Auf Suche nach der Gefahr

Das halbe Vogtland ist Radongebiet: Das radioaktive Edelgas kann Segen sein - oder Verderben bringen, es kann heilen - oder krank machen. Deshalb gelten neue Baugesetze - für manche Bauherren und Arbeitgeber wird es teuer.

Theuma - Robert Georgi hat alle Hände voll zu tun. Der Chef der Firma "Umweltmanufaktur" unterstützt Firmen bei Radonmessungen. Diese Messung sind seit 1. Januar Pflicht für Arbeitgeber in bestimmten Gebieten, wenn sich Arbeitsräume im Keller oder Erdgeschoss befinden. "Von der Messung hängt ab, was der Besitzer der Räume unternehmen muss", sagt Georgi, nach eigenen Worten Sachsens einziger TÜV-Sachverständiger für Radonschutz in Innenräumen.
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das überall im Boden entsteht. Die Konzentration schwankt - je nach Art des Bodens. Tritt es aus, wird es durch die Luft sofort stark verdünnt. Gelangt es jedoch über Risse und Fugen in Gebäude, kann es sich dort anreichern. Und wird es in erhöhten Mengen über längere Zeit eingeatmet, kann es Lungenkrebs verursachen. "Nach dem Rauchen gilt Radon als zweithäufigste Ursache für den Tod durch Lungenkrebs in Deutschland", sagt Georgi.
Sachsen gehört zu den Bundesländern, die aufgrund der Geologie ein erhöhtes Radonpotenzial besitzen: In fünf Landkreisen sind 107 Gemeinden betroffen. Georgi: "Im Vogtlandkreis betrifft es 21 Kommunen, grob gesagt: das Gebiet südlich der A72." Siehe Kasten.
Im Bauernladen der Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz bringt Georgi vier Dosimeter an - im Verkaufsraum und in Nebenräumen. Dabei wird er von Daniela Langefeld unterstützt, der Bereichsleiterin Direktvermarktung. Das Innenleben der gut daumendicken Plastedosen reagiert auf das radioaktive Edelgas. "Nach zwölf Monaten werden die Dosimeter ausgelesen. Der Eigentümer muss handeln, wenn die Strahlung 300 Bequerel pro Kubikmeter überschreitet."
Laut Georgi kommen bauliche Dinge (wie Abdichten der Bodenplatte) in Frage oder der Einbau von Lüftern (mit dem Nachteil, im Winter Energie zu verschwenden). "Es hängt vom konkreten Fall ab. Wahrscheinlich wird es Fördermittel geben - die Diskussionen laufen."
Georgi empfiehlt die Messungen auch für Privatleute, obwohl sie gesetzlich nicht dazu gezwungen sind. "Sicher ist sicher. Und perspektivisch wird es wohl - wie in Skandinavien bereits üblich - einen Strahlenpass fürs Haus geben. Einen Energiepass gibt es ja schon."
Sämtliche Bauherren in Radongebieten müssen ebenfalls neue Bestimmungen beachten: Mittel der Wahl seien veränderte Fundamentplatten und dickere Dichtungsfolien. "Für Häuslebauer dürfte das ein paar Hundert Euro kosten, für sehr große gewerbliche Bauten sind fünfstellige Beträge realistisch."
Diplom-Geologe Georgi beschäftigt sich nach eigenen Worten seit 2016 mit dem Strahlenschutz, speziell der Verwendung von Wismut-Haldenmaterial im Straßenbau. "Zuletzt war ich Abteilungsleiter Umweltschutz in einem Zwickauer Ingenieurbüro. Mit Jahresbeginn habe ich mich selbständig gemacht. Meine Umweltmanufaktur ist eine von zwei Firmen im Vogtland, die offizielle Radonmessungen ausführen darf."
Georgi zufolge gibt es in Sachsen zwischen 20.000 und 30.000 Betriebe, vom Alleinunternehmer bis zum Großbetrieb. "Unklar ist, wie viele Betriebe von den neuen Bestimmungen betroffen sind. Aber sicher ist, viele haben noch nie davon gehört, dass sie handeln müssen. Ich schätze, 75 Prozent", sagt der 36-Jährige, der die Öffentliche Hand in der Pflicht sieht, darüber zu informieren. Laut Gesetz hätten die Messungen bis 30. Juni beginnen müssen… ufa