Auerbach: Amok-Schüler wieder auf freiem Fuß

Vermutlich ein 14-Jähriger steckt hinter der Amok-Drohung gegen Lehrer des Auerbacher Goethe-Gymnasiums. Nach der Festnahme am Mittwoch setzte ihn die Polizei wieder auf freien Fuß. Der ältere Mitverdächtige wurde schon am Donnerstag entlassen.

Auerbach - "Wir gehen nicht mehr von einer Ernsthaftigkeit der Drohungen und einer konkreten Gefährdung aus", sagt Polizeisprecher Christian Schünemann. Nach der Vernehmung Mittwoch und Donnerstag haben keine Haftgründe mehr vorgelegen.

Bei der Durchsuchung der Wohnung habe man keine Waffen und Gegenstände, die bei einem Amoklauf hätten eingesetzt werden können, gefunden. Via Internet hatte der Ex-Goethe-Schüler den Kauf einer Waffe den Mord an seinen früheren Lehrern sowie seinen Selbstmord angekündigt.

Dass der Mann und der Junge frei seien, bedeute nicht, dass die Ermittlungen beendet seien. Beide stünden weiter im Fokus der Ermittlungen. Ein unbeschriebenes Blatt ist der Achtklässler keinesfalls. Im Januar 2018 eskalierte ein Streit zwischen ihm und einem Mitschüler. Besagter Schüler bedrohte den Gleichaltrigen mit einem Taschenmesser.

Daraufhin kam schon einmal die Polizei ins Spiel. Staatsanwalt Hans-Christian Fink geht davon aus, dass es zu einer Anklage vor dem Jugendgericht kommen wird. Auch der Waren-Bestellterror soll auf das Konto des 14-Jährigen gehen. Monatelang bestellte er auf den Namen der Lehrer Waren, von der Pizza über die Reise bis zur Waschmaschine. Diese wurden an die Privatadressen der Pädagogen geliefert.

Im Gegenzug stellte die Familie des Teenagers Anzeige gegen Lehrer des Goethe-Gymnasiums: Zwei schuldisziplinarische Verfahren aus 2016 seien anhängig gewesen, aber schon eingestellt worden. Es ging darum, dass Lehrer den Jungen vom Unterricht ausgeschlossen hatten. Wegen "falscher Verdächtigung" erstattete die Familie 2017/18 gegen einen Lehrer nochmals zwei Anzeigen - diese hängen laut Staatsanwalt mit dem Bestellhandel zusammen.

In Panik geriet die Schülerschaft hingegen am Freitag am Rodewischer Pestalozzi-Gymnasium. Seit der Messer- Geschichte im Januar lernt der Teenager nun an dieser Bildungseinrichtung. Die Schüler standen am Freitag in Zweierreihen vor dem Direktorenzimmer an und löcherten Schulleiter Sven Müller mit Fragen. Auch das Telefon stand nicht still.

Besorgte Eltern erkundigten sich nach dem straffällig gewordenen Achtklässler und bekundeten ihre Sorge nach der Sicherheit ihrer Kinder. Müller machte den Eltern klar, dass die Pesta in Rodewisch kein Tatort sei. Laut Schulelternsprecher René Morgenstern habe sich der Achtklässler, seitdem er an der Pesta lernt, korrekt verhalten. Es sei keinesfalls zu Vorfällen wie zuvor am Goethe- Gymnasium gekommen.

"Man sollte diesem Schüler eine Chance geben", so der Schulelternsprecher. Am Montag findet am Goethe- Gymnasium wieder der Unterricht statt. Während der drei Tage unfreiwilliger Schulschließlung von Mittwoch bis Freitag sind rund 20 Abi- Prüfungen ausgefallen. Diese werden ab Montag wieder nachgeholt. Zu verantworten hat sich der Schüler im Fall einer Anklage wegen einer Androhung von Straftaten und wegen Nachstellung. Cornelia Henze