Ansichtssache: Plakat-Müll

Von Wilfried Hub

Alle reden von Umweltschutz, meinen aber meistens nur die anderen. Das ist im privaten Bereich so, wenn die Mülltrennung eben doch viel zu oft ignoriert wird. Oder wenn die Zigarettenkippe achtlos auf den Gehweg geworfen wird. Vor allem dann, wenn's keiner sieht. Oder wenn bei jedem Einkauf eine neue Plastiktüte gekauft wird, anstatt eine gebrauchte von zu Hause in den Laden mitzunehmen. Leider ist das auch bei denen so, die eigentlich Vorbild sein sollten. Gemeint sind die Politiker und die Parteien, denen sie angehören. Die Rede ist vom Plakat-Müll, der vor jeder Wahl tonnenweise produziert wird. Es werden zu viele Plakate aufgehängt, und viel zu lange vor dem Wahltermin. Dazu kommt die Unart, Plakate mit Kabelbindern zu befestigen. Die Plakate werden abgerissen und die Plastikbinder bleiben hängen. Die übermäßige Plakatierung nervt nicht nur die Bürger. Sie ist auch ein Umweltproblem.
 Das dämliche Plakatieren an jeder Ecke muss endlich ein Ende haben. Für die aktuelle Landtagswahl ist es zu spät. Aber bei künftigen Urnengängen sollten sich die Parteien frühzeitig auf eine Reduzierung einigen. Es sollte doch möglich sein, dass künftig statt sechs Wochen nur noch vier oder drei Wochen vor der Wahl plakatiert wird. Eine Begrenzung der Stückzahl pro Partei - zum Beispiel auf 50 inklusive der Großplakate - wäre ebenfalls sinnvoll. Das würde kleinere Parteien auch nicht mehr benachteiligen.
 Das Stadtbild sollte nicht mehr als notwendig verunstaltet werden. Die Leute würden dies mit Sicherheit begrüßen. Drei Plakate direkt übereinander zu hängen, teilweise sogar von derselben Partei, das muss nun wirklich nicht sein. Man könnte Tabuzonen einrichten, etwa vor Schulen und Altenheimen oder auf bestimmten zentralen Plätzen. Bäume sollten grundsätzlich von der Plakatierung ausgenommen werden. Das würde das Ganze wohltuend einschränken. Man könnte sich auch darauf einigen, dass nur noch an bestimmten Stellen Plakatwerbung möglich ist. Die Stadt könnte dort die Plakatständer zur Verfügung stellen. In anderen Städten gibt es solche freiwilligen Vereinbarungen der Parteien mit der Stadtverwaltung schon lange. Warum nicht in Plauen?
Wahlwerbung im Internet
Die meisten Slogans auf den Wahlplakaten sind ohnehin eher bescheiden. Von den abgebildeten Kandidaten gar nicht zu reden. Manche Personen sind kaum zu identifizieren, andere Plakate wirken eher lächerlich, weil das abgebildete Porträt uralt ist. Alles Wahlplakate, die wir schlicht nicht brauchen. Sie zeigen zwar die Präsenz der Parteien. Aber ihre Wirkung auf eine tatsächliche Wahlentscheidung ist fraglich. In Zeiten des Internets erreicht man gerade junge Wähler, die es zu überzeugen gilt, nicht mehr mit Werbung auf der Straße. Man erreicht sie im Internet, zum Beispiel über die Sozialen Netzwerke. Und auch dort nicht mit leeren Slogans, sondern in der Interaktion und mit kurzen Clips. Wahlkampf ist multimedial geworden. Bedauerlich, dass vor allem die Kommentare zu Postings von Parteien und Kandidaten oft unter die Gürtellinie gehen. 
 Wahlplakate sind obsolet. Auch Stammwählern sind die Plakate vermutlich egal - sie bleiben ohnehin bei der Partei, zu der sie schon lange stehen. Ein Plakat könnte da höchstens noch durch Ästhetik bestechen. Solche Plakate habe ich in den letzten Wochen allerdings keine gesehen. Wären sie wenigstens mit einem QR-Code versehen, könnten die Parteien Handynutzer direkt zu ihrem Wahlprogramm leiten - damit man sich mit den Inhalten auseinandersetzen kann. Und doch erfüllen Wahlplakate unabhängig von der Werbung für bestimmte Parteien eine Signalwirkung für die bevorstehende Wahl. Ein vollständiger Verzicht auf Plakate ist nicht zweckmäßig.
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