulassen will, treibt mich um", sagte ein Kommunalpolitiker und Unternehmer aus Greiz. Auf die Forderung eines Hartz IV-Empfängers aus Plauen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, sagte ein Arzt aus Theuma, dass auch der Gesellschaft etwas zurückgegeben werden muss. Und er habe dabei auch ein Pilotprojekt im Blick, um Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen, nämlich in der Pflege, wo Personal fehle. 
 Auf verteilten Zetteln sollte jeder schreiben, was die Bewegung "Aufstehen" im Vogtland in Angriff nehmen soll und wie man selbst dabei mitmacht. So werden thematische Arbeitsgruppen gebildet, die sich dann auch deutschlandweit für gemeinsame Aktionen vernetzen. 
 Ein Vorbild für sich selbst sehe "Aufstehen", laut Sabine Zimmermann in der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich. "Ihre Botschaft ist doch, wir stehen auf und nehmen nicht mehr alles hin. Ich distanziere mich von jeglicher Gewalt, finde aber, dass der Druck von der Straße nötig ist, um etwas zu ändern. Und das Gute an Frankreich ist, dass auch viele junge Leute bei den Demos dabei sind", sagt sie und spricht von einer großen Sozial-Kundgebung, die im Frühjahr in Berlin geplant ist.
 Die Ortsgruppe Vogtland will sich am 9. März wieder treffen und über die Arbeitsgruppen sprechen.