Auferstanden aus Ruinen

Die Maler Plauen GmbH besitzt seit 1968 ein Ferienobjekt in Rostock- Warnemünde - und die Straßenbahn wirbt dafür. Aber warum macht die Werbung bald Pause?

Plauen - Die Reklame macht demnächst ein Jahr lang Platz für die Werbung "900 Jahre Plauen", sagt Andreas Stephan, Geschäftsführer der Maler GmbH. "Danach kommt unser Ferienhaus wieder an die Bahn."
Die Geschichte des Ferienobjekts reicht nach Stephans Worten weit zurück: 1953 wurde der Vorgängerbetrieb gegründet, die PGH des Malerhandwerks, die sich mit 313 Mitarbeitern zur größten Produktionsgenossenschaft des Handwerks im Bezirk Karl-Marx-Stadt entwickelte. "Damals hatten alle Betriebe sich auch um die soziale Versorgung der Mitarbeiter zu kümmern - und dazu gehörte, Ferienplätze zu organisieren", erzählt Stephan im Gespräch, der zwar erst 47 Jahre alt ist, aber durch seinen Vater, einem PGH-Mitarbeiter, viel erfahren hat. Damals habe eine Art Patenschaft der Stadt Plauen mit der PGH bestanden - alle Aufträge gingen an sie. Und so kam es, dass sich Stadt und deren Tochter, der Stadtbaubetrieb, gemeinsam mit der PGH auf die Suche nach einem Ferienobjekt machten. "Eine Delegation fuhr 1968 an die Ostsee und fand einen Vier-Seiten-Hof mit viel Land in Rostock Warnemünde."
Die Eigentümer-Familie verkaufte einen Teil, einen ruinösen Stall in Klinkerbauweise: Dach fehlte, Mauerwerk kaputt, alles hinüber, wie Stephan sagt. Arbeiter des Stadtbaubetriebs bauten mit Material der Stadt das Objekt aus - und die PGH bezahlte. So entstanden sechs Appartements im Erdgeschoss und später zwei weitere Wohnungen im Obergeschoss. Rund 20 Leute konnten Urlaub machen. "Vor allem im Sommer war das Objekt natürlich begehrt. Ich selbst war als Kind dort und es war schön", sagt Stephan. Wie er sich erinnert, fuhr immer im Frühjahr ein Lkw W50 an die Ostsee mit Leuten für Reparaturen und zum Raustragen der Strandkörbe zur Düne.
Dann kam die Wende: Die PGH stand im Grundbuch als Eigentümer und musste sich entscheiden: "Unser Ferienobjekt in Gottesberg, bestens geeignet für Winterurlaube, wurde aufgegeben. Die zwei Bungalows an der Talsperre Pöhl wurden verkauft. Und das Ferienhaus an der Ostsee wurde für eine Million D-Mark auf Vordermann gebracht. Seitdem können es alle Gäste ganzjährig nutzen", erklärt Stephan.
Nach seinem Bekunden ist die Auslastung bis heute gut - auch dank der Straßenbahn-Werbung. "Dieser Tage habe ich einen 80-jährigigen ehemaligen Mitarbeiter der Stadtverwaltung getroffen, der 1968 dabei war, als das Objekt ausgesucht wurde." ufa