Auf Zeitreise im Drogerie-Museum Oelsnitz

Oelsnitz -  Weihnachtszeit - aus Bodenkammern und Kellern wandern Puppenstuben und nostalgische Kaufmannsläden in die Wohnzimmer. Ein Kaufmannsladen für Groß und Klein ist die Löwen-Drogerie von Michael Schilbach in der Unteren Kirchstraße in Oelsnitz. Neben den Verkaufsräumen hat der Inhaber ein sehenswertes Drogerie-Museum aufgebaut.

 

Die Ladenklinke hat Löwengestalt, doch sonst erinnert kaum etwas an den tierischen Namensgeber. Bis 1886 lässt sich die Vita der Löwendrogerie zurückverfolgen. Gegründet wurde sie von Apotheker Illing als Drogenhandlung in der Hauptstraße 7, erzählt Schilbach, der an einer Geschichte aller Drogerien in Oelsnitz arbeitet. Illing hatte offenbar für eine Apotheke keine Konzession erhalten. Das Eckhaus an der späteren Egerstraße steht heute nicht mehr.

Schon 1889 wechselte das Geschäft zu Otto Bergemann. Der Name "Löwen-Drogerie" taucht erstmals 1909 auf mit dem Inhaber Otto Panzer. 1912 übernimmt der gebürtige Dresdner Adolf Friedrich Zschernig die Drogerie mit seiner Frau Hedwig. Er kauft 1922 von Albin Michael das Haus in der Unteren Kirchstraße 5, in dem sich damals eine Kolonialwarenhandlung befand - die heutige Geschäftsadresse. Löwen-Drogerien gibt es zuhauf im Land. Der König der Tiere steht für Mut und hohen gesellschaftlichen Rang. Dieses Image war gut fürs Geschäft und tat den "vielen verkappten Apothekern und den Drogisten" wohl. Adolf Zschernig führte die Drogerie vom Kaiserreich bis in die DDR, 42 Jahre lang. Damit schaffte er den Rekord unter den Inhabern. Sein Name ziert bis heute die Fassade des Hauses, das mit der Zeile seiner Nachbarhäuser nach dem "kleinen Stadtbrand von 1861" erbaut wurde.

Michael Schilbach übernahm das Geschäft am 1. Juni 1989 von Günther Drechsel. Der 44 Jahre alte gelernte Drogist ist begeisterter Hobby-Historiker, Fotograf und Mitglied im Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde. Für seine Studien forscht er im Kreisarchiv auf Schloss Voigtsberg. Alte Zeitungen mit ihren Werbeeinträgen und Adressbücher sind seine Quellen. Die ehemalige Drogistenwohnung neben seinem Laden begeisterte ihn mit ihrem Parkett. Ein Grundstock alter Drogeriemöbel und -gefäße war auch noch vorhanden. Mit seinem Museum geht Schilbach auf eine Zeitreise 100 Jahre zurück. Das grafische und handwerkliche Design der Reklameschilder, Seifenschachteln, Apothekerflaschen, Mörser, Dosen, Kosmetikartikel in den antiken Regalen begeistert. Bewacht wird die Ausstellung von einem Bernhardiner in Lebensgröße - Firmenwerbung von anno damals aus Pappmaché. Die Sammelleidenschaft des Hausherrn hat reiche Früchte getragen. Die Fachbibliothek im altertümlichen Büro enthält sogar ein "Liederbuch für Drogisten". Ein wenig bedauernd meint Michael Schilbach: "Ich könnte noch drei Räume füllen".

Mit seinem Geschäft stemmt er sich gegen den Strom der Zeit mit ihren Drogeriemarktketten. Innerhalb weniger Jahre ist die Zahl inhabergeführter Drogerien in Deutschland von 14 000 auf 2000 zurückgegangen. Mit einer Lotto-Annahmestelle und der Passbildfotografie hat sich Schilbach weitere Standbeine geschaffen. Eine Besichtigung seines Drogerie-Museums ist während der Öffnungszeiten möglich - Montag bis Freitag, 8.30 bis 13 Uhr, und 14.30 bis 18 Uhr; samstags von 8 bis 13 Uhr - und auf Vereinbarung. R. W.