Auf der Achterbahn der Temperaturen

Ach wär‘ ich doch die Butter in der Kühlung eines Supermarktes, das Eis in einer Kühlmaschine oder wenigstens Schwimmmeister in einem der Bäder. Am bisher heißesten Tag Deutschlands sind wir auf die Suche nach den hitzigsten und kühlsten Locations gegangen. Da, wo man es aushalten kann oder auch nicht.

Von Cornelia Henze

Plauen Die kühlsten Orte für Jedermann sind definitiv die Freibäder. Dorthin treibt es in dieser Woche Horden von Kindern, die von ihren Schulen hitzefrei bekommen haben. Aber ist schul- und hitzefrei wirklich die Lösung? Unsere Schule hat prima Wärmedämmung und deshalb sind unsere Klassenzimmer nicht wärmer als 24 Grad", verrät Simone Heilmann, Direktorin der Plauener Hufeland-Oberschule. Eigentlich sei es verantwortungslos, die Kinder aus den guttemperierten Schulräumen nach draußen zu entlassen, wo bald 40 Grad den Asphalt schmelzen lassen, sagt Heilmann halb im Scherz. "Aber die Kinder wollen ja ins Freibad", so ihr Grund, weshalb die Hufeland es anderen Schulen gleich tut: Aus einer 45-minütigen Schulstunde werden 30 - der Unterricht wird verkürzt. Heilmann selbst zieht das kühle Direktorenzimmer vor. Schließlich gibts bis Schuljahresende noch eine Menge Zeugnisse zu schreiben.
24 Grad Raumtemperatur ist schön, aber noch nicht optimal. Über seinen erfrischenden Arbeitsplatz freut sich Glyn Lohof-Beierlein. Salopp gesagt: Als Verkäufer im Kaufland hängt er in diesen Tagen über der Kühltheke ab. Denn dort herrschen herrliche 9 Grad. "Am liebsten laufe ich ganz nah am Regal entlang", verrät der junge Mann von der Fein- und Tiefkühlkost. Dort weht ein frisches Lüftchen von 7, 8 Grad. In der Tiefkühlung hat es sogar minus 19 Grad.
Der kälteste Ort im Eiscafé Orchidee in Plauen ist die Gefriertruhe, in dem selbstverständlich Gefrorenes lagert - bei minus 25 Grad. Minus 15 Grad hat es immerhin noch in der Theke, in der 17 Sorten Eis darauf warten, verspeist zu werden. Von dem kühlen Hauch des Eises partizipieren Orchidee-Besitzerin Kathrin Schaarschmidt und ihre mit im Verkauf tätige Mutter. Doch das Geschäft mit dem Eis hat auch seine heiße Seite. Nämlich bei der Herstellung, wenn die gute Milch aus Theuma praktisch Achterbahn der Temperaturen fährt. Innerhalb einer Stunde wird sie auf 90 Grad zum Pasteurisieren hoch und dnaahc auf minus zehn Grad runtergetourt. "Alles, was man zum eisherstellen braucht, Kühmaschine, Kompressor, Gefrierschränke machen warm", so Schaarschmidt.
Und nun die heißesten Locations: Nicht zu beneiden sind die Bauarbeiter vom Plauener Schloßhang. Weil gerade Beton angerührt wurde, muss Mittag durchgejobbt werden. "Der Beton bestimmt die Pausenzeit", sagt Bauarbeiter Thomas Mädcler gelassen. Vier Liter Wasser trinken er und jeder seiner Kollegen bei dieser Hitze. Immerhin bekommen die Arbeiter das Wasser vom Chef gratis.
"Bei uns ist es extrem warm",sagt eine Mitarbeiterin einer Wäscherei auf der Plauener Morgenbergstraße. Heiße Dämpfe entweichen einer Döner- und benachbarten Chinanudel-Bude. "Es geht schon", winkt der türkische Gastronom ab, während er am heißen Döner schabt. Nebenan bei den Asiaten laufen in der engen Wok-Küche die Ventilatoren auf Hochtouren.
Die Krawatte abgelegt hat Merkur-Bank-Banker Marcel Neumann schon mal. Aber mehr Hüllen fallen lassen will und darf Herr Neumann nicht. Das höchste der Gefühle wäre, das langärmelige Hemd etwas hochzukrempeln. "Kurzärmelig geht gr nicht, wir wollen gegenüber unseren Kunden schon eine gewisse Etikette wahren und professionell auftreten", so Marcel Neumann.
"Die Freibäder sind zu weit für uns", sagen zwei aus Afghanistan und Syrien stammende junge Männer. Zum Glück hat das Plauener Hallenbad noch bis 16 Uhr auf - baden indoor ist besser als nix. Die Sauna hat in dieser Woche die Segel gestrichen.
Die Tiere im Klingenthaler Tierpark verkrümeln sich am liebsten in ihre Höhlen oder an kühle Schattenplätze. Und wenn der Planet gar zu sehr sticht, gibt Tierparkchef Tino Richter den Affen nicht Zucker, sondern gefrorene Früchte als Eisbombe. "Das lieben die."