Anonyme Tote nehmen Fragen mit ins Grab

Einsam bis in den Tod. Wenn ein Mensch aus den unterschiedlichsten Gründen keine Hinterbliebenen hat, die sich um eine würdevolle Bestattung und die Kosten dafür kümmern können, wird meist die Stadt um Hilfe gerufen.

Acht Tage Zeit bleibt in solchen Fällen, um Nahestehende des anonymen Toten ausfindig zu machen. Nicht immer gelingt diese besondere Aufgabe.

Plauen - Wenn Silvia Queck vom Plauener Ordnungsamt vor der Tür steht, geht es nicht um ein unbezahltes Knöllchen bei der Stadt. Die 24-Jährige hat die schwierige Aufgabe, den Tod eines Angehörigen zu überbringen. Doch die Verwandten zeigen sich in dem Moment von der Nachricht meist wenig betroffen, sagt Silvia Queck. "Es ist ganz selten, dass jemand in Tränen ausbricht."

Wenn die Angehörigen in Plauen wohnen, versucht die Rathausmitarbeiterin persönlich vorbei zukommen. Warum die Familienmitglieder oft so unterkühlt reagieren und nicht vom Tod überrascht sind, erfährt die junge Plauenerin dann oft wenige Minuten später in der Wohnung. "Es gibt ja einen Grund dafür, warum sie keinen Kontakt mehr halten."

54 ungeklärte Fälle

Einen ungeklärten Sterbefall pro Woche bekommt Silvia Queck im Schnitt auf ihren Schreibtisch. Im vergangenen Jahr waren es mit insgesamt 54 angezeigten anonymen Todesfällen außergewöhnlich viele. In der Regel seien es zwischen 40 und 50. Bei der oft sehr aufwändigen Suche nach Angehörigen recherchiert die 24-Jährige gegen die Zeit.

Bei Erd- und Feuerbestattungen müssen die Toten in Deutschland spätestens nach acht Tagen, ohne Wochenende und Feiertage gerechnet, beigesetzt werden. Kann in dieser Zeit kein Nahestehender ermittelt werden oder weigert sich dieser, dann springt zunächst die Stadtverwaltung für die Bestattungskosten ein. Die liegen für eine Urnenbeisetzung auf der grünen Wiese bei rund 2500 Euro. "In 80 Prozent der Fällen finden wir Angehörige", sagt Queck zur Erfolgsrate, die im Vergleich zu anderen Städten sich sehen lassen könne.

Recherche gegen die Zeit

Für die Ermittlung der zuständigen Angehörigen stehen eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung. Als erstes aber hofft Queck, dass es sich um einen Plauener handelt, in diesen Fällen laufe die Suche meist am erfolgreichsten. Die erste Adresse ist das Einwohnermeldeamt. Die erfassten Daten hier reichen bis in die 1950er Jahre zurück. Wo wohnte der Tote? Hat er Verwandtschaft, Kinder oder Sorgeberechtigte? Lassen sich im Einwohnermeldeamt keine Informationen finden, wird im Standesamt oder im Stadtarchiv weitergesucht. Hier gebe es eine sehr gute Dokumentensammlung mit umfangreichen Angaben zu Namen und Adressen aus DDR-Zeiten.

Schwieriger werde die Suche, wenn die Spur des Toten über Plauen hinaus führt. Besonders bei großen Städten dauere es mitunter mehrere Tage, bis Silvia Queck eine Antwort bekommt. Seit 2008 arbeitet sie im Plauener Ordnungsamt als Sachbearbeiterin für Polizeirecht und geht ungeklärten Sterbefällen nach. Können keine Personen ermittelt werden oder weigern sie sich, für die Bestattung die Verantwortung zu übernehmen, ist auch eine Prüfung des Kontos des Verstorbenen eine Handhabe. Parallel zur Recherche wird eine Nachlasssicherung vorgenommen. Auch hier finden sich oft Hinweise auf Angehörige.

Würdevolle Bestattung

Nicht immer läuft die Recherche erfolgreich. "Es gibt genügend Leute, die keine Angehörigen haben." Am Ende können in zehn bis 15 Fällen keine Verwandten, Familienmitglieder oder Nahestehende gefunden werden. Die einsamen Toten werden auch ohne Trauergäste am Grab gebührend auf ihrem letzten Weg begleitet. "Es sind trotzdem würdevolle Bestattungen", sagt Queck. Es handele sich nicht wie unter der Bevölkerung immer wieder fälschlicherweise angenommen um Sozial- oder Armen-Bestattungen. Wenn ein letzter Wunsch des Verstorbenen bekannt ist, werde versucht, diesen je nach entstehenden Kosten zu erfüllen.