Aufatmen ja, Durchatmen nein

Mit einem Paukenschlag verabschiedete sich das Kindercafe Mücke Ende des Jahres. Der Kinderschutzbund kündigte die Schließung der Einrichtung aus finanziellen Gründen ab Januar an. Doch am heutigen Dienstag dürfte die Leitung ein Schreiben erreichen, die das Team aufatmen lässt.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Die spektakuläre Aktion, mit der das Kindercafe wenige Tage vor Jahresende auf sich aufmerksam machte - und die einmal mehr überregionale Beachtung fand - kann Sozialbürgermeister Steffen Zenner nachvollziehen. Was sich im Anschluss in den sozialen Medien an Kritik über der Stadtverwaltung ergoss, schon weniger.
Doch der Reihe nach. Dass es auch bildlich gesprochen 5 vor 12 war, deutete sich bereits in der Kulturausschuss-Sitzung an, in der Leiter von Jugendeinrichtungen, die von finanziellen Nöten geplagt sind, über die damit einhergehenden Verunsicherungen und Zukunftsängste sprachen.
Knackpunkt Sachkosten
Nein, die Kuh ist noch lange nicht vom Eis. Allerdings werden die acht Plauener Einrichtungen heute ein Schreiben in ihrer Post finden, dass in diesem Jahr keine der Einrichtungen schließen muss - der Leitung des Kindercafes liegt dieses Signal bereits vor.
Den Knackpunkt bilden die Sachkosten und deren unzureichende finanzielle Untersetzung, bringt Zenner Licht in die für Außenstehende nicht einfach zu verstehende Problematik. Vor allem ist ihm wichtig: Es geht nicht nur um die acht in Plauen betroffenen Einrichtungen, sondern auch um jene in Oelsnitz und anderen vogtländischen Kommunen.
Allein in Plauen beläuft sich das Defizit der nicht untersetzten Sachkosten auf 100.000 Euro. Schuld ist - wie so oft im bürokratisch geprägten Deutschland - eine Richtlinie. Zunächst ein Sprung ins Jahr 2017. Bis zu jenem Jahr existierte ein Kooperationsvertrag mit dem Vogtlandkreis, demzufolge sich Kreis und Kommune Plauen zu jeweils 50 Prozent an der Finanzierung beteiligten. Doch bereits damals, erwähnt Zenner einen eher unbekannten Fakt, sei "Halbe-Halbe" eben doch nicht ganz "Halbe-Halbe" gewesen, weil der Landkreis für seinen Teil Geld verwendete, das er teilweise vom Land erhielt. Demzufolge war der Anteil Plauens schon damals höher.
Nun befindet sich der Landkreis - wie übrigens auch Plauen - in der Konsolidierung. Auf gut deutsch: Jeder Euro muss drei Mal umgedreht werden. Mit einem entsprechenden Beschluss des Kreistages wurde die Nicht-Finanzierung der Sachkosten gewissermaßen abgesegnet, zumal der Sächsische Städte- und Gemeindetag ähnlich argumentiert und fordert, die Kommunen mögen sich anteilmäßig beteiligen.
Verzicht auf Miete
Für 2018/19 erklärte sich Plauen bereit - seit dem Verlust der Kreisfreiheit dafür eigentlich nicht mehr zuständig - das entstandene Defizit in den Plauener Einrichtungen mit jeweils 100.000 Euro auszugleichen. Bereits im April vorigen Jahres, erinnert sich Zenner noch gut, habe es ein Gespräch mit Dezernent Uwe Drechsel vom Landratsamt gegeben, in dem deutlich gemacht wurde, dass Plauen künftig diesen Anteil nicht mehr übernehmen werde.
Alternativ habe man angeboten, mit 50.000 Euro eine halbe Stelle im Markuskeller zu finanzieren und mit weiteren 50.000 Euro die Arbeit der Mobilen Jugendarbeit zu unterstützen. "Wir hätten das Geld also nicht gespart, sondern als freiwillige Leistung diesen beiden Einrichtungen zukommen lassen", sagt Zenner. Und noch etwas, eher Unbekanntes, fügt der Sozialbürgermeister an: "Wir verlangen von den Einrichtungen, die in städtischen Gebäuden untergebracht sind, keine Miete."
Dass sich der Vogtlandkreis beim Thema Sachkostenförderung einen "schlanken Fuß" macht, kann Zenner sogar teilweise nachvollziehen. Denn: Besagte Richtlinie zur Sachkostenförderung zu kippen, obliegt dem Jugendhilfeausschuss. "Und wir erwarten, dass dieses Gremium als Souverän diese Richtlinienänderung beantragt", macht Zenner unmissverständlich klar. Denn ebenso klar ist, dass die Sachkosten der Plauener und vogtländischen Jugendeinrichtungen höher sind, als die bisher getätigten Zuschüsse.
"Es geht um die Gleichbehandlung für alle Einrichtungen" sagt Zenner, der Plauen damit in der Rolle des Vorkämpfers auch anderer betroffener Einrichtungen sieht.
Mitte Januar werde es ein erneutes Gespräch mit Landrat Rolf Keil geben mit der "freundlichen Bitte, das Finanzgebaren des Landkreises zu überdenken", formuliert Zenner diplomatisch. "Und vermutlich werden wir wieder zu hören bekommen, dass das politische Mandat dazu fehlt." Womit der Ball wieder beim Jugendhilfeausschuss landet.
Stadt geht in Vorleistung
"So lobenswert die kurz nach dem Fest an das Kindercafe Mücke überreichte Spende auch gewesen sei, für die langfristige Sicherung der Einrichtungen helfen keine Spendenaktionen. Die Teams müssen mit dem Geld planen können. Immerhin treten die Einrichtungen auch als Arbeitgeber auf - für Sozialarbeiter, die auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt sind." Hinsichtlich der Folgen macht Zenner gedanklich drei Punkte.
Sollte die Richtlinie nicht zeitnah geändert werden, tritt ein, was die Einrichtungen heute schwarz auf weiß lesen können: In diesem Jahr wird es keine Schließungen geben. "Wir werden dem Stadtrat entsprechende Möglichkeiten der Finanzierung vorschlagen", avisiert Zenner, der eine zusätzliche Finanzierung als "nicht empfehlenswert" bezeichnet. Oder drastischer formuliert: "Die Finanzierung würde aus schmerzhaften Einsparungen bei zusätzlich freiwillig finanzierten Leistungen der Stadt resultieren." Klingt etwas verschraubt, aber der Inhalt ist deutlich.
Und noch etwas macht der Sozialbürgermeister an die Adresse des Landkreises gerichtet, deutlich: Plauen verstehe die Finanzierung besagter 100.000 Euro befristet für dieses Jahr und als Vorleistung bis zur Änderung der Richtlinie.