Amtsgericht Plauen: Freispruch für drei Inder

Drei indische Staatsbürger, die sich seit drei Wochen wegen schwerer Körperverletzung am Amtsgericht Plauen zu verantworten hatten, wurden nun freigesprochen. Den zwei 38 Jahre alten Männern und einem 28-Jährigen war vorgeworfen worden, am 6. Juli 2011 einen 30-jährigen Landsmann im Asylbewerberheim an der Kasernenstraße schwer misshandelt zu haben. Bei seiner Vernehmung verwickelte sich der Geschädigte jedoch mehrfach in Widersprüche.

Deshalb hatten Staatsanwalt Oliver Grubert und der Verteidiger eines Angeklagten, der Plauener Rechtsanwalt André Steuler, übereinstimmend auf Freispruch plädiert. Lediglich Rechtsanwalt Volker Knobloch als Vertreter der Nebenklage forderte eine Verurteilung aller drei, wobei er das Strafmaß in das Ermessen des Gerichtes legte.

"Es ist unbestritten, dass der Geschädigte Opfer einer Straftat wurde. Aber es ist überhaupt nicht klar, in welcher personellen Zusammensetzung und in welchem Ablauf das geschehen ist", formulierte Staatsanwalt Grubert. Am ersten Tag hatte einer der Angeklagten Aussagen zur Sache verweigert. Die zwei vermeintlichen Mittäter bestritten jegliche Tatbeteiligung. Was ohne Zweifel für ihre Glaubwürdigleit sprach: Zunächst hatte der Geschädigte von nur einem Täter gesprochen. Erst nach mehreren Wochen gab er an, dass ihn drei Männer misshandelt hätten.

Auch zur Tatwaffe machte er unterschiedliche Angaben. Einmal war von einer Eisenstange die Rede, später von einem Messergriff. In seiner rund einstündigen Vernehmung vor Gericht begründete er diese Widersprüche damit, dass er "seit Wochen unter Stress" leidet: "Mein Kopf ist voll!" Der 30-jährige Mann erlitt eine Jochbein- und eine Unterkieferfraktur sowie eine Stich- und eine Weichteilverletzung.

Am ersten Verhandlungstag war er vom persönlichen Erscheinen vor Gericht entbunden worden, weil er Racheakte der Angeklagten befürchtete. Im Vorfeld hatte er von mafiösen Verhältnissen im Heim gesprochen, wo Erpressung und andere Delikte an der Tagesordnung wären.

Was die Zustände im Heim angeht, so zeichneten mehrere Zeugen ein düsteres Bild. "Es ist in meinen Augen kein Vorzeigeheim", urteilte ein als Zeuge geladener Kriminalbeamter, als er von Richter Manfred Schmitt auf die lobenden Worte des sächsischen Ausländerbeautragten bei einem Besuch angesprochen wurde. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens stellte Schmitt die Zuständigkeit des Gerichtes klar: "In einer Demokratie herrscht Gewaltenteilung. Bei solchen Verhältnissen, wie sie heute vom Heim beschrieben wurden, da muss sich die zuständige Verwaltung dringend kümmern. Hier wird Recht gesprochen!"

Das Urteil selbst begründete der Richter damit, dass der Tatnachweis nicht mit der erforderlichen Sicherheit geführt werden konnte. In solch einem Fall gelte stets der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten!" Der Nebenklagevertreter will Rechtsmittel einlegen.