Ansichtssache: Das ist Bürgernähe

Von Wilfried Hub

Das Thema elektrisiert viele: Plauen soll als Modellkommune 50 Millionen Euro erhalten - 25 vom Bund und 25 vom Land. Bescheide liegen zwar noch nicht vor, aber die Sache ist sicher. Unter der Überschrift "Zukunft Leben" wurden im Rathaus bereits 13 konkrete Projekte geplant, die vor allem im Plauener Süden umgesetzt werden sollen. Sogar ein paar mehr als letztlich realisiert werden können. Die Investitionssumme liegt bei 60 Millionen Euro. Aber das ist gut so. Denn keiner weiß ganz genau, ob wirklich alle Projekte als förderfähig eingestuft werden. Lob und Dank gilt Bürgermeister Steffen Zenner, der das Thema von Anfang an federführend betreut und im Rathaus koordiniert. Er formulierte auch den ersten Förderantrag für Berlin.
Lob auch an die beteiligten Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die das wichtige Thema sehr professionell angehen. Dass die Projekte in den Ausschüssen des Stadtrates beraten werden, ist selbstverständlich. Die Diskussionsveranstaltung mit Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer am Dienstag in der Festhalle zu einem solch frühen Zeitpunkt aber nicht unbedingt. Es ist sinnvoll, die Bürger jetzt schon in die Vorbereitungen einzubeziehen. Das Interesse der Bevölkerung an den Projekten ist groß. Vor allem der Neubau der Dreifelder-Sporthalle am Lessing-Gymnasium, der Anbau am Stadtbad, die Sportanlage an der Kemmler-Schule und die Verbesserung der Infrastruktur im Mammengebiet interessiert die Bürger sehr.
Workshops mit Plauenern
An fünf Tischen in der Festhalle wurden unter Leitung von OB und Bürgermeistern die wichtigsten Projekte diskutiert. Die Bürger erhielten Informationen aus erster Hand und konnten Fragen, Wünsche und Vorschläge direkt anbringen. Bravo! Das ist Bürgernähe im besten Sinne. Eine ähnliche Vorgehensweise sollte auch bei anderen Themen möglich sein. Damit kann verloren gegangenes Vertrauen in die Politik zumindest auf der lokalen Ebene wieder zurückgewonnen werden. Die Leute wollen einfach ernst genommen werden. Oberdorfer betonte am Dienstag, dass die Veranstaltung nicht etwa der Abschluss, sondern der Auftakt zu einer ständigen Bürgerbeteiligung sei. Ich bin begeistert!
Bleibt da was übrig?
Manche, ich auch, interessieren sich dafür, was mit dem Geld passiert, das am Ende zwangsläufig übrig bleiben muss. Unter den 13 Vorhaben sind schließlich auch Projekte, die schon lange in der Diskussion und in der Planung sind. Ursprünglich hieß es ja, nur neue Projekte könnten gefördert werden. Bereits bestehende Vorhaben zu finanzieren, sollte eigentlich nicht im Sinne des Erfinders sein. Das scheint aber kein Problem mehr zu sein. Nehmen wir zum Beispiel die Dreifelder-Sporthalle. Da laufen die Planungen schon recht lange. Das Projekt steht vor der Realisierung. Da sind im Finanzplan sicherlich schon Mittel eingestellt. Zumindest für die umfangreiche Planung. Das Geld müsste doch jetzt frei werden, wenn das Vorhaben aus den 50 Millionen finanziert wird. Oder ist das eine Milchmädchenrechnung?
Was passiert also mit den Millionen, die am Ende übrig bleiben? Möglicherweise können dann auch noch die Projekte finanziert werden, für die die 50 Millionen nicht ausreichen. Schließlich wurden am Dienstagabend in der Festhalle 13 Projekte im Gesamtwert von 60 Millionen Euro vorgestellt. So oder so: Der Stadt stehen spannende Zeiten bevor. Die nächsten Jahre werden sehr entscheidend für die Zukunft Plauens sein. Die Fördermillionen aus Berlin und Dresden sollten gemäß des Mottos "Zukunft Leben" nachhaltig zur Weiterentwicklung der Stadt und für die Menschen eingesetzt werden. Denn ein solch unerwarteter Geldregen kommt nie wieder.
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