Auf in Runde zwei, ohne Konkurrenz

In Rodewisch redet und bestimmt der Bürger mit. Diesen demokratischen Führungsstil wolle sie beibehalten, sagt Bürgermeisterin Kerstin Schöniger. Im Mai tritt sie zum zweiten Mal zur Wahl für das Bürgermeisteramt an.

Von Cornelia Henze

Rodewisch - Eigentlich wäre für die Rodewischer schon am 3. Februar Wahltermin gewesen, wäre da nicht ein Formfehler in der Ausschreibung der Wahlmodalitäten passiert. Nicht bedacht hatte man, dass der "Stadt-Anzeiger" sich neuerdings "Rodwischer Bote" nennt - ein Fauxpas, der der ersten Amtszeit Schönigers eine Verlängerung um ein Vierteljahr bringt.
Mit "Die Zukunft ist hier" geht die 50-jährige Amtsinhaberin in einen moderaten Wahlkampf, steht sie doch bisher als einzige Kandidatin - von der CDU nominiert - auf der Liste. Vor sieben Jahren startete Schöniger als (noch) parteilose Einzelkandidatin und holte sich das Amt mit knapp 54 Prozent. Nun also wird Schöniger sie vermutlich allein auf der Liste stehen: Ein weiterer Kandidat musste das Handtuch werfen, weil er als Einzelkämpfer nicht die geforderten 60 Unterstützerunterschriften beibrachte. "Ich bin mit Leib und Seele Bürgermeisterin", sagt Schöniger. Auch künftig setze sie auf das Mitspracherecht ihrer Rodewischer. In wohl (fast) keiner Vogtlandstadt sind die Einwohner so intensiv einbezogen ins Stadtgeschehen, wie in Rodewisch. Schöniger: "Am Anfang hatte ich Angst vor zu viel Mitsprache. Ich wusste nicht, welches Format dafür geeignet sein könnte, glaubte, es komme keiner zu den Bürgerforen - und wenn, dann renitente Zeitgenossen, die konstruktives Miteinander zerstören könnten. Diese Angst habe ich nun nicht mehr." Mitreden durften die Einwohner bei der Neugestaltung der Rissbrücke, dabei, welches Gesicht die "neue Mitte" um den Postplatz und die Schlossinsel sowie der Busbahnhof zeigen werden. Öffentlich diskutiert wurden die Entwürfe für die neue Kita am Göltzschplatz. All das geschieht in Bürgerforen, Arbeitsgruppen, Abstimmung im Internet. Die Formate sind vielfältig. Aus dem ersten Jugendbarcamp (dem soll bald ein zweites folgen) wurde ersichtlich, wie viel Ideen in den jungen Leuten stecken. Der ROWI-Park war geboren - ein Projekt, mit dem die Stadt den Wettbewerb "Ab in die Mitte" gewann und das im vorigen Jahr mit einem Naschgarten schon "erste Früchte" trug. Fehlen nur noch die großen hölzernen und bespielbaren ROWI-Buchstaben. Wegen komplizierter TÜV-Auflagen an Spielgeräte werden sie wohl erst im Sommer aufgestellt.
Eine nächste Bürgerbeteiligung ist mit der AG Weihnachtsmarkt in Sicht. "Denn auch da brauchen wir frischen Wind. Da geht noch mehr", so Schöniger. Die Mittsommernacht im Sommer steht unter dem Thema "30 Jahre Mauerfall".
Baulich stehen 2019 drei Großprojekte an: 1,5 Millionen Euro fließen weiter in die Innenstadt-Gestaltung. Für 1 Million wird die Lamnitzer Straße neu ausgebaut und 1,4 Millionen Euro kostet der neue Busbahnhof. 2019 wird abermals das Jahr der Großbaustellen in Rodewisch werden und die Geduld der Kraftfahrer auf die Probe stellen. Der ganze Postplatz wird ab Frühjahr aufgegraben und nicht befahrbar sein. Parallel dazu baut die Diakonie in unmittelbarer Nähe die neue Kita. In Blickrichtung gleich nebenan setzt die Stadt mit dem Verkehrsverbund Vogtland den neuen Busbahnhof um, in dessen Zentrum eine überdachte Mittelinsel steht, zu der alle Busse hinrollen und auch wieder abfahren. Mit dem neuen ÖPNV-Konzept wird Rodewisch zu einem größeren Verkehrsknotenpunkt im Vogtland - eine Chance, als Stadt an Bedeutung zu gewinnen. So auch innerhalb des Städteverbundes Göltzschtal: Unter der Regie von Schöniger rücken die vier Kommunen enger zusammen. Optisch soll diese Einheit durch vier Sitz- und Erholungs-Inseln erkennbar sein. Je eine solche wird es am Schloßplatz (Falkenstein), Marktplatz (Ellefeld), Hofaupark (Auerbach) und ROWI-Park (Rodewisch) geben.
Mangelnder Wohnraum sei das alte Problem von Rodewisch, sagt Kerstin Schöniger - bemüht, diesen zu schaffen. Mit zwei Krankenhäusern, drei Schulen und dem Baubetrieb VSTR ist Rodewisch im Göltzschtal ein großer Arbeitgeber, die Zahl der Ein- und Auspendler hoch. Wohnraum in der Stadt ergo begehrt. Acht Eigenheime entstehen an der Bahnhofstraße, vollsaniert werden die städtischen Wohnungen in der Inneren Karl-Liebknecht-Straße. Häuschen könnte auch entlang der Lindenstraße gebaut werden, dort, wo jetzt noch Kleingärten sind. Innerhalb des Kleingartenkonzeptes - viele Gärten stehen leer - sind hier die Plätze für neuen Wohnraum. Altbausubstanz gebe es zwar genügend, was aber nicht mehr den Vorstellungen junger Familien entspreche. Große Wohnungen in modernem Zuschnitt, barrierefrei und mit Balkon seien gefragt. Ein gelungenes Beispiel sei die Alte Post, welche die städtische Wohnbau zu Wohnungen umbaute.
Mit rund 6400 Einwohnern hat die Stadt im Vergleich zu den Vorjahren leicht an Bürgern verloren. Der erfreulichen Zahl von 50 Geburten stehen mehr Sterbefälle entgegen. Auch die Auflösung der Wohnheime für unbegleitete minderjährige Asylbewerber brachte ein Minus von rund 150 Einwohnern. Wachsen könnte die Stadt mit sogenannten Rückkehrern. Zu Jahresanfang lud Kerstin Schöniger Ex-Rodewischer zum Gespräch ein. Je eine Familie aus Bayern und Dresden wollen wieder in ihrer Heimatstadt leben.