Auf Riesenspuren durchs Elstertal

Es ist ein kleines, aber gleichzeitig riesenhaftes Tourismusprojekt, das dieser Tage gestartet wird. Große Fußstapfen zeugen von der netten Idee, die entlang der "unteren Bahn" zwischen Gera und Cheb umgesetzt wird - analog wie auch digital und sogar in nagelneuer "Augmented Reality"-Technologie. Gestern wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Von Ingo Eckardt

Plauen - Träger des mit EU-Mitteln in Höhe von 50 000 Euro geförderten Projektes ist der Zweckverband ÖPNV Vogtland (ZVV), der damit vor allem die Elstertal-Bahn touristisch voran bringen will, wie ZVV-Pressesprecherin Kerstin Büttner berichtete. Schon der frühere Geschäftsführer des Verbandes, Torsten Müller, sah in der Elstertalstrecke großes Potenzial, zumal man grenzüberschreitend bis Eger unterwegs sei. "Er sprach damals von einem ‚schlafenden Riesen‘, den man zum Leben erwecken müsste. Es ist schon schön, dass dieses Bild vielleicht am Ende die Inspiration war, das Thema mit der Geschichte eines Riesen zu verknüpfen", so die Sprecherin. Ursprünglich hatte man ein touristisches Leitsystem und eine Infobroschüre entlang der Strecke geplant. Dass man diese Ursprungsplanung nun mit der Hannoverschen Werbeagentur "Wenn und Aber" umgesetzt und erheblich kreativ erweitert hat, ist ein tolles Alleinstellungsmerkmal für die Region. "Wir wollten eine Geschichte erzählen, die es nicht gab bisher. So entwickelten wir die Geschichte von einem Riesen, der auf Menschengestalt schrumpfen kann", sagt Agenturchef Frank Kudlinski. Der Riese - so die Story - lebt unerkannt seit 2000 Jahren hier im Vogtland. Elf Stationen seines Lebens habe man identifiziert. Riesige an verschiedenen Standorten aufgeklebte Fußspuren stehen für die Spuren des Riesen mit Geschichten für jeden Standort. "Damit schicken wir die Besucher schon einmal vorab auf virtuelle Entdeckungstour auf den Spuren des legendären Riesen Voglar. Neben einer Website mit vielen Standorten, die vorgestellt werden, gibt es ab 15. August auch eine Voglar-App, die mit ihren Geschichten vom Riesen Tschechien, Sachsen, Thüringen und Bayern verbindet. Man kann über die Footprints an den Standorten Informationen abrufen - im Falle des Standortes am Bahnhof Mitte in Plauen steigt übrigens ein Spitzenhöschen aus einer Schatztruhe auf. "Das wird dann später so gehen, dass man sich virtuell dieses Spitzenhöschen auch anziehen und ein lustiges Bild damit machen kann", lacht Christian Just, Chefentwickler der Firma Bitmotec, der die virtuelle Umsetzung verantwortet.
Außer in Plauen kann man die "Riesen-Fußabdrücke" auch an drei Standorten zwischen Bahnhof und Naturtheater in Bad Elster sowie in Weischlitz am Bahnhof entdecken. Ein Microspiel kann man in Weischlitz in der Schatztruhe finden. "Die Kinder und spielbegeisterte Erwachsene können hier auf lustige Art und Weise die Wartezeit von 20 Minuten bis zur Weiterfahrt überbrücken", erklärt Claudia Kudlinski, die die kreativ-grafische Umsetzung verantwortet hat. Die Leute sollten sich auf den Weg machen und selbst ihre Gedanken schweifen lassen - immer so auf den Spuren des Riesen. So sei vor allem die Familie eine Zielgruppe. "Wir wollen bewusst die touristische Platzierung in jüngerem Segment angehen. Mit der Augmented Reality-Umsetzung ist echte Hightech integriert - ganz einfach umgesetzt in der App. Auch in der Elstertalbahn ist ein Fußabdruck aufgeklebt und einer ist auch in Wünschendorf am Bahnhof zu finden. 
"Das System ist für Erweiterungen ausgebaut. Dafür braucht es allerdings neue Budgets, eventuell über die Kommunen, die Interesse haben oder touristische Player", sagt ZVV-Projektleiter Marco Lukat. Die Anliegerkommunen wissen, dass es diese Erweitungsmöglichkeiten gibt und dass man sich in das Riesen-Thema integrieren kann. Die Kosten seien jedoch je nach Programmieraufwand immer individuell. "Die Kommunen sind im Fachbeirat vertreten gewesen und kennen das Thema sehr gut. So etwas funktioniert nur, wenn viele mitmachen", sagt Kerstin Büttner und hofft auf ein Wachsen des Projektes - auch wenn nun erst einmal der Startschuss erfolgt sei.