Angela Merkel bleibt Kanzlerin, FDP fliegt aus dem Bundestag

Kanzlerin Merkel im Höhenflug: Ihre CDU/CSU schafft ein Top-Ergebnis nahe der absoluten Mehrheit. Ihr Koalitionspartner FDP stürzt ins Bodenlose, Schwarz-Gelb ist abgewählt. SPD, Grünen und Linken bleibt wieder nur das Nachsehen.

Berlin - Kanzlerin Angela Merkel auf dem Höhepunkt ihrer Macht: CDU und CSU hatten am Wahlabend eine hauchdünne absolute Mehrheit im Bundestag in Sichtweite. Die seit vier Jahren regierende schwarz-gelbe Koalition wurde am Sonntag abgewählt, weil die FDP nach einem historischen Desaster erstmals in ihrer Geschichte aus dem Bundestag flog. Ein Unsicherheitsfaktor blieb bei Redaktionsschluss die eurokritische Partei AfD. Sie verbuchte einen Überraschungserfolg dicht an der Fünf-Prozent-Marke. Rot-Grün verfehlte einen Regierungswechsel deutlich.

Merkel hat jetzt alle Karten in der Hand - nach den Hochrechnungen in jedem Fall eine große Koalition mit der SPD oder Schwarz-Grün, wenn nicht sogar die Alleinregierung der CDU/CSU. In einem Wahlkrimi schwankten in den Hochrechnungen ständig die Mehrheiten. Im Bund erreichte bisher nur die Union eine absolute Mehrheit: 1957 stimmten 50,2 Prozent für die Partei von Kanzler Konrad Adenauer, der aber dennoch eine Koalition mit der damaligen Deutschen Partei (DP) bildete. Allein regierte die Union nur von Juli 1960 bis November 1961 nach dem Übertritt der meisten DP-Abgeordneten zu CDU und CSU.

Die FDP blieb mit dem schwächsten Ergebnis ihrer Geschichte deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde hängen. Die Union hingegen schaffte ihr bestes Resultat seit der Einheits-Wahl 1990 - erstmals konnte Merkel als Parteichefin das Ergebnis steigern. Für die erst vor wenigen Monaten gegründete Alternative für Deutschland (AfD) war den Zahlen von ARD und ZDF zufolge der Sprung in den Bundestag möglich - sie erreichte jeweils 4,9 Prozent. Merkel sprach unter dem Jubel ihrer Anhänger von einem "Superergebnis" und versicherte: "Wir werden damit verantwortungsvoll und sorgsam umgehen." Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte in der ARD: "Wir haben einen klaren Auftrag der Wähler, die Regierung zu bilden." Das Ergebnis zeige, dass die Wähler wollten, dass Merkel Kanzlerin bleibe.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zeigte sich enttäuscht: "Ja, wir haben zugelegt, aber wir haben mehr erwartet, keine Frage", sagte er und gratulierte der Union. "Die CDU/CSU haben einen großen Erfolg eingefahren." SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück ergänzte: "Der Ball liegt im Spielfeld von Frau Merkel. Sie muss sich eine Mehrheit besorgen." Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke sprach von einem "ganz starken Ergebnis". "Wir haben die Demokratie in Deutschland reicher gemacht." Er hoffe auf den Einzug in den Bundestag. "Aber auch 4,9 Prozent wären ein großartiger Erfolg." FDP-Chef Philipp Rösler und Spitzenkandidat Rainer Brüderle übernahmen die politische Verantwortung für das Debakel ihrer Partei. Beide deuteten am Abend ihren Rücktritt an. "Das ist das schlechteste Ergebnis, das wir bislang mit der FDP erreicht haben", sagte Brüderle. Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner verlangte eine Erneuerung seiner Partei. va