Auf Neustart hinarbeiten oder einpacken

Die Gastronomen der Stadt müssen seit vielen Wochen ihre Lokale geschlossen halten. Sie halten sich, wenn überhaupt, mit Aktionen wie "Essen zum Mitnehmen" und mit Imbissangeboten über Wasser und im Gespräch. Die Forderung wird derweil immer lauter: Öffnet die Gastronomie!

Von Frank Blenz

"Aus gegebenem Anlass bleibt unser Geschäft geschlossen". "Wegen Corona geschlossen! Bleibt gesund!" So oder so ähnlich steht es auch in Plauen auf den Schildern an den Türen der Gastronomie. Als wäre eine ganze Branche in Dornröschenschlaf versetzt worden, um dereinst wie vor der Pandemie wieder aufzuerstehen, wirkt die Situation. Wenn es so einfach wäre. Denn die Kosten laufen weiter. Der Rundgang durch die Spitzenstadt macht traurig. Doch hinter den Kulissen tut sich vieles. Denn schlafen tun die Gastronomen, die Kneiper, die Köche, die Servicemitarbeiter nicht, sie können sich das nicht leisten, berichtet einer aus der Berufsgruppe: René Giessel. Der junge Mann ist seit zehn Jahren Kellner im Theater-Café und befindet sich gerade in Kurzarbeit, was aber nicht bedeutet, er arbeite weniger.

"Täglich schaue ich ins Café rein, wir haben zu tun und haben das Ziel vor Augen: Wiedereröffnung. Wir bereiten gerade unsere Angebote neu vor, neue Eiskarte, neue Menükarte." Sein Chef, Lokalbetreiber Frank Wand, der auch ein Hotel an der Neundorfer Straße betreibt, macht seinen neun Mitarbeitern seit Monaten Mut, auch wenn ihm selbst Angst und Bange wird mit Blick auf die Zukunft. Sich der Pandemie stellen ist sein Credo, Konzepte erarbeiten, Angebote machen, auf dass die Gastronomie sicher ist, wovon er überzeugt ist. "Wir haben so sichere Konzepte wie das Theater oder der Handel, allein, wir haben immer noch zu", sagt Frank Wand mit Ärger. Was ihn aber bis jetzt (noch) nicht aufgeben lässt, er blickt nach vorn. Zuerst die Außengastronomien öffnen, dann innen, lautet nicht nur seine Forderung. Und die Abstandsregelung muss modifiziert werden, denn die Auslastung von 30 Prozent der Kapazitäten für Raum und Plätze ist schlicht nicht kostendeckend.


Um der Öffnung der Innenräume Nachdruck zu verleihen, wagte Frank Wand eine enorme Investition. "Wir haben Speziallüfter einbauen lassen, über 20.000 Euro für Viren freie Räume", so der Gastronom. Die teuren Lüfter filtern und befreien die Innenluft von Viren. Derweil stehen die Gastronomen auch in Sachen Teststrategie und Nachverfolgung in den Startlöchern. Ob es funktioniert, ob es angenommen wird, darüber gehen die Ansichten auseinander. "Für einen Kaffee im Lokal oder auf der Terrasse vorher noch einen Test machen für Geld und dann das Prozedere der Personalfeststellung, davon wird nicht jeder Gast zu begeistern sein", sagt Anja Fuchs vom Lokal B4 an der Bahnhofstraße, die an und für sich für Tests ist. Sie und weitere Initiatoren hatten im Spätherbst 2020 die Aktion "itzelassmerkochen" ins Leben gerufen, ein Angebot Plauener Gastronomen für die Bestellung und Abholung oder Lieferung von Essen. Die Frage, wie viele Gastronomen eine Öffnung planen und darauf hin arbeiten, ist ebenso nicht zu beantworten, wie die Frage, wie viele im Laufe des Jahres für immer schließen, sinnieren Fuchs und Giessel. "Ich befürchte, dass es nicht wenige sein werden, die zu machen. Denn im Herbst wird das Insolvenzrecht wieder aktiviert. Wenn es bis dahin keine Öffnungsstrategie gibt, wenn nicht begonnen wird, dass wir wieder Geld verdienen, dann gehen die Lichter aus", spricht Mitarbeiter Rene Giessel aus, was viele der Kollegen befürchten.