Am Fuße der Brücke

Das Ziel? Besucher von Schloss Neuschwanstein in Bayern auf ihrem Weg zur Dresdner Frauenkirche zu einem Stopp im Vogtland zu bewegen: an der Göltzschtalbrücke. "Das Bauwerk hat Riesen-Potenzial", sagt Reichenbachs OB Raphael Kürzinger. "Wir müssen es schaffen, Besucher aus Japan, China und den USA für die weltgrößte Ziegelbrücke zu interessieren."
Die Ministerpräsidenten von Sachsen und Thüringen interessieren sich für das weltbekannte Bauwerk: Michael Kretschmer und Bodo Ramelow haben sich für Donnerstag angekündigt - zum Jahresempfang der Städte Reichenbach und Netzschkau am Fuße der Göltzschtalbrücke: Es gibt eine Gesprächsrunde, die Vogtland Philharmonie musiziert und die Brücke wird mit Einbruch der Dunkelheit illuminiert. Vor genau 170 Jahren fuhr der erste Zug über das Bauwerk, das sowohl an der Grenze der beiden Bundesländer liegt als auch und auf dem Gebiet der beiden Kommunen. Und es wird sicher über die Zukunft der Brücke diskutiert, die auf die Liste der UNESCO-Welterbestätten drängt, was seit ein paar Tagen wahrscheinlicher geworden ist. Der Vogtland-Anzeiger sprach mit OB Kürzinger.

Herr Kürzinger, was ist bisher geschehen, um die Göltzschtalbrücke ins richtige Licht zu rücken?
Netzschkau und Reichenbach haben gemeinsam eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um die Potenziale der Brücke aufzuzeigen. Dort wird untersucht, was auf öffentlichen Flächen zu tun wäre, um die Attraktivität des Bauwerks zu steigern und auch was möglich ist, wenn private Grundstückseigner mitziehen. In einer Art Baukastensystem werden Vorschläge gemacht: Es geht um Dinge wie Wegeführung, Parkplätze, um Gastronomie und Verkaufseinrichtungen, zum Beispiel für Andenken und dergleichen. Ganz wichtig wäre ein Besucher-Infozentrum - als Neubau oder in einem der vorhandenen Gebäude.

Was sagt der Reichenbacher Stadtrat?
Wir haben am 6. Juli 2020 ein Büro beauftragt, die Unterlagen für die Welterbe-Bewerbung zu erarbeiten. Am 30. April haben wir die Unterlagen in Dresden abgegeben - 44 Seiten samt Anlagen und 18 "Letter of Intend".

Was ist ein "Letter of Intend"?
Unterstützer-Briefe von Firmen und Einrichtungen wie der Bundesingenieurkammer, dem Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland oder auch der Sternquell-Brauerei, die mit der Brücke auf ihren Etiketten wirbt.

Wie stehen die Aktien?
Sachsens Landeskonservator hat mir als Vorsitzender der Jury am Freitag früh mitgeteilt, dass die sächsische Bewertungskommission für die Welterbe-Vorschläge die Göltzschtalbrücke auf Platz 1 gesetzt hat vor der Porzellanmanufaktur Meissen und dem Gestüt Graditz. Nach seinen Worten ist es sehr wahrscheinlich, dass Sachsen die Brücke im Oktober als ersten von zwei Vorschlägen bei der Kultusministerkonferenz der Länder einreicht.

Dann muss sich die Göltzschtalbrücke gegen maximal 32 andere Sehenswürdigkeiten aus ganz Deutschland behaupten, um in Paris bei der Kultur-Weltorganisation eingereicht zu werden. Und dann?
Dann müssen wir sicher viel Geduld haben. Die Montanregion Erzgebirge wurde 1998 eingereicht und 2019 zum Welterbe erklärt. Ich freue mich jetzt, dass wir so weit gekommen sind. Und danke allen Helfern. ufa