"Apfeltraum" lebt in den Söhnen fort

Renft, die Unangepassten. Die mit ihren systemkritischen Texten nicht zu den Hätschelkindern des DDR-Rock gehörten. Die verboten wurden, sich wiederfanden und vor allem - im Bewusstsein mehrerer Generationen verankert blieben. Jetzt erweist das Vogtlandtheater ihnen und dem 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution eine besondere Referenz.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Die Geschehnisse vor 30 Jahren seien bereits damals vom Theater mitbegleitet worden, sagt Generalintendant Roland May und verweist auf das damals gespielte Stück "Richtstatt" von Tschingis Aitmatow. Vor allem aber möchte May während des gestrigen Pressegespräches auf ein besonderes Event aufmerksam machen, das "pünktlich" am 7. Oktober im Vogtlandtheater seine erste und einzige Aufführung erleben wird.
Gemeinsam mit dem Sinfonieorchester des Hauses wird die Band "Apfeltraum" Erinnerungen und Träume wecken, die schließlich mit der Friedlichen Revolution größtenteils ihre Erfüllung fanden. Denn zu "Apfeltraum" gehören auch Robert und Moritz Gläser - beide Söhne des legendären Frontmannes von Renft, Peter "Cäsar" Gläser. Mit der "Combo" verbinden vor allem jene DDR-Bürger mannigfaltige Erinnerungen, deren Jugend in die erste Hälfte der 70er Jahre fällt. Bereits in den 60er Jahren ein erstes Mal verboten, traf die Männer um Renft dieses Schicksal 1975 ein zweites Mal - noch vor der spektakulären Ausbürgerung Wolf Biermann nach seinem Konzert 1976 in Köln. Es war nicht nur die "Ballade vom kleinen Otto", in dem eine Republikflucht erstmals in einem Song thematisiert wurde, die die Obrigkeit gegen "Renft" aufbrachte. Die Band erhielt Spielverbot, die meisten gingen in den Westen bzw. nach Westberlin und schlugen sich so recht und schlecht - auch in berufsfernen Jobs - durch.
"In Renft spiegelte sich ein stückweit die eigene biografische Situation vieler. Die Underdogs, die sich mit ihrer kritischen Haltung nicht verbiegen ließen, waren für mich ein Ankerpunkt", bringt May seine eigene Befindlichkeit und Freude darüber zum Ausdruck, dass es zur Zusammenarbeit mit "Apfeltraum" kam. Einer Band, die quasi den Staffelstab übernahm. "Die Titel klingen mega-authentisch", versichert May und verweist auf die "Dreiteilung" des Events. Zunächst spielt das Orchester programmatische Musik aus dem Schaffen von Dessau, Eisler und anderen. Den zweiten Block bestreitet Robert Gläser, der auch als Solist agiert, mit der Band, im dritten schließlich sind Orchester und Band gemeinsam mit etwa zehn Titeln zu hören. Dazu werden Filmsequenzen eingespielt, die auch optisch an die Geschehnisse des 7. Oktober 1989 in Plauen erinnern. "Der Abend ist eine Widmung an alle, die am 7. Oktober hier auf die Straße gingen", fast May die Intention der Veranstaltung zusammen. Im Vorfeld finden erste musikalische Proben statt, auch Begehungen mit den Mitgliedern der Band.
Neben diesem Highlight bringt sich das Vogtlandtheater mit weiteren Veranstaltungen in die Wendefeierlichkeiten ein. (siehe Infokasten).
Und eine weitere Neuerung des nächsten Jahres verdient es ebenfalls, bereits jetzt in den Fokus gerück zu werden. Am 4. Juli 2020 präsentiert das Philharmonische Orchester des Theaters Plauen-Zwickau erstmals auf dem Zwickauer Hauptmarkt "Classic unter Sternen" - eine "Übernahme" von der Vogtlandphilharmonie, die dieses Open Air-Spektakel bislang den Muldestädtern bot.