Andy Darbys letzte Ausstellung - Einblick in das Leben des Plauener Galeristen

Goodbye, Andy. Mit diesen Worten verabschiedeten sich am Freitagabend zahlreiche Freunde und Weggefährten von einem engagierten Plauener, ohne den die Stadt um einen Farbtupfer ärmer ist. Es war die letzte Ausstellung in der Galerie Forum K, die Andy Darby organisiert hatte - eine über sein Leben und Sterben.

Plauen - Es scheint wie immer. Viele Menschen gehen die Treppe zur Galerie in der ersten Etage hinauf. Oben wird sie der Gastgeber empfangen, um mit Freunden und Kunstinteressierten eine neue Ausstellung zu eröffnen. Wochen- und monatelang hat er sie vorbereitet, hat Ideen gesammelt und verworfen und neue geboren, dabei zahllose Tassen Kaffee in sich hinein geschüttet. Nein, es ist nicht wie immer. Denn viele Menschen, die gekommen sind, haben Tränen in den Augen. Der Gastgeber empfängt sie nicht, aber er ist unter ihnen. Andy Darby, der am 20. Dezember verstorbene Galerist, hat sein Sterben und seinen Tod inszeniert. Als Ausstellung.

Beklemmende Bilder seiner letzten Tage in einer Leipziger Klinik. Das Hinschauen tut weh, weil da natürlich ein anderer liegt, als den man ihn fast bis zuletzt in Erinnerung hat. Auf manchen der großformatigen Bilder lächelt er, lacht die Schmerzen und das Wissen um die baldige Endlichkeit seines Seins weg. Scheint dem Betrachter Mut zuzusprechen. Es geht weiter, auch ohne mich. Auch wenn ich gern noch lange mit euch diskutiert und gestritten hätte. Denn beides konnte er gut, der Andy.

In einem anderen Bereich der Galerie die sachlich-nüchternen Arztberichte über den Verlauf seiner Krankheit im Endstadium. Chroniken über den bevorstehenden Exitus. Man ist dankbar, die Fachbegriffe der Ärzte nicht vollends verstehen zu müssen. In wieder einem anderen, dem hinteren Bereich, Motive aus besseren Tagen. Andy mit Freunden, Andy mit Kippe im Mundwinkel, Andy grinsend die Bahnhofstraße begrünend.

Dr. Elke Schulze von der e.o.plauen-Gesellschaft spricht Worte des Gedenkens. Sie tue das als seine Freundin, in seinem Auftrag, sagt sie eingangs. Es ist wichtig, das zu wiederholen. Zu leicht ließe sich Voyeurismus vermuten angesichts des zur Schau gestellten Todes. Doch es war sein Wunsch. Die ausgewählten Musikstücke, der schwarze Vorhang, durch den man die Galerie betritt, das Kondolenzbuch mit Facebook-Sprüchen, die ihn bis zur Himmelspforte und darüber hinweg begleiten, Andy, den Atheisten. Auch die Platzierung seiner Urne ist Andys Wunsch.

Die Songs sind eigentlich einem anderen Andy gewidmet. Andy Warhol. Doch sie beziehen sich auch auf den Andy in der Provinz, die er so liebte und die ihm das nicht immer einfach machte. "Work" heißt der erste Titel. Arbeit und Leben - beides war die Galerie für ihn. Einen Sticker mit der Aufschrift "Es lebe die Galerie" trug er auf dem Totenbett.

Dr. Schulze beschreibt ihn als großen Antreiber - seiner selbst und derer, die sich auf ihn einließen, als Freunde und als Widersacher. Das ließ sich manchmal nicht trennen. Er sei ein gnadenloser Selbstausbeuter gewesen. Dass er seit sieben Jahren von seiner Krankheit wusste und sich dennoch nicht behandeln ließ, mag dazu gehören. Mit den gezeigten Bildern wollte Andy ein Stück weit die Frage beantworten "Wer bin ich?". Die Antwort liefert er mit: "Ich bin viele und in den vielen bin ich."

Darby der Selbstausbeuter. Darby der Weltverbesserer. "Man konnte sich von ihm genervt fühlen, sich anregen lassen, nur eines konnte man nicht: ihn übersehen", sagt Dr. Schulze. Und wenn er das nicht sowieso selbst formuliert hat, dann würde er jetzt grinsen und um eine Kippe schnorren. Schulze erinnert an seine Ausstellungen. Feste der Lebensfreude jedes Mal. Das Forum K quasi als kleinste Zelle des Forums, als das er auch Plauen verstand. Eine Stadt des Austauschs, an deren gelegentlicher Enge er litt. Die er radikal liebte, ohne einen Gedanken an Großstädte zu verschwenden.

In deren Anonymität er auch sein Schwulsein hätte anders leben können. Er wählte Plauen, lachte zuweilen der Dummheit ins Gesicht und wagte den Spagat zwischen öffentlicher Person und dem Verbergen des Privaten. Dieser Spagat forderte seinen Tribut. "Homosexualität, gleichgeschlechtliche Liebe zu verbieten, ist herzlos. Die offene und versteckte Ächtung kann nur der ermessen, der sie erdulden muss", sagt Schulze.

Andy wollte seinem Tod einen Sinn abringen und so starb er wie er lebte - eigenwillig und souverän. Er blieb der rauflustige Spötter, der darauf bestand, die letzten Schritte allein zu gehen.

Die Möglichkeit, Worte an und über ihn zu sprechen, nimmt anschließend Bürgermeister Uwe Täschner in Vertretung des OB wahr. Als kreativ, mutig und streitbar bleibe er in Erinnerung, als einer, der sein Plauen für alle ein wenig liebenswerter machen wollte. "Seht's doch mal anders, habe er oft gesagt." Und manches wurde dann auch anders gesehen. Zu wenig noch. An sein Faible für Pflanzen und Tiere erinnern seine Freunde vom Kunstverein. Alles habe er wichtig genommen, nur nicht sich selbst. Für seine letzte Ausstellung habe er sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen, wohl wissend, wenn er dahin zurückkehre, es nicht mehr lebend zu verlassen.

Prof. Dr. Lutz Kowalzick, Mitstreiter in der e.o.plauen-Gesellschaft, erinnert sich einer Episode. Vor der Galerie Forum K habe die NPD einen Propagandastand aufgebaut. Andy diskutierte nicht, er schnitt das Mikrokabel durch. Dem Stadtrat wolle man den Vorschlag unterbreiten, den Steingarten hinter dem Ohser-Haus in "Andy-Darby-Garten" umzubenennen. Auf den "Politiker" Darby geht SPD-Fraktions-Chef Rainer Kett ein. "Andy nannte nicht nur das Ziel, sondern auch den Weg - und wenn der nicht ging, einen zweiten oder einen dritten. Das habe ich an ihm bewundert."

Einer seiner engsten Freunde, Frank Trtschka, macht am Ende auf die Möglichkeit aufmerksam, mit dem Kauf einer Regenbogenschleife nicht nur Andy zu gedenken, sondern auch dessen Beerdigung mitfinanzieren und letztlich auch die Galerie erhalten zu können. Später und noch viel später an diesem Abend wabern Anekdoten und Erinnerungen an Andy durch die Galerie. Und Rauchschwaden auch, denn es darf geraucht werden. Darf geraucht werden? Es wird geraucht. Andy hätte gegrinst und sich eine angesteckt.