Anas macht die Haare schön

Wie beschäftige ich einen Asylsuchenden? Antworten gab es zur Regionalkonferenz in der IHK Plauen. Friseurmeister Bert Hegener zeigt, wie es geht und bietet einem Syrer eine berufliche Zukunft.

Plauen - "Entschuldigen Sie. Können Sie helfen?" Der das fragt, ist ein anders aussehender junger Mann. Das Handy als Navi in der Hand, blickt er sich suchend um. "Wo ist das - Friedensstraße", formuliert er mit langgezogenen Lauten. Ich muss lächeln. Denn wir stehen schon drauf, auf der Friedensstraße in Plauen.

Ich breite die Arme aus und zeige - alles Friedensstraße. Der Rest anfänglicher Skepsis verflüchtigt sich, als der junge Mann dann auch noch das gleiche Ziel hat, die Nummer 32, die IHK. Hier, in der Industrie- und Handelskkammer, geht es aktuell um Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylsuchende. Staatssekretär Herbert Wolff hatte sich ins Vogtland begeben, um die 4. Regionalveranstaltung dieser Art zu eröffnen. Als kompetente Partner an der Seite hat er unter anderem die Chefin der Arbeitsagentur Plauen, Helga Lutz.

Im Publikum sitzen interessierte Unternehmer, Arbeitgeber und Asylsuchende. Integration gelinge am besten, wenn man die Asylsuchenden in Ausbildung und Beschäftigung bringe, fand nicht nur der Staatssekretär. Wie das geht, welche bürokratischen Hürden zu überwinden sind, zeigte Helga Lutz auf. Sie wolle auch die Werbetrommel rühren für die Duale Ausbildung, die es in den Ländern der Flüchtlinge wie Syrien, Eritrea, Iran und Irak in dieser Form so nicht gibt.

Nicht jeder müsse studieren. Auf Seiten der Arbeitnehmer seien viele Wünsche offen, viele Stellen bleiben unbesetzt, weil Auszubildende fehlen. "Die vielen jungen Menschen, die zu uns kommen, sind eine große Hoffnung, wenn es gelingt, sie zu integrieren", ermutigt die Arbeitsamtschefin.

Asylsuchender, Asylbewerber, Geduldeter oder Asylberechtigter - wie wird hier laut Aufenthaltsgesetz unterschieden, was ist das richtige Vokabular? Auch sie selbst sei anfangs bei der Diktion kräftig ins Fettnäpfchen getreten und sie bemühe sich nun, stets die korrekte Bezeichnung zu führen, bekannte die Arbeitsamtschefin.

Wie kann zum Beispiel ein Arbeitgeber erkennen, dass die Ausländerbehörde dem Bewerber tatsächlich eine Arbeitserlaubnis erteilt hat? Welche Wege sind nötig, wenn der Arbeitgeber einen Asylbewerber beschäftigen möchte. Wie ist das mit dem Eingliederungszuschuss.

Bei all diesen und vielen weiteren Fragen kann der Arbeitgeber-Service (AG-S) der Agentur für Arbeit helfen. Zuerst ist allerdings die Ausländerbehörde der Kommune zuständig. Und wie Staatssekretär Herbert Wolff versprach, kommen künftig nur anerkannte Asylbewerber in die Kommunen. Damit werde vor allen das oft zeitintensive Verfahren der Vorrang- Prüfung hinfällig.

Auch der junge Mann lauschte geduldig. Anas Alyussif ist 32 Jahre jung und kommt aus Syrien. In Plauen hat er eine Wohnung und vielleicht bald auch einen Job, wie er in gut verständlichem Deutsch erzählt. Fast 15 Jahre sei er in seiner Heimat Friseur gewesen. In der Plauener Südvorstadt konnte er bei dem alteingesessenen Friseurgeschäft von Bert Hegner ein Praktikum absolvieren. "Jetzt kann ich ab April richtig dort arbeiten", verkündet der Syrer stolz und lächelt.

Zusammengebracht hat den Plauener Friseurmeister und den jungen Syrer ursprünglich eine Anzeige in einer Zeitschrift der Handwerkskammer Chemnitz. Dort ging es um die Bereitschaft, Asylsuchenden eine berufliche Zukunft zu bieten. "Ich wollte das", sagt Bert Hegner. Nach erster Kontaktaufnahme im Herbst 2015 wurde ihm Anas vermittelt. Der lebte bereits in Plauen und suchte einen Praktikumsplatz.

"In der Heimat war er Herrenfriseur. Bei uns muss man alles können. Deshalb wird eine weitere Ausbildung nötig", erklärt der Friseurmeister. Anas sei dafür sehr aufgeschlossen. "Er hat kein Problem damit, später dann auch Frauen zu frisieren", weiß Bert Hegner. Nach dem sechswöchigen Praktikum war man sich einig, dass der Syrer im Team willkommen ist. Auch die Kundschaft reagierte überwiegend positiv.

Bürokratische Dinge sind nun noch zu klären mit dem Jobcenter. Bis Herbst 2017 hat Anas Alyussif vorerst Aufenthalt und Arbeitserlaubnis. "Einen Arbeitsvertrag haben wir schon geschlossen. Am 1. April kann der junge Syrer bei uns im Salon Haardesign in der Oelsnitzer Straße 34 starten", bestätigt Friseurmeister Bert Hergert und fügt lächelnd an: "Inzwischen haben Kunden schon gefragt, wo denn unser Syrer ist."