Ansichtssache: Herkulesaufgabe

Von Wilfried Hub

Nach anfänglicher Ratlosigkeit macht sich Zuversicht breit, dass die Probleme beim Schulbusverkehr im Vogtland bis zum Herbst gelöst werden können. Das Nahverkehrssystem 2019+ wird im Oktober in der Region eingeführt. Das bedeutet große Veränderungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Auch der Schülertransport muss völlig neu organisiert werden. Im ersten Entwurf des neuen Fahrplans zur Schülerbeförderung sind zum Teil unzumutbare Veränderungen vorgesehen, sogar für Grundschüler. Es hagelte Proteste. Der Kreiselternrat schaltete sich ein und jetzt, so scheint es zumindest, ist alles auf gutem Weg. Bei einem Gespräch mit den Elternvertretern gab sich der Verkehrsverbund Vogtland (VVV) kompromissbereit. Die Kuh ist aber noch lange nicht vom Eis. Das Thema ist komplex und der Teufel steckt im Detail.
 Gut und schön, dass das Verkehrsnetz im Vogtland neu strukturiert wird. Nicht zuletzt um Kosten zu sparen, sollen die unterschiedlichen Verkehrsträger (Bus, Bahn) miteinander verknüpft werden. Die Fahrpläne für die Busse und die Vogtlandbahn werden  aufeinander abgestimmt. Beim Schülerverkehr müssen die Fahrpläne aber auch zu den Unterrichtszeiten der Schulen passen. Egal wie sinnvoll das Vogtlandnetz 2019+ auch sein mag, Schwierigkeiten bei der neuen Struktur dürfen nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden. Der sichere Transport der Kinder zur Schule ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises. Da müssen bessere Lösungen als die jetzt vorgelegten gefunden werden. Es kann jedenfalls nicht sein, dass Grundschüler sehr lange an den Haltestellen warten oder sehr lange Busfahrten in Kauf genommen werden müssen. Auch lange Fußwege und häufiges Umsteigen gilt es zu vermeiden. Vor allem bei Grundschülern ist auf einen sicheren Schulweg zu achten. Zu Recht bestehen die Eltern darauf, dass die jüngsten Vogtländer ihre Schulen mit kurzen Fahrzeiten und ohne umzusteigen erreichen. 
Härten vermeiden!
Noch bis zum Herbst ist es so, dass der Schülerverkehr größtenteils unabhängig vom übrigen ÖPNV organisiert ist. Es verkehren Schulbusse zwischen den Schulen und den Gemeinden. Andere Fahrgäste dürfen mitfahren, wenn Platz ist. Ab Herbst sollen die Schüler in "normalen" Linienbussen und auf den Linien der Vogtlandbahn mitfahren, möglicherweise auch ein oder zwei Mal umsteigen. Mit den neuen Plänen sind manche Schulwege nicht mehr akzeptabel. Um Härten zu vermeiden, müssen individuelle Lösungen für bestimme Orte gefunden werden. Für den VVV eine Herkulesaufgabe, die zusammen mit dem Kreiselternrat bewältigt werden muss. Beim Krisengespräch in dieser Woche war man zuversichtlich, für alle Problemfälle Lösungen zu finden. Möglicherweise werden auch wieder zusätzliche Busse eingesetzt. Ende September sollen bei einem weiteren Treffen die angepassten Fahrpläne diskutiert werden. Noch gibt es keine verbindlichen Zusagen des Verkehrsverbundes, aber der gute Wille, sich zu einigen, ist vorhanden.
 In entlegenen Bereichen werden derzeit zusätzlich Taxis eingesetzt. Das passiert, wenn Orte nicht mit Bussen angefahren werden können, weil die Schülerzahl zu gering ist. Taxis zum Schülertransport zu nutzen, ist eine teure Angelegenheit. Deshalb sollte darauf mit Einführung von Vogtlandnetz 2019+ möglichst verzichtet werden. Das wird nicht gelingen. Im Gegenteil: Der teure Taxiverkehr wird ab Herbst eher ausgeweitet werden müssen. Der VVV bestätigte, dass Taxis weiter fahren werden. Man hofft aber, dass durch die Elternproteste nicht Taxi-Kinder im Hunderterbereich dazukommen. Noch ist unklar, wie viel zusätzlicher Taxi- und Busverkehr nötig sein wird, um gute Lösungen zu ermöglichen. Ob die neue ÖPNV-Struktur am Ende wirklich kostengünstiger sein wird, ist fraglich.
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