Ansichtssache:

Felix Plauen!

Von Wilfried Hub

Felix kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "vom Glück begünstigt", "glücklich", "erfolgreich" oder "der Glückliche". Wenn wir die kleinen und mittleren Probleme, die unsere Stadt hat, die jede Stadt hat, mal weglassen, trifft das auf Plauen durchaus zu. Die Einkaufsstadt im Grünen ist lebens- und liebenswert, hat kulturell und sportlich einiges zu bieten. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie nie. Doch wird es immer schwieriger, dieses Niveau zu halten. Da kommt die Berliner Entscheidung, Plauen als eine von vier deutschen Städten als Modellkommune mit 25 Millionen Euro zu fördern, gerade richtig. Vom Freistaat kommen weitere 25 Millionen Euro Sonderförderung dazu. Einen Eigenanteil der Stadt an den Projekten wird es wohl nicht geben. Felix Plauen! Plauen, du Glückliche!
 Zu diesem tollen Erfolg kam die Stadt Plauen ohne eigenes Hinzutun, wie die Jungfrau zum Kinde sozusagen. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) will sich auch nicht mit fremden Federn schmücken. Er betonte in der Ratssitzung vor einigen Tagen erneut, dass die Aufnahme Plauens in die Städtebau-Sonderförderung dem Einsatz der vogtländischen CDU-Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas zu verdanken sei. Sie hat die Stadt zur Bewerbung ermutigt und die Wege im Berliner Innenministerium und im Haushaltsausschuss des Bundestages für die Spitzenstadt geebnet. Für das eilig eingereichte Konzept zeichnete im Rathaus Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) verantwortlich. Die 50 Millionen Euro fließen also nicht die Stadtkasse, sondern stehen bis 2025 ausschließlich für Einzelprojekte zur Verfügung. Und zwar zusätzlich zu den bereits geplanten Investitionen.
Soziale Projekte auch wichtig 
Es darf keine Schnellschüsse geben und die einzelnen Projekte müssen professionell gemanagt werden. Dazu ist möglicherweise externe Hilfe nötig. Der OB vertagte das Thema auf den Herbst. Der neue Stadtrat, der Ende Mai gewählt wird, soll sich damit beschäftigen und über die Projekte entscheiden. Mit der Millionenförderung sollen Strategien entwickelt werden, die ein Nebeneinander von Sport, Wohnen, Freizeit und Gewerbe sowie Infrastruktur für neue Mobilitätsformen ermöglichen. Den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, soziale Integration zu fördern und eine nachhaltige Stadtteilentwicklung zu ermöglichen, sei das Ziel, erläutert Magwas. Mit dem Geld aus Berlin und Dresden könnten die sozialen, sportlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Strukturen im Oberzentrum gesichert und ausgebaut werden.
 Einige Projekte aus dem Stadtkonzept 2022 könnten umgesetzt werden - zum Beispiel der Umbau der Elsteraue und eine attraktivere Gestaltung der Ostvorstadt. Auch eine Erweiterung des Stadtbads ist möglich. Die Bürger dürfen gespannt sein, welche Vorhaben umgesetzt werden. Wir wünschen der Verwaltung und dem neuen Stadtrat eine glückliche Hand dabei.
 Glück hatte Plauen auch beim Campus Amtsberg. Die Investition dient der Unterbringung der Staatlichen Berufsakademie. Ein Projekt des Freistaats, das von diesem auch finanziert wird. Lediglich die immer teurer werdende Gestaltung des Schlosshangs ist die Angelegenheit Plauens. Der Schlossberg könnte zum neuen Wahrzeichen unserer Stadt werden.
 Plauen in der Komfortzone. Da sollte im Rathaus auch über soziale Projekte nachgedacht werden. Auch wenn die vielleicht nichts mit Städtebau zu tun haben, auch nicht mit den Fördermillionen finanziert werden können. Die Zeit ist reif zum Beispiel für die Abschaffung der Kita-Gebühren. Im Stadtrat fand der Vorschlag bislang leider keine Mehrheit. Doch andere Städte in Sachsen schaffen das mit finanzieller Unterstützung des Freistaats. Das sollte im glücklichen Plauen auch möglich sein. Bekanntlich verdoppelt sich das Glück ja, wenn man es teilt.
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