Anspruch nicht nur auf Papier

Ab 1. August haben Eltern Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ihres Kindes ab dem ersten Lebensjahr. Doch ist Plauen darauf überhaupt vorbereitet?

Plauen - Die gute Nachricht zuerst heißt es, wenn noch eine schlechte zu erwarten ist. Doch in diesem Falle gibt es eine solche nicht. Der Fachbereichsleiter Jugend/Soziales der Stadtverwaltung, Lutz Schäfer, und die ebenfalls mit der Materie vertraute Steffi Brenner, können sich quasi mit den Eltern gemeinsam beruhigt zurücklehnen. Beide Mitarbeiter der Stadtverwaltung informierten diese Woche darüber, dass sowohl im Krippenbereich, als auch in Kindergärten und Horten genügend Betrteuungsplätze vorhanden sind. So beträgt die Kapazität im Krippenbereich 767 Plätze, was einen Versorgungsgrad von 77 Prozent bedeutet. Die Vorgabe des Gesetzgebers liegt bei 40 Prozent, macht Schäfer den Plauener Spitzenstand deutlich - von dem vor allem Eltern in den alten Bundesländern nur träumen können. Und er räumt ein, dass auch die gesetzlich verbrieften 40 Prozent der Realität eigentlich nicht gerecht werden: Man müsse von 60 bis 65 Prozent ausgehen.

Weshalb aber wären beispielsweise 100 Prozent über das Ziel hinausgeschossen? "Weil es natürlich eine Reihe von Eltern oder auch Alleinerziehenden gibt, die ihr Kind selbst betreuen möchten oder die Verwandtschaft um Hilfe bitten", sagt Steffi Brenner, die weiß, dass sich die komfortable Plauener Situation inzwischen herumgesprochen hat. Eine junge Mutti sei kürzlich erst eigens deswegen nach Plauen gezogen, obwohl sie in Hof arbeitet.

Der zum 1. August erwartete Ansturm sei zumindest in Plauen ausgeblieben, ergänzt Schäfer. Vermutlich auch dank des sogenannten Kita-Kartensystems, mit dessen Hilfe sowohl die Eltern als auch die Träger der Kitas Planungssicherheit hätten. Doch selbst kurzentschlossene Eltern haben gute Karten. "Wir müssen niemanden vertrösten - das gilt für alle Altersbereiche. Und: Wir bleiben deutlich unter dem gesetzlich festgelegten Vermittlungszeitraum von sechs Monaten", sagt Brenner. Natürlich gilt auch im Falle eines Kita-Platzes, dass nicht immer der Wunsch nach der bevorzugten Einrichtung erfüllt werden kann. Oder wie Schäfer es formuliert: "Das Wunsch- und Wahlrecht orientiert sich an den verfügbaren Plätzen in den Kitas." Auf jeden Fall seien alle Einrichtungen mit Bus und Bahn im Stadtgebiet gut zu erreichen.

Für die Drei- bis Siebenjährigen stehen mit Stichtag 30. Juni dieses Jahres 1862 Plätze zur Verfügung, was einen Versorgungsgrad von 95 Prozent bedeutet, in den Horten gibt es 1931 Plätze (Versorgungsgrad 102 Prozent). Schäfer macht auf die Bedeutung dieser Stichtagsregelung aufmerksam. Sie berücksichtige beispielsweise nicht, wie viele Kinder, die im Krippenbereich drei Jahre sind, in die Kindergärten nachrücken. Insgesamt weist die Statistik einen Versorgungsgrad bei der Betreuung in Krippe, Kindergarten und Hort von 94 Prozent aus. 24 Einrichtungen werden von der Kommune betrieben, weitere 18 von verschiedenen Vereinen und Organisationen, sechs befinden sich in Regie von Kindertagesmüttern. Eine weitere Tagesmutter sei derzeit nicht nötig, sagt Schäfer auf Nachfrage. "Da müssen wir erst mal nach dem Bedarf schauen."

Und auch prognostisch sieht man sich auf der sicheren Seite. Der Versorgungsgrad werde die Nachfrage bis mindestens 2017 decken, ist Schäfer sicher. Und sollte der Bedarf doch sinken, dann müsse man wohl auch Plätz abbauen. Oder vielleicht auch die Werbetrommel ein wenig rühren, um Eltern aus dem Umland auf das Spitzen-Angebot Plauens aufmerksam zu machen.