Angela Merkel kommt ins Vogtland

Zum traditionellen Neujahrsauftakt hatte der CDU-Stadtverband am Freitag in den Betriebshof der Plauener Straßenbahn eingeladen. Doch gesprochen wurde nicht nur über die Straba, die im nächsten Jahr ihr 120-jähriges Bestehen in Plauen feiert.

Plauen - Gut verpackt in seine kurze, launige Ansprache hatte der vogtländische CDU-Bundestagsabgeordnete Robert Hochbaum eine Bemerkung, die an diesem Abend noch für manche Spekulationen und Mutmaßungen dienen sollte. "So viel ich gehört habe, kommt Angela Merkel noch in diesem Jahr ins Vogtland - und zwar nicht als Wahlkämpferin, sondern als Kanzlerin." Der Rest bleibe Geheimnis, so Hochbaum auf Nachfrage lächelnd und auch der CDU-Fraktionschef im Plauener Stadtrat, Hansjoachim Weiß, gab sich unwissend. "Davon höre ich das erste Wort." Aber so kurz vor den Wahlen könne er sich schon vorstellen, dass der Besuch in "Richtung Wirtschaftsförderung" gehen könne.

Plädoyer für den Euro

Ebenfalls ihrer Tradition folgend, hatte die CDU auch diesmal einen prominenten Gast nach Plauen "gelockt". Der hatte es diesmal - zumindest was seine Wirkungsstätte betrifft - besonders weit. Die Festrede hielt der Europaabgeordnete Hermann Winkler, der sich trotz seiner Tätigkeit in Brüssel ein besonderes Faible für den Freistaat bewahrt zu haben scheint. Immerhin agierte er auch schon als Staatsminister und Chef der Staatskanzlei in Dresden. Nach dem Schaltjahr folge nun wohl ein Trennungsjahr bemerkte Winkler schmunzelnd und führte dafür die Van der Vaarts ebenso an wie die Wulffs, um auch noch auf die wohl baldige Trennung von Philipp Rösler als FDP-Chef zu verweisen.

Vor allem aber brach er eine Lanze für den Euro und dessen Rettung, weil sein Fortbestand auch für die sächsische Wirtschaft so eminent wichtig sei. Seit Einführung der gemeinsamen Währung seien neun Millionen neue Jobs geschaffen wurden, machte er auf den Globalisierungeffekt des Euro aufmerksam. Gleichzeitig gelte es, den europäischen Binnenmarkt zu stabilisieren - immerhin realisiere die sächsische Wirtschaft 60 Prozent in diesem Bereich. Als Schwerpunkte europäischer Politik nannte der EU-Abgeordnete die Außen- und Sicherheitspolitik, die Geld- und Währungssicherheit, den europäischen Binnenmarkt einschließlich der Energieproblematik, sowie die Asyl- und Einwanderungspolitik. "Wenn wir diese Schwerpunkte bearbeiten und alles andere den Ländern und Kommunen überlassen, haben wir genug tun tun", erteilte er einer Überregulierung eine klare Abfuhr.

Eingangs des Jahresauftaktes in der Wartungshalle der Straßenbahn, hatte CDU-Fraktionschef Hansjoachim Weiß die Anwesenden begrüßt - unter ihnen die Landtagsabgeordneten Frank Heidan, Andreas Heinz und Jürgen Petzold, die Oberbürgermeister und Bürgermeister vogtländischer Kommunen sowie Vertreter der Partnerstädte Hof und Siegen. Ein besonders "aufmunternder" Gruß ging an die ebenfalls anwesenden Kicker des VFC. "Wir sollten die Mannschaft in ihrer derzeit schweren Zeit im Interesse des Vogtlandes unterstützen." Weiß flocht eigene Kindheitserinnerungen in seine Begrüßung ein - so habe er seinem Vater, der einst als Schlosser in der damals noch dunklen Halle gearbeitet habe, immer das Essen gebracht. Von da schlug er den Bogen zum jetzigen Erscheinungsbild des Betriebshofes. 17 Millionen Euro seien für dessen Erneuerung vorgesehen gewesen, 15,1 Millionen wurden schließlich abgerechnet. "Man kann's auch anders", konnte er sich einen Seitenhieb auf Berlins Bürgermeister Wowereit und dessen Flughafendebakel nicht verkneifen. Worte der Anerkennung fand Weiß für die vielen Ehrenamtlichen in den verschiedensten Bereichen des Alltags. Ohne Ehrenamt, so der Christdemokrat, "ist keine gelebte Demokratie möglich."

Zukunft auf der Schiene

Bevor der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Landtagsabgeordneter Frank Heidan, das Wort ergriff, überzeugte Hausherrin Barbara Zeuner die Gäste mit Zahlen von der Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens. 180 Millionen Kilometer habe die Plauener Straba seit Inbetriebnahme der ersten Wagen 1894 zurückgelegt und in dieser Zeit 1,3 Milliarden Fahrgäste befördert. Vor allem aber richtete die Geschäftsführerin den Blick in die nicht mehr ferne Zukunft. Ende des Jahres werden die ersten beiden Niederflurbahnen durch Plauen rollen, weitere vier, soeben in Auftrag gegeben, gehen 2014 auf die Schienen. Den gedankllichen Faden nahm auch Heidan in seiner Rede auf. Die Lebensqualität in den Städten und dem ländlichen Raum sei unmittelbar mit der Qualität des ÖPNV verbunden. Dessen Verbesserung sei Aufgabe der Länder, wofür der Freistaat jährlich 500 Millionen Euro vom Bund erhält. Heidan warb auch aus ökologischer und energiepolitischer Sicht für die Straßenbahn und andere öffentliche Verkehrsmittel. "Bleiben Sie der Straßenbahn gewogen", warb er abschließend.

Für die musikalische Unterhaltung der Gäste sorgte die Spukteufelband der Plauener Lebenshilfe. Nach dem offiziellen Teil des Jahresauftaktes, der sich erfreulich kurzweilig gestaltete, bestand die Möglichkeit, zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen.