"Anton und Pünktchen"

Die Nachfrage bestimmt auch ein wenig das Angebot. Zahlreiche Familien hätten sich gewünscht, auch außerhalb des traditionellen Weihnachtsmärchens ein weiteres Familienstück auf die Bühnenbretter zu bringen. "Und diesen Versuch wagen wir", sagt Schauspieldramaturgin Maxi Ratzkowski.

Plauen - Der Versuch heißt "Pünktchen und Anton" und kann auf einen überaus berühmten Vater verweisen: Erich Kästner, der den Kinderbuchklassiker 1931 veröffentlichte. Einer Zeit der klaffenden sozialen Gegensätze, der Ungerechtigkeit, der Ausgrenzung, der zunehmenden Gewalt. Themen von gestern? Keineswegs, sagt die Schauspieldramaturgin des Theaters Plauen-Zwickau, Maxi Ratzkowski im Pressegespräch. Regisseurin Franziska Ritter habe dem Familienstück in Absprache mit dem Verlag zwar eine frische zeitgemäße Fassung "verpasst", Kästners Themen aber sind nach wie vor hochaktuell. 

Worum geht es? Pünktchen, die eigentlich Luise heißt, und Anton sind ein unschlagbares Team - von Hause aus aber auch ein äußerst ungleiches. Denn beide leben zwar in der gleichen Stadt, aber quasi in verschiedenen Welten. Luise in einem herrschaftlichem Haus mit Dienstpersonal, Anton zusammen mit seiner kranken Mutter, die nicht arbeiten kann. Der Junge "schmeißt" den Haushalt mit dem Ergebnis, dass ihm tags darauf in der Schule die Augen zufallen. Pünktchen versucht ihrem Freund zu helfen, spricht mit dessen Lehrer, sammelt Pfandflaschen und versucht sich als Sängerin im Cafe Sommerlatte, um Anton finanziell unter die Arme zu greifen. Ihr Au-pair-Mädchen Claire ist währenddessen mit sich selbst und ihrem neuen Freund Robert beschäftigt. Der junge Mann scheint allerdings mehr am Haus von Pünktchens Eltern interessiert zu sein. Und hier kommt Anton ins Spiel. 

Den Rest sollte man sich keineswegs entgehen lassen, wenn sich am 19. Mai, 15 Uhr, der Vorhang zur Premiere im Vogtlandtheater hebt. Weitere Aufführungstermine sind am 20. Mai, 6. und 13. Juni um 10 Uhr sowie am 25. Mai und dem Kindertag am 1. Juni um 16 Uhr. Und spätestens an diesem Tag sollten Eltern ihrem Nachwuchs etwas richtig Schönes gönnen und sie mit "Pünktchen und Anton" bekanntmachen. Das Stück eignet sich für kleine Personen ab sieben Jahren - und an den jüngsten Theatergängern soll ja bekanntlich nicht gespart werden. Nicht nur die Zahl der Darsteller - in den Hauptrollen Julia Hell als "Pünktchen" und Marcel Kaiser als Anton - ist im wahrsten Sinne "großes Theater", nach längerer Zeit kommt auch mal wieder die Drehbühne zum Einsatz. Auf der Vorderseite taucht der Zuschauer ins Stadtgeschehen ein, auf der Rückseite befinden sich die Wohnungen von Pünktchen und Anton. Zudem hat Regisseurin Franziska Ritter dem Stück einen Live-Musiker "spendiert". Während der Vorstellung nimmt Philipp Wiechert auf der Bühne Platz. Über die große Resonanz Plauener Schulen kann sich das Team jetzt schon freuen, nun brauchen nur noch die Eltern einen kleinen Anschubser, lächelt Maxim Ratzkowski.

Kästner, ist auch die Presseverantwortliche Carolin Eschenbrenner überzeugt, halte mit seinem Klassiker über die ungerechten sozialen Strukturen seiner Zeit uns noch heute einen Spiegel vor und zeige, dass man mit Freundschaft und Humor viele Grenzen überwinden kann.

In weiteren Rollen zu sehen sind Else Hennig, Ute Menzel, Anna Striesow, Daniel Koch, Leonard Lange und Michael Schramm. Für Bühne und Kostüme ist Susanne Ruppert verantwortlich, de Dramaturgie obliegt Karima Wolter. T. Piontkowski