Arbeitsbedingungen: Warwick ist kein Einzelfall

Die von Vogtland-Anzeiger aufgedeckten Arbeitsbedingungen beim vogtländischen Gitarren-Hersteller Warwick sorgen derzeit für ordentlich Gesprächsstoff. In den letzten Tagen haben wir mehrfach bereits über die Arbeitsbedingungen der Firma berichtet. Daraufhin gab es vor allem auf unserer Internetseite eine wahre Kommentar-Flut.

 

Dabei diskutieren und äußern sich nicht nur Mitarbeiter von Warwick über schlechte Arbeitsbedingungen. Wie der erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Stefan Kademann, auf Anfrage berichtet, ist das Unternehmen im Gewerbepark von Markneukirchen auch kein Einzelfall.

 "Es ist kein Warwick-Problem, auch kein Vogtland-Problem, sondern ein generelles Problem in den neuen Bundesländern. Die schlechten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt lassen vielen Arbeitnehmern keine andere Chance", sagt Kademann. "Das ist Betrug an den Sozialsystemen in Deutschland. Wenn ich solche niedrigen Löhne zahle, habe ich auch kaum Steuerbeiträge." Die IG Metall kritisiert derartige Arbeitsbedingungen seit Jahren und macht mit Aktionen darauf aufmerksam. Auch im Markneukirchener Gewerbegebiet gab es solche bereits, leider mit wenig Erfolg, wie Kademann weiß. "Damals wurden Mitarbeiter nach Feierabend sogar eingeschlossen, um nicht mit der IG Metall in Kontakt zu kommen."

Den Mitarbeitern bei Warwick empfiehlt Kademann sich zu organisieren und über Arbeitnehmerinteressen zu sprechen. "Wo kein Betriebsrat besteht, sollte über eine Betriebsratswahl diskutiert werden." Sicher in der aktuellen Lage keine einfache Situation für die Warwick-Mitarbeiter. "Ich denke, dass der Druck auf die Belegschaft jetzt nach den Veröffentlichungen noch größer wird." Nach dem Besuch von Bundespräsident Horst Köhler soll es eine Belegschaftsversammlung gegeben haben, auf der die Mitarbeiter "aufs übelste zusammengestaucht" wurden, ist in einem Kommentar auf unserer Internetseite zu lesen.

Der Kommentator mit dem Nickname "Anonym" schildert seine Eindrücke wie folgt: "Diese Situation ist bei fehlendem Freizeitausgleich, nicht bezahlten Überstunden, Samstagsarbeit, keinen Pausen, Essen an der Tastatur, Arbeiten bis spät in die Nacht, internen Bespitzelungen, Mobbing in allen Bereichen, dauerndes Anlernen von neuen Mitarbeitern einfach unhaltbar!" Das Unternehmen hat sich zu den Vorwürfen der letzten Tage noch nicht geäußert.

Ähnliche Fälle kennt der Zwickauer IG-Metallchef nur zu gut. Er kann aus dem Stegreif zahlreiche weitere Beispiele im Vogtland nennen. Dabei fällt auf, dass es immer wieder Probleme mit den Arbeitsbedingungen in Betrieben ohne einen Betriebsrat gibt. "Wir wollten einmal bei Linhardt in Pausa einen Betriebsrat ins Leben rufen, dies wurde brutal abgewürgt." Schlechte Arbeitsbedingungen sollen auch bei Gett in Treuen herrschen. Der Hersteller von Gerätetechnik hat ebenfalls keinen Betriebsrat. "Hier wird für fünf Euro brutto im Drei-Schicht-System gearbeitet", so Kademann, der in seiner kleinen Aufzählung auch das "Vorzeige"-Unternehmen Goldbeck Bau in Treuen aufführt.

Ihm liegt ein anonymer Brief von einem Mitarbeiter vor, in dem zu lesen ist, Goldbeck will eine 48-Stunden-Woche einführen, auch hier existiert kein Betriebsrat, sagt Kademann, der in vielen Fällen trotz des Wissens nichts unternehmen kann: "Wenn wir anonyme Briefe bekommen, können wir leider nichts dagegen tun." mar