Auf den Spuren eines guten Menschens

Alfred Roßner ist der "Oskar Schindler des Vogtlandes". Nur ist er in Deutschland, der Region und selbst in seiner Heimatstadt Falkenstein nahezu unbekannt. Das wollen Schüler der Falkensteiner Trützschler-Oberschule ändern. Sie holen den stillen Helden und Menschenfreund aus dem Vergessen. Die Stadt Falkenstein will den guten Menschen nun ehren.

Von Cornelia Henze

Falkenstein Wäre Steven Spielberg statt auf die Biografie des Emaillefabrikanten Schindler auf die des Textilunternehmers Alfred Roßner gestoßen, wer weiß, ob dann nicht dieser Mann Protagonist seines berühmten Anti-Kriegs-Filmes geworden und sein Name als "Gerechter unter den Völkern" um die Welt gegangen wäre. Denn es gibt etliche Parallelen zwischen den beiden Männern und der Art, Menschen jüdischen Glaubens vor der Deportation durch die Nazis und dem Tod in den Vernichtungslagern gerettet zu haben. Nur würde, wäre der Film Roßner gewidmet worden, dieser ein gar schlimmes Ende nehmen. Denn anders als bei Schindler, flogen Alfred Roßners über drei Jahre gelaufenen Rettungsaktionen für seine jüdischen Arbeiter auf: Er wird von der Gestapo verhaftet und stirbt am 18. Dezember 1943, einen Tag nach seinem 37. Geburtstag, in einem Gefängnis in Polen. Von den 9000 unter seinem Schutz gestandenen Juden überleben nur 50. Eine davon ist Kitia Altman, geborene Szpigelman. Die damals junge Polin entgeht Dank Alfred Roßner der Deportation - und erzählt nach dem Krieg ihre Geschichte der Autorin Hannah Miska im australischen Melbourne. Miska schreibt ein Buch über jüdische Holocaust-Überlebende, und beginnt in Falkenstein zum Leben Alfred Roßners zu recherchieren. Hier kommen Geschichtslehrerin Martina Wohlgemuth und ihre Acht- und Zehntklässler ins Spiel.
"Unser Ziel ist es, die Geschichte aufzuarbeiten und diesen Mann, der Menschenleben gerettet hat, ins Bewusstsein der Bürger in unserer Stadt zurück zu holen", sagt die 59-jährige Pädagogin. Feuer gefangen hat die kleine Historiker-Schülergruppe, als Hannah Miska 2018 in Falkenstein sozusagen als Vor-Premiere ihre Roßner-Biografie "Der Stille Handel" vorstellte. Die Schüler wurden neugierig, wollten mehr über den Mann erfahren, der 1906 in Oelsnitz geboren wurde, in Falkenstein Kindheit und Jugend verbrachte und sogar in ihre (Ober)Schule ging.  Mehr zu Alfred Roßner - im Vogtland-Anzeiger