Ansichtssache: Größenwahn

Von Wilfried Hub

Falls Ihr Eigenheim mit einem Darlehen der Sächsischen Aufbaubank (SAB) finanziert ist, werden Sie die Schlagzeilen und Beiträge über Ihre Bank in den letzten Tagen sicherlich mit Interesse gelesen haben. Während Sie sich jeden Monat die Tilgungs- und Zinsraten vom Mund absparen, scheint für Ihre Bank Geld keine Rolle zu spielen. In Leipzig wird derzeit der neue Hauptsitz der SAB errichtet. Das Prestigeobjekt in der Innenstadt lässt sich nur noch mit dem Begriff Größenwahn beschreiben. Zudem laufen Zeitplan und Kosten völlig aus dem Ruder. Das Projekt steht aber schon länger in der Kritik. Die Aufbaubank ist das zentrale Förderinstitut des Freistaats. 
 Die neue SAB-Zentrale sollte bereits 2017 fertig werden. Jetzt ist die Fertigstellung frühestens für Ende 2020 vorgesehen. Auch die zuletzt veranschlagten 110 Millionen Euro werden nicht zu halten sein, teilte die Bank mit. Dabei hatten sich die Kosten erst vor zwei Jahren mehr als verdoppelt. Anfangs waren für den Bau 47 Millionen Euro veranschlagt. Wie teuer der Bau am Ende tatsächlich wird, lasse sich derzeit noch nicht sagen, heißt es. Die Kosten steigen weiter in unbekanntem Ausmaß. Bereits 2017 erhielt das SAB-Projekt vom Steuerzahlerbund den Negativpreis "Schleudersachse". Auch der Landesrechnungshof meckerte. Man fragt sich, warum das Finanzministerium als Aufsichtsbehörde nicht schon längst eingeschritten ist. Finanzminister Matthias Haß (CDU) ruft andere nur zu gerne zur Sparsamkeit auf. Die Opposition läuft Sturm. Erste Rufe nach einem Untersuchungsausschuss im Landtag werden laut. 
 Doch nicht allein die Kostenexplosion und die Bauverzögerung sind ein Skandal. Auch das Gebäude selbst sprengt jeden Rahmen. Die neue SAB-Zentrale unweit des Leipziger Hauptbahnhofs wirkt wie ein Prachtbau. Das architektonisch ehrgeizige Bauwerk besitzt einen Säulengarten im Innenhof. 24 Meter hohe Säulen auf dem Vorplatz zeigen deutlich, dass hier nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Die Bürger haben für solchen Größenwahn kein Verständnis. Während der Staat Bürger und Unternehmen mit immer höheren Steuern zur Kasse bittet, scheinen für den Staat andere, oder besser gesagt, keine Maßstäbe zu gelten. Während die Kommunen finanziell am Stock gehen, hat der Freistaat bei eigenen Projekten offensichtlich jedes Maß verloren.
Steuern werden verschwendet
Nennen wir das Kind beim Namen: Das ist Steuergeldverschwendung. Der gute Ruf, den sich Ministerpräsident Michael Kretschmer derzeit mit seinen vielen Bürgergesprächen verdient, wird durch solche Vorgänge schnell beschädigt. Dabei kann er gar nichts dafür. Das hat ihm sein Vorgänger Stanislaw Tillich eingebrockt. Doch es kommt noch besser: Komplett umziehen wird die Bank nämlich gar nicht. Nur etwa die Hälfte der Mitarbeiter, also rund 500, wird in den schmucken Neubau in Leipzig einziehen. Die restlichen Banker bleiben in Dresden, da der Standort dort nicht aufgegeben wird. Die erheblichen Folgekosten entstehen also doppelt. Allein schon die Idee, die SAB-Zentrale von Dresden nach Leipzig auf eines der teuersten Grundstücke der Stadt zu verlegen, ist nicht nachvollziehbar.
 Unter dem Motto "Staatsmodernisierung" hatte sich die Staatsregierung unter Tillich 2012 vom Landtag den Plan genehmigen lassen, die Landesbehörden neu zu strukturieren und neu über den Freistaat zu verteilen. Obwohl diese Pläne und insbesondere der SAB-Umzug in den Jahren danach erheblich in die Kritik gerieten, wurde die Planung weiter vorangetrieben und das Bauvorhaben in Leipzig gestartet. Die Idee, Landesbehörden in der Fläche anzusiedeln und damit strukturschwache Gebiete aufzuwerten, ist ja richtig. Damit kann aber kein Umzug von der pulsierenden Landeshauptstadt in die Boomtown Leipzig gemeint sein.
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