Amtsberg nicht Vandalen überlassen

Es ist nicht das Klientel, das die Plauener und Besucher der Stadt vor dem Errichten der Alkoholverbotszone in der Innenstadt mit lauten Sprüchen und kreisenden Bierflaschen begrüßte, besser gesagt belästigte. Doch auch jene, die seit Monaten ihre Spuren der Verwüstung auf dem Areal des Schlossberges hinterlassen, stellen ein Problem dar.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Nein, es wurde nur im buchstäblichen Sinne eine hitzige Debatte, die gestern Vormittag Vertreter der CDU, der Stadtverwaltung, der Polizei und anderer Gremien bei einem Vorort-Termin auf dem Areal des Schlossberges führten.
Hintergrund: Auch die Ferienzeit ändert offenbar wenig an dem Problem, dem schon SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch vor Monaten mit eher ungewöhnlichen Methoden begegnete. Er setzte eine Belohnung für die Verurteilung jener aus, die ihre Spuren am Schlossberg mit zerschlagenen Leuchten, beschädigten Geländern und vor allem Graffiti jeglicher Größe und Inhalts hinterließen.
"Kopfgeld" eher
nicht zielführend

CDU-Fraktionsvorsitzender Jörg Schmidt gibt sich beim Pressegespräch in Auswertung des Vor-Ort-Termins diesbezüglich zurückhaltend. Es sei nicht Ansatz seiner Partei, gewissermaßen mit "Kopfgeld" gegen die Vandalen vorzugehen und daher wohl auch nicht zielführend. Und nein, der große Wurf sei auch am Montag erwartungsgemäß nicht gelungen, worüber man sich freilich auch klar gewesen sei. Wichtig sei vielmehr, an dem Thema dranzubleiben und es noch mehr in die Bevölkerung "hineinzutragen".
Müllkörbe als
"Sofortmaßnahme"

Der Schlossberg sei mit Geld des Freistaates zum Leben erweckt worden, die Aufwertung des geschichtsträchtigen Areals gelungen. Nun gehe es darum, den Verursachern der mutwilligen Beschädigungen und Schmierereien habhaft zu werden, damit sich im Endeffekt auch die Verweildauer der Passanten erhöhe.
"Wir haben festgestellt, dass derzeit nicht mal Müllkörbe vorhanden sind", sagt Schmidt. Mit deren Installierung allein lasse sich zwar der Vandalismus nicht einschränken, aber wenigstens wüssten die "normalen" Besucher, wo sie ihren Müll entsorgen können. Ebenfalls habe man über mehr Beleuchtungsquellen nachgedacht, wobei die Anstrahlung des alten Schlosses nicht "verdrängt" werden soll. Beide Lichtkonzepte sollen sich im Idealfall ergänzen.
Regelmäßige
Polizeipräsenz wichtig

Da sich Teile des Areals derzeit noch als Baustelle präsentieren könne man auch prüfen, das Gerüst nachts anzustrahlen oder Bewegungsmelder anzubringen, ergänzt CDU-Landtagsabgeordneter Sören Voigt. Kameras jedenfalls, das wisse man, seien ein heikles Thema.
Vor allem aber wichtig sei eine regelmäßige Präsenz von Streifenbeamten vor Ort. Dafür, sei die CDU auch bereit, Mittel im neuen Haushaltsplan zu beantragen. Oberstes Anliegen, so der Fraktionschef, sei es, sich den Umständen nicht zu ergeben.
Auch der Kriminalpräventive Rat der Stadtverwaltung, dessen finanzielle Förderung über Mittel des Freistaates möglich sei, sollte aktiv werden. Denn immerhin handelt es sich bei der sich regelmäßig treffenden Klientel um Teenager.
Auch politisch
motivierte Graffitis

Und: Es tauchten auch schon politisch motivierte Graffiti-Sprüche auf, von denen man nicht weiß, ob es sich um einen dummer-Jungen-Streich handelt oder mehr dahinter steckt, sagt Schmidt. In jedem Falle gelte: Wehret den Anfängen.
Das gesamte Areal nachts zu schließen, bezeichnet er als letzte Option, könnte es doch auch als Signal für Resignation verstanden werden. Vielmehr gehe es darum, das Areal auch "kulturell" zu erschließen. Verschiedene Veranstaltungen oder auch die Einbeziehung des Terrains in die Museumsnacht wären denkbar - bis hin zur Etablierung einer Gaststätte im Turm oder eines Jazzkellers. Auch damit fände eine Art Verdrängungswettbewerb statt - allerdings zuungunsten der Vandalen.
Und auch studentisches Leben, das sich freilich erst entwickeln müsse, wenn alle Bauarbeiten beendet sind, könnte dazu beitragen. Ob man das Problem in den Griff bekommt, indem man Flächen für Graffiti eigens ausweist, weiß freilich niemand so recht.
Täter müssen
Konsequenzen spüren

Werde jemand auf frischer Tat erwischt, dann müsse der Betreffende auch die Konsequenzen spüren - beispielsweise das Graffiti selbst entfernen oder zu Sozialstunden "verdonnert" werden, sagt Voigt, der das Thema sogar ins sächsische Justizministerium getragen hat.
Natürlich seien auch Passanten gefordert, die Zeugen mutwilliger Zerstörungen werden. Ob man den Betreffenden dann unmittelbar zur Rede stelle, bleibe freilich der Zivilcourage jedes einzelnen überlassen.
Und wie geht es nun weiter? Alle Protagonisten des Vor-Ort-Gespräche hätten Anregungen mitgenommen, eine weitere Runde soll im Oktober stattfinden. Vor allem die designierte Baubürgermeisterin habe ein neues Herangehen avisiert und man werde ihr politisch den Rücken stärken, verteilt Schmidt schon mal einige Vorschusslorbeeren.
Oder um es mit seinen Worten zu sagen: "Ich habe das Gefühl, sie hat sich vorgenommen, als neuer Besen sieben Jahre gut zu kehren."