Ansichtssache: Personalroulette

Von Wilfried Hub

Wohin man schaut in der Politik - überall wird spekuliert. Es ist wie immer nach Wahlen: Es geht nicht um Sachthemen, sondern doch ums Personal. Es wird wild spekuliert, wer was wird. In Hinterzimmern werden sogar Posten diskutiert, die aktuell gar nicht neu zu besetzen sind. Ja, es kann schnell gehen und plötzlich werden gute Leute gebraucht. Viele fragen sich, wie es mit ihnen selbst weitergeht. Die Frage von Heide Simonis, der früheren Ministerpräsidentin in Kiel, nach ihrem spektakulären Scheitern 2005 ist zum geflügelten Wort geworden und beschreibt auch die aktuelle Lage ganz gut: "Und was wird jetzt aus mir?" Es geht nur um Posten und Pöstchen. Die Wähler finden das widerwärtig.
 Die Gretchenfrage in Berlin: Wie lange bleibt Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Chefin und wird sie Angela Merkel als Kanzlerin beerben? Unwahrscheinlich, dass sie noch lange Vorsitzende bleibt. Sie macht zu viele Fehler und ist, anders als Merkel, nicht in der Lage, die Konkurrenz klein zu halten. Sie ist gut gestartet mit ihren Werkstatt-Gesprächen, aber jetzt fällt auf, dass sie keinen Plan hat. Friedrich Merz läuft sich schon warm. Er könnte längst CDU-Chef sein, hätte er beim Parteitag in Hamburg nicht eine so blutleere Bewerbungsrede abgeliefert. Merz weiß viele Parteimitglieder hinter sich.
 Immer weniger in der CDU glauben an eine Zukunft von AKK in der Partei. Einzig der Chef der CDU-Bundestagsfraktion Brinkhaus hält eisern an ihr fest und hat sie vor Kurzem schon als Kanzlerkandidatin ausgerufen. Eine große Dummheit oder ein kluger Schachzug. Damit hat er ihr eher geschadet. Mein Tipp: Noch 2019 gibt AKK ihr Amt auf, Merz wird zum Vorsitzenden gewählt, die Große Koalition hält, Merkel bleibt (vorerst) Kanzlerin.
Doppelspitze bei der SPD?
Nach dem Rückzug von Andrea Nahles ist es um die SPD eher ruhiger geworden. Ein Dreigestirn leitet die Partei kommissarisch. Manuela Schwesig, Malu Dreyer, und Thorsten Schäfer-Gümbel werden alles tun, um die GroKo zu retten. Man wird sich lange Zeit lassen, die Spitzenposition neu zu besetzen. Nur ja keine Mitglieder befragen, sondern einfach weitermachen. Neuwahlen könnten die SPD in die Bedeutungslosigkeit stürzen. Trotzdem geistern ständig neue Namen durch Berlin. Sogar Juso-Chef Kühnert wird genannt. Er hat aber ebenso wenig Chancen wie die früheren Vorsitzenden Schulz und Gabriel. Vom Übergangstrio kommt nur Manuela Schwesig für den Vorsitz in Frage. Mein Tipp: Sie wird mit Finanzminister Olaf Scholz eine Doppelspitze bilden.
 Bei den Grünen ist alles gut geordnet. Sie freuen sich bei jeder Wahl über gute Ergebnisse und noch bessere Umfrage-Werte. Die Spitzenwerte von weit über 20 Prozent werden nicht zu halten sein, aber die Partei wird ganz weit vorne mitspielen. Noch ist unklar, ob die Grünen künftig mit einem eigenen Kanzlerkandidaten antreten werden. Es könnte nach der Wahl zu einem schwarz-grünen Bündnis unter Merz kommen. Aber auch grün-rot-rot unter Robert Habeck ist möglich.
 Im Vogtland ist es noch lange hin, bis die beiden interessanten Posten neu vergeben werden. Sowohl Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (2021) als auch Landrat Rolf Keil (2022) werden wohl nicht wieder antreten. Für das OB-Amt hat Bürgermeister Steffen Zenner die besten Chancen, erst CDU-Kandidat und dann OB zu werden. Landrat möchten mehrere werden. Den ersten Zugriff hat CDU-Kreischef Sören Voigt, der sich aber noch nicht eindeutig geäußert hat. Interesse hat auch der Klingenthaler Bürgermeister Thomas Hennig. Lachende Dritte könnte die Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas sein. Es besteht die Gefahr, dass sie bei der Bundestagswahl 2021 leer ausgeht. Dann könnte der Chefposten im Kreis für sie interessant werden. Ihre Kandidatur für den Kreistag weist ebenfalls in diese Richtung.
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