Auerbacher Gymnasium verwüstet

Die 604 Schüler des Auerbacher Goethe-Gymnasiums hatten am Donnerstag unfreiwillig schulfrei. Grund: In der Nacht verwüsteteten Unbekannte das Schulhaus mit Feuerlöschpulver.

Auerbach - Die Eindringlinge wollten offensichtlich technische Geräte stehlen, flüchteten aber ohne die Beute, als die Brandmeldeanlage ausgelöst wurde. Zuvor griffen sie sich fünf bis sechs der im Schulhaus verteilten rund 60 Feuerlöscher und sprühten Gänge und PC-Räume mit dem weißen Pulver voll. "Fußböden, Schränke und Technik sind dick mit Staub bedeckt. Es ist, wie wenn in einer Bäckerei ein Mehlsack explodiert. Ich bin traurig und fassungslos, dass Menschen so etwas tun können und durch diese Gewalt so viel Schaden angerichtet werden konnte", sagt Auerbachs Oberbürgermeister Manfred Deckert.

Das WM-Spiel Niederlande gegen Argentinien lief gerade eine Viertelstunde, als der Alarmpiepser eine Brandmeldung im Goethe-Gymnasium absetzte. Die Auerbacher Feuerwehr rückte sogleich aus samt großer Drehleiter. Kurz drauf war auch der Oberbürgermeister zu Stelle. "Als wir die Schule betraten, kam uns eine große weiße Staubwolke entgegen." Noch in der Nacht rückte Polizei und Spurensicherung an. Am Donnerstag wartete die Stadt, die Schulträger für das Gymnasium ist, auf die Gutachter. Noch sei der angerichtete Schaden nicht bezifferbar, noch stehe nicht fest, inwieweit das Feuerlöschpulver die Computertechnik zerstörte.

Kaputt seien zum Beispiel auch ideelle Werte, wie das Zimmer der AG "Film". Dort drehen engagierte Schüler mit Lego-Figuren kleine Filme - sämtliche Fotos und Filmunterlagen seien nun nicht mehr zu gebrauchen. Noch unklar ist auch, wie sich der oder die Täter Zugang zur Schule verschafften - zerstörte Eingangstüren und Fenster sind bisher nicht bekannt. Möglich, dass sich irgendwelche Leute auch über Nacht in der Schule haben einsperren lassen, mutmaßt Deckert ohne der Polizeiarbeit vorgreifen zu wollen.

Noch in der Nacht nutzte Deckert seinen Facebook-Account, um den 604 Schülern auf Grund "technischer Probleme" den schulfreien Tag mitzuteilen. Auch am Freitag, so steht es auf der Schulhomepage (www.sn.schule.de), bleibt die Schule geschlossen. Bis eine Spezialreinigungsfirma die betroffenen zwei unteren Etagen plus Technikräume von dem Pulver befreit hat, könnten noch einige Tage vergehen.

Den am Donnerstag im Schulhaus versammelten Lehrern sei die Betroffenheit über so viel Zerstörungswut ins Gesicht geschrieben gewesen, sagt Stadtsprecher Hagen Hartwig. In sozialen Netzwerken war unter den Goethe-Schülern die nächtliche Zerstörungstat Thema Nummer eins. Cornelia Henze