Angst vor Gift in Schneidenbach

Im Reichenbacher Ortsteil Schneidenbach geht seit Jahren die Angst um. Jetzt gibt es neuen Grund: Ein Giftmülllager soll mehr als verdreifacht werden - still und heimlich.

Reichenbach/Schneidenbach - Die Leute sorgen sich um ihre Gesundheit. Sie fürchten auch eine Wertminderung ihrer Grundstücke. Und seit auf dem Gelände der kreiseigenen Entsorgungsfirma Glitzner in Nachbarschaft der Schneidenbacher Wohnhäuser wieder gebaut wird, wachsen die Ängste. Von einer Erhöhung der Sondermüll-Lagerkapazität von bisher 90 auf 300 Tonnen wird gesprochen. "Total überdimensioniert", sagen die Schneidenbacher.

Mehr und mehr schlägt die Angst in Wut um. Das Nichtwissen darüber wühlt die Leute auf, welche "sehr gefährlichen Stoffe" bei Glitzner gelagert werden, wie sie gelagert werden und was mit ihnen passiert. Ortsvorsteher Gerhard Korn spricht von einer "dramatischen Situation", von einer "tickenden Zeitbombe" und einem "gestörten Verhältnis zwischen den Schneidenbachern und der Entsorgungsfirma" - vor allem seit dem Großbrand im vergangenen Jahr. Und so platzen die Sitzungen des Ortschaftsrates neuerdings aus allen Nähten. Die Anwohner nutzen die Gelegenheit, um ihrer Angst und Wut Luft zu machen. Erst am Donnerstag war der Sitzungssaal im Gemeindeamt rammelvoll. Korn versteht die aufgebrachten Menschen genauso gut wie jeder "Auswärtige", der sich die Sorgen der Leute anhört.

Vor zwei Wochen haben die Glitzner-Nachbarn beschlossen, ihren geballten Widerspruch gegen die Erweiterung des Sondermüll-Zwischenlagers gegenüber der Landesdirektion in Chemnitz kund zu tun. Die Zusammenkunft diesmal diente dazu, einen Fragenkatalog aufzustellen, der Vertretern der Landesdirektion im Reichenbacher Rathaus übergeben werden soll. Außerdem wurden Unterschriften für eine Petition gesammelt. Gerhard Korn spricht seinen Schneidenbachern ein großes Lob aus. "Das war eine Aktion mit Hand und Fuß", freut er sich. 50 bis 60 Fragen seien zusammen gekommen, schätzt der Ortsvorsteher, sowohl Fachfragen an die Landesdirektion wie auch betriebstechnische Fragen an die Firma Glitzner.

Jetzt muss Korn einen Fragenkatalog zusammenstellen und verteilen. Danach, so hofft er, findet in Schneidenbach eine Bürgerversammlung zur Beantwortung der Fragen statt. Dort sollen alle Verantwortlichen Rede und Antwort stehen. Doch während Dr. Uwe Schink, Geschäftsführer des Kreisentsorgungsverbandes, Transparenz und für September sogar einen Tag der offenen Tür ankündigt, weiß niemand, wie die Landesdirektion auf die Einladung nach Schneidenbach reagiert. Dort jedenfalls wollen die Leute nicht locker lassen. Zuviel steht für sie auf dem Spiel!