"Aufgeben ist keine Option"

Nach den ersten Lockerungen der Beschränkungen in Zeiten der Corona-Krise gibt es eine Branche, die besonders darbt - die Tourismuswirtschaft, Hotellerie und Gastronomie. Auch in Plauen sind die Gaststätten geschlossen, die Hotels kochen auf Sparflamme.

Von Ingo Eckardt

Plauen Alexandra Glied vom "Hotel Alexandra" klingt besorgt. "In unserem Haus haben wir derzeit nur ganz, ganz wenige Geschäftsreisende, viele sind zu Homeoffice verdonnert, andere sind von Reiseverboten betroffen. Am Wochenende ist hier alles komplett leer. Dennoch wollen wir unseren 24 Vollzeitmitarbeitern und drei Azubis ein stabiler Arbeitgeber sein. Die Hälfte hat anteilige Kurzarbeit, niemand muss komplett zu Hause bleiben", so die Hotelchefin.
Fünf dicke Leitz-Ordner
mit Stornierungen

"Bei uns ist das gesamte touristische Geschäft zusammengebrochen. Das Busreisegeschäft gibt es nicht. Allein bei Übernachtungen liegen die Stornierungen bei mehr als 300.000 Euro - wir sind quasi von voll ausgebucht bis fast auf Null gerauscht.. Fünf dicke Leitz-Ordner mit Stornierungen haben wir bereits anlegen müssen. Und bei all dem sind noch nicht mal die Verluste aus dem Gastronomiebereich eingerechnet", verdeutlicht Alexandra Glied den Umfang der Katastrophe. Zumindest habe man aber kurzfristig einen Lieferservice aufgebaut.
"In Sachsen gibt es keine Zuschüsse für Firmen über zehn Mitarbeiter. In Thüringen wurde die Grenze bei 50, in Bayern gar bei 100 Mitarbeitern gezogen. Uns helfen derzeit nun Überbrückungskredite. Dank unserer fairen Hausbank haben wir gute Wege gefunden, Kredite der SAB zu beantragen, die in den ersten drei Jahren zinsfrei gestellt werden", sieht die auch als Stadträtin aktive Hotelchefin die Politik mit kritischen Augen. Ganz klar ist aber: Aufgeben ist keine Option, hier hängen Existenzen dran. Für das Dormero-Plauen will Juliane Steyer nichts zum Thema sagen: "Bitte wenden Sie sich an die Pressestelle. Ich will nicht, dass wieder was Falsches in der Zeitung steht", gibt sich die Hotelchefin etwas dünnhäutig. Die Pressestelle in Berlin war telefonisch aber nicht erreichbar.
Verlorenes Geschäft
lässt sich nicht aufholen

Christina Zetzsche, Chefin des "Best Western Hotels am Straßberger Tor", ist ziemlich frustriert. Fast alle ihrer 49 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, ihre acht Azubis sind im Hause und werden auch unterrichtet, da die Berufsschule derzeit geschlossen hat. "Gerade für die Abschlussjahrgänge ist es wichtig, dass sie am Ende gut vorbereitet in die Prüfungen gehen, wann immer diese genau stattfinden werden. Wir machen jetzt halt zwei Tage Theorie und drei Tage Arbeit pro Woche", sagt die Hoteldirektorin. Ihre Zimmer sind weitgehend leer, das Restaurant bleibt geschlossen - die Umsätze sind de facto gen null gefahren. "Wir haben hier ein paar wenige Geschäftsreisende, die im Vogtland zu tun haben. Denen bereiten wir ein individuelles Frühstück zu, das wir ebenso aufs Zimmer servieren wie das Abendessen aus einer kleinen Auswahlkarte", berichtet Christina Zetzsche. Einige Busunternehmen stornierten ihre Bestellungen nicht nur für die laufenden Schließzeiten, sondern aus Unsicherheit, wie es weitergehe, bereits längerfristig. Tagungen und Familienfeiern würden in Größenordnungen abgesagt. Die Einbuße beziffert Christina Zetzsche auf fast hundert Prozent. "Aufholen können wir das verlorene Geschäft nicht."
Komplette Belegschaft
in Kurzarbeit

Ganz ähnlich beurteilt Frank Wand vom City-Hotel die Lage, er betreibt auch das im Haus befindliche Restaurant "Kartoffelhaus" und das "Theatercafé", das ebenfalls coronabedingt geschlossen ist. "Wir haben im Hotel 90 bis 95 Prozent Umsatzverlust. Auch einige Monteure, die sich häufig bei uns einmieten, fallen jetzt weg. Manchen fehlt das Material, weil die Lieferketten nicht mehr funktionieren, andere Betriebe sind in Kurzarbeit, andere Firmen verhängen Kontaktsperren", sagt der Gastronom. Seine komplette Belegschaft sei auf 100 Prozent in Kurzarbeit. "Die Kosten laufen weiter, die Zuschuss-Versprechen der Politik waren bisher nur Luftblasen, Wir müssen ja auch die Kurzarbeitergelder vorfinanzieren. Das macht es auch nicht einfacher", ist Wand frustriert.
Reduzierte Umsatzsteuer
allein hilft auch nicht

Udo Gnüchtel, Betreiber des Parkhotels, ist derzeit kompletter Alleinkämpfer. Seine "Friesische Botschaft" ist geschlossen, mal sind ein, mal zwei, mal auch drei Hotelzimmer in Vermietung. "Das sind alles Geschäftsreisende oder Leute, die Termine in Plauen erledigen müssen. Frühstück gibt es dann im Restaurant für die jeweiligen Gäste ganz individuell. Insgesamt haben wir 96 Prozent Rückgang des Umsatzes zum Vorjahr", meint Gnüchtel und belächelt fast ein wenig die Idee der Politik, doch jetzt mal schnell die Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie und im Hotel zu reduzieren - ohne Restaurantumsatz helfe auch keine Steuererleichterung.
Seine fünf Mitarbeiter und seinen Azubi hat er in Kurzarbeit geschickt, stockt aber das Einkommen freiwillig um 20 Prozent auf. Traurig ist er, weil seine Personalplanungen, die er hatte, nicht aufgegangen sind, zwei erst zu Jahresbeginn eingestellten Mitarbeitern musste er kündigen.