Asylheim: Bürgermeister erteilen Absagen

Der Vogtlandkreis sucht ein Gebäude für Asylbewerber - und findet keines. Die um Hilfe gebetenen Bürgermeister der großen Städte haben bislang alle abgelehnt.

Plauen - 220 Asylbewerber könnten demnächst in den Landkreis strömen, weshalb die Kreisverwaltung händeringend nach Unterkünften sucht und die zuständige Dezernentin Christina Uhlenhaut sagt: "Die Gemeinden sind verpflichtet, Heime zu benennen". Vorschläge von dort gibt es indes keine. "Wir haben leider nichts passendes gefunden", erklärt Plauens Baubürgermeister Levente Sárközy auf Nachfrage. In die Spur geschickt habe man den Eigenbetrieb GAV, um geeignete Wohnunterkünfte zu suchen. Auch mit der Wohnungsbaugesellschaft, bei der die Stadt 100-prozentiger Eigner ist, saß man zusammen. Einzig das der Wema benachbarte Gebäude wusste Plauen zu nennen, um dann doch wieder den Rückzieher zu machen.

"Das liegt zu nahe am Gewerbegebiet. Dort kann Lärm entstehen", so Sárközy. Kämen dort Asylbewerber rein, müsste man die Gewerbeansiedlung dort drosseln. Will man das? "Nein", sagt der Bürgermeister. "Wir haben im Moment nichts", sagt auch Auerbachs OB Manfred Deckert - und erteilte dem Bittbrief aus dem Kreis eine Absage. In den Auerbacher Neubaugebieten der AWG und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft stünden nur einzelne Wohnungen leer - keinesfalls aber ganze Blocks für gefordert 120 bis 150 Personen. Deckert spricht davon, dass vor Jahren schon nicht mehr benötigte Blocks abgerissen oder teils zurückgebaut wurden und dass daher zurzeit Leerstand kein Thema sei. Zudem seien die Anforderungen an Brandschutz, Sicherheit, Zugangswegen und Erreichbarkeit hoch.

Und: "Viele Asylbewerber an einem Platz unterbringen zu wollen, das ist ein sehr emotionales Thema." "Bei uns gibt es keinen geeigneten Wohnraum", erteilt auch Oelsnitz? OB M ario Horn Briefeschreiber Rolf Keil eine Abfuhr. Das Ganze sei übrigens ein Thema, mit dem man sensibel umgehen müsse, sagt Horn vorsichtig gegenüber unserer Zeitung. Gleicher Tenor aus Reichenbach. "Wir haben das geprüft. Unsere Antwort heißt: Leider nein", sagt OB Dieter Kießlings Referent Raphael Kürzinger, der ein Schreiben von August erwähnt. Sofort beziehbare Objekte befänden sich nicht in städtischem Eigentum. Wohnungsbaugenossenschaft und -gesellschaft meldeten keinerlei Leerstand.

Innerhalb des Programmes "Stadtumbau Ost" habe man Mitte der 90-er Jahre dort Blöcke und Etagen abgerissen. Die Sache sei nun durch. Kürzinger: "Das Thema Flucht sollte uns nicht kalt lassen. Den Leuten, die zu uns kommen, geht es in ihren Ländern dreckig. Ältere von uns kennen das noch, als nach dem Krieg die Leute aus Pommern oder dem Sudetenland vertrieben worden sind."

Einzig von Christoph Stölzel, dem Bürgermeister des kleinen Eichigts, kam ein Vorschlag: Das Natur- und Freizeitzentrum "Grünes Band" in Hundsgrün steht seit einem Jahr leer. "Ich kann es bloß nicht selbst anbieten, da es nicht in Gemeindeeigentum ist", so Stölzel. Hier käme es auf Verhandlungen an. Seine weltoffenen Gedanken zum Thema Asyl musste Stölzel indes schon büßen: Ein Sturm der Entrüstung aus den Reihen der eigenen Mitbürger prasselte auf ihn nieder. In Eichigt seien Ausländer nicht willkommen, signalisierte man ihm so.