Asylbewerber im Vogtland als Chance begreifen

1.116 Asylbewerber leben derzeit im Vogtland. In ihrer neuen Wahl-Heimat haben es die Menschen aus Afrika, dem Nahen Osten und dem Balkan nicht leicht. Ausländerfeindlichkeit, Hass-Demos und böse Worte schlagen ihnen oft entgegen. Doch es geht auch anders. Der Vogtland- Anzeiger stellt Menschen vor, die den neuen Gästen wohlgesonnen sind. Gerhard Liebscher, Geschäftsführer der vosla, setzt sich mit der Stammtischparole: "Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg" auseinander.

Plauen - Gerhard Liebscher ist ein Mann der klaren Worte. Präsentiert man ihm die Stammtischparole: "Die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg!", kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Das ist Quatsch mit Soße." Seit geraumer Zeit setzt sich der Geschäftsführer der vosla für Ausländer, Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit ein. In seinem Betrieb wird Integration und Weltoffenheit gelebt. Doch warum entstehen überhaupt solche Stammtischparolen und was steckt wirklich dahinter?

"Zuallererst müssen wir die Zuwanderer und Flüchtlinge als Chance begreifen. Denn bei dem demographischen Wandel können wir die jetzige Wirtschaftsleistung unseres Landes ohne Zuwanderung nicht aufrechterhalten. Wir benötigen die Arbeitskraft dieser geflüchteten Menschen. Wir haben sozusagen Glück, dass die Flüchtlinge in ihrer Heimat Unglück haben", bezieht Liebscher klar Stellung. Da vor allem junge Menschen nach Deutschland fliehen, sieht er in dieser Situation eher eine riesige Chance, als ein Problem. Dennoch weiß er auch, dass hinsichtlich des Themas Asylpolitik noch vieles im Argen liegt und noch viel getan werden muss.

Zum Beispiel müssten die Asylbewerber viel schneller und in Kursen die Sprache ihres Gastlandes lernen. Das würde eine Integration wesentlich beschleunigen und den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtern. "Da beispielsweise die Menschen aus Syrien teilweise extrem gut ausgebildet sind, brauchen wir sie. Es kommen zum größten Teil junge Menschen aus der obersten Bildungsschicht als Ingenieure hierher. Und die nehmen niemandem den Arbeitsplatz weg", so Liebscher.

Ein gutes Beispiel für den Geschäftsführer ist die Besetzung von Arztposten. "Die richtig guten Ärzte lassen sich doch nicht bei uns im Vogtland stationieren. Die gehen in die großen Kliniken. Also müssen wir auf Leute aus dem Ausland zurückgreifen. Wer würde es denn sonst machen?!" "Die jungen Menschen die hierher kommen, wollen ihr Leben selbst gestalten. Sie wollen arbeiten, dürfen es aber nicht. Die Argumentationskette, dass Ausländer den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen, ist für mich in keinster Weise nachvollziehbar."

Die vosla selbst findet kaum noch junge Menschen, die sich für den Beruf des Ingenieurs ausbilden lassen wollen, beziehungsweise können. "Ohne Nachwuchs wird die Wirtschaftsleitung sinken. Deshalb brauchen wir die Zuwanderung", macht Liebscher deutlich. "Es ist schlimm zu sehen, dass die Menschen, die in ihrer Heimat und auf der Flucht so furchtbare Dinge erlebt haben, hier auf unseren Straßen noch vollgepöbelt werden. Diese Menschen haben den unbedingten Willen etwas zu erreichen. Die sind nicht träge und haben ein enormes Potenzial, im Gegensatz zu manchem Deutschen."

Hinzu kommt, dass durch Arbeit von Flüchtlingen die Wirtschaft weiter wächst. Mit dem Geld, das sie verdienen könnten, würden sie einkaufen gehen und somit Angebot und Nachfrage weiter ankurbeln und damit noch weitere Arbeitsplätze schaffen. Auch Gerhard Liebscher findet in der Asyldebatte nicht alles toll. So setzt er sich für ein fundierteres Einwanderungsgesetz ein und dass die Flüchtlinge und Einwanderer schneller integriert werden, zum Beispiel durch bessere Sprachkurse und die Beschleunigung des Asylverfahrens. "Mit den Menschen an sich gibt es keinerlei Probleme. Die angeblichen Probleme mit Flüchtlingen machen sich die Menschen hier selbst", zieht Liebscher ein Fazit.

Übrigens: Ein Arbeitsplatz kann nur mit einem Nicht-EU-Bürger besetzt werden, wenn sich nachweislich kein Deutscher oder EU-Bürger für diese Stelle findet. Deshalb arbeiten Ausländer oftmals in Branchen, in denen deutsche Arbeitskräfte nicht arbeiten wollen, beziehungsweise in denen akuter Fachkräftemangel herrscht. Ausländische Arbeitskräfte stärken unsere Wirtschaft und werden zu diesem Zweck gezielt angeworben.