Anzeigetafeln am Oberen Bahnhof laufen wieder

In die gut sortierte Werkzeugkiste zu greifen, um sich für eine Bastelei oder Reparatur das exakt benötigte Werkzeug zu holen, das blieb für die meisten DDR-Bürger bis zum Ende in der Regel ein Traum.

 

Nichtsdestotrotz erinnern sich viele mit gewissem Stolz, wie sie ohne Werkstatt den Trabi wieder flott bekamen und die fast schon legendäre Damenstrumpfhose in jeden Kofferraum gehörte, weil sie ihre Rolle als Keilriemen perfekt spielte. Aus alt mach neu, hieß die Devise, Improvisation war alltäglich. Was dies mit den Anzeigen am Oberen Bahnhof zu tun hat? Eine Menge. Denn Improvisationstalent, Wille und Fähigkeit zum Tüfteln sind die Ursache, dass die mit Technik voll gepfropften, seit Monaten aber dennoch nicht funktionierenden Anzeigetafeln zumindest momentan wieder ihren Dienst tun.

 

Die eigentlich für eine Reparatur zuständige Firma gibt es mittlerweile nicht mehr, andere mit der Materie vermeintlich vertraute Unternehmen tippten darauf, dass ein "Softwareproblem" vorliege. Und der Laie ahnt, hier handelt es sich um ein schwerwiegendes und daher teures Problem. Genau diese Aussage erhielt auch die Stadtverwaltung.

Bis irgendjemand auf die Idee kam, jemanden zu fragen, der eigentlich gar nichts mit der Sache zu tun, dafür aber Ahnung hat. Der Kontakt zur Firma EDV Haller in Plauen kam zustande. Der Chef entsandte einen Mitarbeiter vor Ort und der kniete sich - symbolisch natürlich - ordentlich rein. Weil der Rechner schlichtweg überlastet war,erweiterete ihn der Service-Mitarbeiter. Und weshalb die kleinen Anzeigetafeln in den Busbuchten nicht mehr verkündeten wohin die Reise eigentlich geht und zu welcher Zeit, fand er ebenfalls heraus. Irgendwann müsse es einen Kabelbrand gegeben haben. Täuber diagnostizierte nicht nur den Schaden, er behob ihn auch. Denn funktioniert eine der kleinen Tafeln nicht, dann "hängte" sich auch der große Rechner postwendend auf. Seit Mitte der Woche wurde die große Anzeigetafel zugeschaltet. Wie lange sie "durchhält" vermag man bisher nicht zu sagen, denn bislang konnte sie nur provisorisch repariert werden.

Doch immerhin: In den nächsten zwei Wochen wird ein Netzteil ausgetauscht, einige Neonröhren und die Kontakte gereinigt. "Es dürfte also Licht am Ende des Tunnels erkennbar sein", formulierte Baubürgermeister Manfred Eberwein, dem es am Herzen lag, der Plauener Fima ein dickes Lob auszusprechen. Schließlich sei es nicht üblich, dass sich ein Unternehmen einer Arbeit annimmt, über die sie keinerlei Unterlagen oder Baupläne verfügt. "Die haben praktisch ins Ungewisse gearbeitet und noch dazu höchst kompetent und zum Freundschaftspreis", so Eberwein. Also wie zu DDR-Zeiten. Zumindest fast. Denn an elektronische Anzeigentafeln am Oberen Bahnhof kann ich mich nicht erinnern.  tp