Ansichtssache: Hand in Hand

Von Wilfried Hub

Erfolgsmeldungen sind oft nur die eine Seite der Medaille. Das Statement des Plauener Wirtschaftsförderers Eckhard Sorger, dass alle Gewerbegebiete voll belegt sind, klingt gut. Aber bedeutet es nicht auch, dass versäumt wurde, frühzeitig neue Gewerbeflächen auszuweisen? Im Stadtrat wird die Wirtschaftsförderung unter anderem deshalb häufig kritisiert. Sorger wehrt sich meistens mit dem Hinweis auf zu wenig Personal in seinem Bereich. Es ist höchste Zeit, dass vom Oberbürgermeister für die Wirtschaftsförderung ein neues, den aktuellen Bedürfnissen angepasstes Konzept vorlegt wird. Dazu gehört auch ein Plan zur Entwicklung neuer Gewerbeflächen.
 Ohne Privatisierung wird eine nachhaltige Verbesserung der Wirtschaftsförderung aber nur schwer möglich sein. Wie an dieser Stelle schon mehrfach vorgeschlagen, sollten die Kompetenzen und Synergien von Stadt und Kreis in einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft verbunden werden. Arbeitstitel "Vogtland GmbH". Das Vogtland braucht eine gemeinsame ausgegliederte und privatwirtschaftlich geführte Gesellschaft mit einem Geschäftsführer an der Spitze und eigenem Budget.          Die GmbH soll natürlich unter der Kontrolle von Stadtrat und Kreistag stehen, wie es auch bei anderen Eigenbetrieben der Fall ist.
 Der Hinweis von Sorger, der Nazi-Aufmarsch vom 1. Mai vermittle "ein völlig falsches Bild vom Vogtland", ist richtig. Er verwies auf Anfragen von Firmen, die "besorgt sind" nach dem Medienecho, das auf den Auftritt der rechtsextremen Partei "Der III. Weg" folgte. Wir haben es sogar in die "New York Times" geschafft. Doch wie begegnet man negativen Schlagzeilen und Nachrichten? Gewiss nicht mit einem allgemeinen Klagegesang oder gar mit Medienschelte. Die Verwaltung muss mit positiven Schlagzeilen und Nachrichten dafür sorgen, dass die "Schlechten" schnell vergessen sind uns das schiefe Bild bald gerade gerückt ist. Völlig unabhängig von der aktuellen Situation hat man den Eindruck, dass die Wirtschaftsförderung zu wenig Erfolge zu vermelden hat. Gefühlt gibt's mehr Pannen.

Streit in Oberlosa schlichten

Die nächsten negativen Schlagzeilen sind schon da. Die Stadtverwaltung scheint nicht in der Lage zu sein, die monatelange kontroverse Diskussion um die Ausweitung des Gewerbegebietes Oberlosa in den Griff zu bekommen. Und der Umgang mit dem Thema ist auch nicht gerade professionell. Wenn die Dorfgemeinschaft Oberlosa dringend fordert, dass noch vor den Kommunalwahlen am 26. Mai eine Einwohnerversammlung stattfindet, ist das Kind eigentlich schon in den Brunnen gefallen. "Seit nunmehr 15 Monaten versprechen Sie uns Bürgern von Oberlosa eine Einwohnerversammlung", heißt es in einem Schreiben an Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Der Termin sei mehrfach verschoben worden. 
 Plauen braucht geeignete Flächen zur Ansiedlung neuer Investoren. Die Stadt setzt dabei auf eine Expansion in Oberlosa und hat bereits Millionen Euro investiert. Oberlosa beklagt sich, dass die Stadt die Interessen des Vororts nicht ernst nehme und sieht den dörflichen Charakter in Gefahr. Die Verwaltung ist sauer, weil die Oberlosaer zu wenig Verständnis für die Belange der Gesamtstadt haben. Streitpunkt ist unter anderem die Verkehrsführung wegen einer neuen Zufahrt. Dass die Kreuzung zwischen Ober- und Unterlosa verschwinden soll, passt den Bürgern auch nicht. Auch eine größere Belastung durch die neuen Industrieansiedlungen wird befürchtet. Verärgerung und Enttäuschung macht sich breit. Und das kurz vor Wahlen. Es ist die Aufgabe des Oberbürgermeisters, Oberlosa wieder mit der Stadt zu versöhnen und eine Kompromisslösung zu finden. Da hilft nur reden und nochmal reden. Aussitzen kann man das Problem nicht.
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