Auerbacher Notaufnahme quillt über

"Wir müssen gut wirtschaften und sparsam arbeiten, damit wir uns neue Investitionen leisten können", sagt Verwaltungsdirektorin Beate Liebold - immer mit einem kritischen Blick auf die Zahlen. Aber auch ein kreisliches Krankenhaus wie Obergöltzsch ist auf Patienten angewiesen und im ständigen Konkurrenz-Kampf mit privaten Häusern. Patienten wählten ihr Krankenhaus zunehmend nach dem Leistungsangebot. Liebold: "Die Innovation in der Medizintechnik schreitet voran und wird zunehmend ein Wettbewerbsfaktor."

Für 1,5 Millionen Euro bekommt Obergöltzsch also 2012 erstmals ein eigenes MRT-Gerät - bisher nutzte man so ein Gerät an den Kliniken Plauen, Reichenbach und Schöneck. Weiter wird es für chronisch Herzkranke ein High-End-Echokardiographie-Gerät geben. Diese Medizintechnik wird mit 527 000 Euro gefördert. 800 000 Euro steckt Obergöltzsch in den Umbau der Notaufnahme.

Mit dem Umzug der ambulanten Praxen ins Gesundheitszentrum entstand zusätzlicher Platz - der wird dringend gebraucht, denn immer mehr Patienten kommen zur Behandlung in die Notaufnahme. Anfang der 90-er Jahre seien es jährlich im Schnitt um die 600 gewesen - nun schon 20 000. Beate Liebold sieht den Grund in der immer schlechter werdenden medizinischen ambulanten Versorgung. Viele Praxen schließen. Auch die chirurgische Gemeinschaftspraxis Auerbach hat den Bereitschaftsdienst eingestellt. Was dem Patient bleibe, sei die Notaufnahme, die nun immer mit einem Arzt besetzt ist und nun bis 19 statt 16 Uhr geöffnet hat.

Das frühere "Untere Schwesternhaus" wird für 770 000 Euro zum Archiv umgebaut und erhält zusätzlich fünf Appartements für Ärzte und Personal. 13 500 Patienten im Jahr hinterlassen dementsprechend Krankenakten, die wiederum Platz benötigen. Auch inhaltlich will Obergöltzsch 2012 punkten: In diesem Monat gründete sich bereits das "Interdisziplinäre Gefäßzentrum". Bei der Weltgesundheitsorganisation und Unicef bewirbt sich das Haus als "Babyfreundliches Krankenhaus". 678 Babys kamen im Klinikum 2011 zur Welt - das waren 38 mehr als im Vorjahr.

Extra Räume für die Stillgruppe, als Stillberaterinnen ausgebildete Hebammen und der Schwerpunkt "Eltern-Kind-Beziehung" sollen den Erfolg für diesen Titel bringen. Spezialisieren will sich das Haus auch für die "multimodale Schmerzbehandlung". Die Samstagsakademien, gehalten von Ärzten des Hauses zu verschiedenen Gesundheitsthemen, füllen regelmäßig den Saal - vor allem mit älterem Publikum. "Wir würden uns wünschen, dass die Vorträge zu Themen um die Kinderheilkunde noch besser besucht würden", so Liebold.

14 Stationen besitzt das Haus, und alle wurden seit der Wende modernisiert. Doch die Zeit ist schnelllebig und verlangt ständig neue Ausstattung. "Wenn wir das Niveau halten wollen, müssen wir jedes Jahr eine Station sanieren", hängt Liebold die Messlatte hoch. So war nach der Wende die Station 5 (Chirurgie) eine der ersten, die modernisiert wurde - im vorigen Jahr war sie "schon" wieder reif für die Frischekur. Als nächstes steht der OP-Trakt an, der sowohl baulich als auch Medizintechnik nach Erneuerung schreit.

Dem fortschreitenden Ärztemangel begegnete der Vogtlandkreis am einzigen kreiseigenen Klinikum mit einem Lock-Darlehn für Medizinstudenten. 300 Euro im Monat gibt es für angehende Mediziner, wenn sie sich verpflichten, nach dem Studium mindestens drei Jahre am Hause zu arbeiten. 13 Verträge habe Obergöltzsch mittlerweile abgeschlossen - die ersten Studienzeiten seien ausgelaufen, und Obergöltzsch könne die ersten "Früchte" ernten. Dennoch sind auf manchen Stationen Ärzte Mangelware: Sie gibt es in der Anästhesie einen Engpass und im MVZ wird ein Facharzt für Allgemeinmedizin gesucht.