Ansturm auf Testzentren

Lange Schlangen und Wartezeiten vor Testzentren, überlastete Apotheker und Testpersonal. Wütende Menschen, die das ganze Wochenende "kurbelten", um einen Testtermin zu ergattern. Und alles nur, um Montag zum Frisör gehen zu können.

Von Cornelia Henze

Plauen Die Stimmung kippt. In den sozialen Netzwerken gehen Bilder und Erlebnisberichte vom Chaos rund ums Testen viral. In manchem Testzentrum herrscht ein rauer Ton. Ältere Damen verlassen am Samstagvormittag enttäuscht die Apotheke am Mendelssohnplatz in Plauen, als der Pharmazeut verkündet, dass es keine Testtermine am Samstag mehr gebe. Ein Rentner wird laut. Kippt aus den Latschen. Wer einen zweiten Anlauf wagt, muss viel Ausauer mitbringen. Eine lange Warteschlange reicht vom Testzentrum in den Kolonnaden bis weit die Bahnhofstraße hinauf. Im Globus Weischlitz warten die Leute bis zu zweieinhalb Stunden auf den Test.


"Für uns kam der Ansturm auch überraschend, denn nicht alle unsere Testzentren sind schon voll hochgefahren. Wir wussten nicht, dass der Landrat in seiner Allgemeinverfügung den Frisörbesuch an einen Negativ-Test bindet", sagt Jens Leistner, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen. Zusammen mit dem Kreisgesundheitsamt baut Leistner die Teststationen derzeit auf. 1748 Vogtländer haben sich bis Sonntagvormittag testen lassen - 15 Tests fielen positiv aus. Das seien etwa 0,9 Prozent, rechnet Leistner vor. Mit 333 Tests hatte das Testzentrum in Reichenbach am Wochenende am meisten zu tun, gefolgt von den Kolonnaden Plauen mit 228, dem Globus Weischlitz mit 225, in Auerbach mit 201 und Oelsnitz mit 187. Den Alleingang des Landrates in Sachen Frisör--Test-Regelung hat auch die Testtruppen in den Zentren, die der Landkreis als Partner ausgewählt hatte, kalt erwischt. "Die Leute wollen zurück zur Normalität.Ihnen den Frisörtermin jetzt wegzunehmen, wäre nicht gut", sagt der Falkensteiner Apotheker Robert Herold. 87 Leute hat Herold am Samstag getestet, 60 schon am Freitag. Innerhalb seines Sonntagsnotdienstes ging die Aktion auch da weiter. Alle Vietelstunde bekommen zwei ihren Test.


Während etliche Frisöre wie auch Kunden im Sinne von Gesundheit und Sicherheit den Test als Eintrittskarte für den Dienstleister (Frisör/Fußpflege) als sinnvoll sehen, fordern andere den Passus aus der Allgemeinverfügung umgehend zu streichen. Dazu gehören auch die Frisörmeister Michael Lienemann aus Falkenstein und Swen Schwämmlein aus Rodewisch. Ersterer spricht in einem offenen Brief an Landrat Rolf Keil von "Willkür" und "bundesweit die dümmlichste Aktion einer völlig hilflosen Politik". Lienemann kündigt an, sich der Verordung des Landrates zu verweigern.


Zweites großes Thema, das die Vogtländer umtreibt, ist die Schließung der Kitas und Grundschulen ab heute. 5555 Stimmen hat der Falkensteiner Apotheker Robert Herold für die Online-Petition "Kindereinrichtungen im Vogtland öffnen" am Wochenende gesammelt. Herold, selbst Vater von vier Kindern, wirbt für einen vogtländischen Weg und eine sachliche Diskussion zum Thema geöffnete Kitas und Schulen. Zu Wochenanfang soll die Petition Landrat und Kultusminister vorgelegt werden. Für Schulöffnungen demonstrieren am Dienstag, 16.30 Uhr und Donnerstag, 10 Uhr, Eltern und Kinder zweier voneinander unabhängiger Gruppen vor dem Landratsamt. Die Demos wurden angekündigt.