Am Ende steht ein Kompromiss

"Heute wird im Stadtrat eine hoch emotionale Debatte über die Zukunft des Bildes von Karl-Heinz Adler im Foyer des Rathauses geführt werden. Aber es ist ein untergeordnetes Thema angesichts der Erweiterung der Flächen im Gewerbegebiet Oberlosa. Die sind für die Stadt existenziell", sagt Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer gestern im Gespräch.

Von Marjon Thümmel und Torsten Piontkowski

Oberlosa - Er werde in Kürze ein weiteres Gespräch mit den Einwohnern von Oberlosa führen, avisiert Oberdorfer. Wohl wissend, dass die Fronten noch immer ziemlich verhärtet sind und sich die "Gräben" inzwischen selbst zwischen den Einwohnern des Plauener Ortsteiles ziehen. Und da jede Seite aus ihrer Sicht ein bisschen Recht zu haben scheint, kann am Ende nur eines stehen: ein Kompromiss. Und vor dem wiederum steht eine Tugend, die oft zum Erfolg führt: miteinander reden. Der Vorbehalte der Oberlosaer gegen die Baupläne gibt es mehrere. Einer davon: Der Verkehr im Ort werde zunehmen. Ja, das werde er, räumt Oberdorfer unumwunden ein, "zumindest der Pkw-Verkehr". Und mit dem nächsten Satz ist er aus Sicht der Oberlosaer vom nächsten Fettnäpfchen nicht weit entfernt: "Eine Straße ist nun mal zum Befahren da." Es gibt mehrere Punkte, wo der OB "seine" Oberlosaer nicht versteht. Über 400 Widersprüche habe es gegen die einstige Absicht gegeben, das Industriegebiet über die jetzige Kreuzung anzuschließen. Würde die Zufahrt anders geregelt, könne man damit leben, erinnert sich der OB an den Tenor einer Einwohnerversammlung in Oberlosa. "Das haben wir aufgegriffen, die Planung umgestellt und versucht, die zuständigen Behörden wie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) dafür zu gewinnen. Anders als ursprünglich vorgesehen, soll die Zufahrt nun deutlich weiter entfernt vom Ort, südlich in Richtung Regenrückhaltebecken erfolgen. "Das war das größte Bürgeranliegen", erinnert sich der OB. Und: Mit Einführung des neuen Bus-Systems im Oktober mit einer Haltestelle an der Kreuzung zu Boysen werde Oberlosa auch besser angebunden sein. Die zu erschließende Fläche wurde um ein Drittel entgegen der ursprünglichen Absichten auf jetzt noch 14 Hektar verkleinert - vor allem jenes Areal, das sich am dichtesten an Wohnbebauung angeschlossen hätte. Und genau jene Vorlage werde er zum Abschluss der Legislaturperiode den Stadträten vorlegen - daran lässt Oberdorfer keinen Zweifel. "Jetzt haben wir erst mal die Zufahrt mit ‚Wendehammer‘, das heißt, wir haben so gering wie notwendig geplant." Um die innere Erschließungsstraße entsprechend auszubauen, bleibe noch Zeit. "Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir ja noch gar nicht, wie viele Investoren Interesse zeigen." Dass welche "anklopfen" werden, davon ist er überzeugt, denn Filetstücke in Autobahnnähe seien weiterhin begehrt - und andere hat Plauen sowieso nicht mehr in petto. Was die Autobahnnähe betrifft, ist die jetzige Fläche die vorletzte, ein im Wortsinne letzter Schritt ginge in Richtung Stöckigt. 
Und nun zu einem weiteren Streitpunkt. Wenn zusätzlich an besagter Stelle eine Zufahrt auf die B 92 entsteht, dann muss die Zufahrt Oberlosa/Unterlosa abgebunden werden. Dies die Forderung des LASuV, an die die Behörde quasi "keine Luft" lässt. Hintergrund: Die Bundesstraße soll nicht weiter entschleunigt werden, auch deshalb, weil sie perspektivisch dreispurig ausgebaut werden soll. Doch die so genannte Abbindung, macht Oberdorfer deutlich, stehe auf einem ganz anderen Blatt. Sie unterliegt einem separaten Verfahren, in das sich jeder mit seinen Bedenken einbringen könne.
Fakt aber ist: Irgendwann muss die Kreuzung Oberlosa/Unterlosa "geopfert" werden. Keine weitere Entschleunigung, ohne dass eine andere entfällt, ließe sich der Standpunkt des Freistaates zusammenfassen. Damit, erinnert der OB, habe sich auch der Stadtrat einverstanden erklärt. "Wenn es so weit ist, wird die Stadt zustimmen", fügt er unmissverständlich an. 
Da ist der bemängelte Lärmschutz ein noch vergleichsweise kleines Problem. Die Straße sei ehemals als Kreis- nicht als Zufahrtsstraße ins Gewerbegebiet gebaut worden, kritisieren seine Widersacher und fahren gar das Geschütz eines Normenkontrollverfahrens auf. Jeder könne die Möglichkeiten des Rechtsstaates nutzen, reagiert Oberdorfer, dem eine gewisse Enttäuschung nun doch ins Gesicht geschrieben steht. "Ich werbe um Verständnis, neue Arbeitsplätze zu schaffen, deren Ansiedlung nur dort möglich ist. Und wenn das in relativer Nähe zu einer entwickelten Landschaft und Ortschaft geschieht, dann muss es Kompromisse geben." Man habe die Bedenken und Hinweise der Bürger in Sachen Zufahrt aufgegriffen - viele, aber nicht alle. Immerhin: Im Zuge des zweiten öffentlichen Auslegungsverfahrens habe sich die Zahl der Widersprüche halbiert. Und um auch gleich weiteren vermeintlichen Frust abzubauen: Bei diesen Widersprüchen handelt es sich nicht um eine Eingabe, sondern eine Beteiligung an einem Verfahren - ein Zwischenbescheid ist nicht erforderlich. 
Bliebe die Frage der Zeitschiene. Das Geld für die Zufahrt sei eingeplant, mit einem Beginn der Bauarbeiten rechnet der OB im Frühjahr 2020. Das Resümee kurz und knapp: "Ich bin nicht gewählt worden, um stehen zu bleiben, sondern um etwas voran zu bringen." 
Und um zu reden, mitzunehmen, wo Erklärungsbedarf ist, ließe sich anfügen.