Aufklärung hinter Gittern

Plauen - ,,Obwohl keiner hinein will, ist die praktische Konfrontation mit diesem Thema die beste Art der Aufklärung", sagt Klaus Vetter, der auf 32 Jahre als Vollzugsbeamter zurück blicken kann.

 

Seit 20 Monaten gibt es im Plauener Gefängnis keine Insassen mehr. Das Interesse der Bürger an der Geschichte und dem Gebäude selbst sei jedoch ungebrochen. Im vergangenen Jahr hat Vetter mehr als 700 Besucher durch die Räume der ehemalige JVA geführt. Da er auch weiterhin seine Erfahrungen vermitteln und das Interesse an den Gebäuden wach halten möchte, sollen in Zukunft wieder öfters Führungen stattfinden. Gestern begann er mit der ersten Gruppe.

 

Jugendliche von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft nahmen diese Möglichkeit wahr, um sich im Rahmen ihres Projektes "Jugendstrafrecht" ein besseres Bild machen zu können. Nachdem von den Schülern im Vorfeld das Thema bereits theoretisch behandelt wurde, soll das Bewusstsein durch die Gefängnisführung und einen Besuch in einer Gerichtsverhandlung geschärft werden.

  Strafvollzug seit 150 Jahren   Über 150 Jahre wurde in Plauen ununterbrochen Strafvollzug betrieben. Bereits im Umfeld des noch bestehenden, wohl ältesten Turm Plauens befanden sich im 15. Jahrhundert Zellen, die kerkerähnlich waren und winzig noch dazu.

1854 wurde das erste Gebäude errichtet, 24 Jahre später musste erweitert werden. So entstanden nach und nach die verschieden Anbauten und das Verwaltungsgebäude. Zu DDR-Zeiten befanden sich 280 bis 300 Gefangene hier. Zu Spitzenzeiten sogar 380 Insassen, die sich teilweise eine kleine Zelle zu dritt teilen mußten. 40 bis 60 Personen befanden sich in Untersuchungshaft. U-Häftlinge wurden von den anderen Häftlingen getrennt untergebracht. Dafür gab es einen Trakt, der dafür ausgelegt war. Bis 1952 gab es auch eine Frauenabteilung in Plauen.

 

Die zuletzt noch etwa 20 Frauen wurden dann allerdings nach Zwickau verlegt. Somit kamen in den letzten 50 Jahren nur männliche Strafgefangene hierher. Auch die Vollzugsbeamten seien deshalb ausschließlich Männer gewesen, wobei im medizinischen Bereich schon immer Frauen arbeiteten. In den letzten Jahren kamen allerdings auch im reinen "Männerknast" immer mehr Beamtinnen dazu.

  Bedrohliche Enge und Kühle   Beim Betreten des Zellentrakt bietet sich ein beeindruckendes Bild. Die eingezogene Zwischendecke, sowie der eingezogene Schutz durch Maschendraht wurden entfernt, so dass der Blick bis zur Decke reicht. Ein typisches Bild, wie es eigentlich nur im Fernsehen bei Filmen gezeigt wird. Über mehrere Etagen führen Treppen nach oben. Alles ist offen und doch trotzdem irgendwie bedrohlich eng.

 

Die Zellentüren sind geöffnet, die Metallgeländer und Fliesen wirken kühl. Beim Blick in die kleinen Räume ist die Enge spürbar. Manche Zellen wirken noch dunkler als andere, noch bedrohlicher. Verschiedene Gerüche steigen in die Nase und an mancher Zellentür sind noch Sprüche von ehemaligen "Bewohnern" zu lesen.

"Tagsüber durften sich die Häftlinge hier frei bewegen. Es hätte ja auch keinen Sinn gemacht, sie zusammen zur Arbeit zu schicken und sie dann hier wegzuschließen", sagt Vetter. Arbeiten war bis vor der Wende Pflicht. So konnte sich ein Startkapital für später in Freiheit geschaffen werden, Kosten überhaupt gedeckt oder Schulden beglichen werden. In der heutigen Zeit ist es jedem freigestellt.

 

"Das ist natürlich ein diskutiertes Thema. Die Beschäftigung in einem Gefängnis in Form von Arbeit hat nicht nur Geld verdienen als Effekt, es ist auch gut für die Psyche. So haben viele das Gefühl, gebraucht zu werden, etwas tun zu können. Es ist ein innerlicher Ausgleich. Außerdem können so auch ganz persönliche Wünsche erfüllt werden. Alles was nicht zur normalen Verpflegung gehört, also Süßigkeiten oder Kosmetikartikel. Früher gab es Wertmarken, die der Mark gleichgestellt waren. Somit lag es an jedem selbst, sein Geld einzuteilen.

  Auch "Stammkunden" gab es   Heute wird alles gebucht und die Insassen bekommen nur noch einen Ausdruck ihres Guthabens. Das führt dazu, dass viele über ihre Grenzen haushalten", weiß Vetter. ,,Natürlich gab es auch ?Stammkundschaft?, die alle zwei bis drei Jahre wiederkam. Oder früh entlassen und abends schon wieder zu uns gebracht wurden", erinnert sich der langjährige Vollzugsbeamte.

 

Dies und noch viel mehr gibt es bei einem Rundgang zu erfahren.Wer Interesse hat, kann sich bei Klaus Vetter unter Telefon 03741/446800 anmelden und informieren.