Altes Lied in neuem Gewand

Premiere für Road Trip Frank aus Bad Elster. Mit Voice Senior-Gewinner und Rockmusiker Dan Lucas aus München produzierte er eine rockige Variante des legendären Ost-Klassikers "Zeit, die nie vergeht" von "Perl". Wie kam es zum Coversong?

Von Marlies Dähn

Bad Elster "Frank ist schon echt ein verrücktes Huhn, ein Draufgänger auf liebenswerte Art. Mich begeistert, wie er an einer Sache dranbleibt, bis er sein Ziel erreicht", sagt Dan Lucas über Frank Pänke.
Schon als Frank Pänke mit seinem zum Mini-Wohnmobil umgebauten Caddy an einem Spätsommertag vom Vogtland aus nach München heizte, allein zu dem Zweck, Dan Lucas zum Road-Trip-Interview auf den Beifahrersitz zu lotsen, stimmte zwischen beiden Musikern die Chemie.
Dan, der in Brandenburg geborene Ossi, der mit bürgerlichem Namen Lutz Salzwedel heißt, knapp zwei Jahre bei der legendären DDR-Rockband "Karussell" als Sänger einstieg, just, als Peter Gläser ausstieg. Dan, der bei einem Gastauftritt von Karussell in Köln mit Karussell-Gitarrist Tom Leonhardt "rübermachte" in den "Goldenen Westen" und damit nicht nur die nachfolgende Rumänien-Tour der Band schmiss. Dan, der Frau und Kinder in der DDR zurücklässt, die dort einiges auszustehen haben, bis sie nachfolgen können in den Westteil von Berlin. Dan, der inzwischen in München zuhause ist, dreifacher Vater und zweifacher Opa ist. Dan, der mehrere Platten aufgenommen hat, Rocker ist mit Leib und Seele, der mit 67 Jahren, die ihm keiner ansieht, mit "Helter Skelter" kleine und große Bühnen rockt. Und Dan Lucas, den Angelika Mann, die Lütte, so lange beackert hat, bis er sich bei einem Fernsehformat anmeldete, das er bis dahin überhaupt nicht kannte. Mit Coach Sasha an der Seite gibt der Altrocker dann dort alles und röhrt sich bei The Voice Senior 2019 zum Sieg.
1985 war es, als Dan Lucas aus der DDR flüchtete. 1985 war auch das Jahr, in dem Michael Barakowski für seine Band "Perl" den Hit "Zeit, die nie vergeht" herausbrachte. Der legendäre Ohrwurm verkaufte sich 700.000 Mal und wurde bis heute mehrfach gecovert. So von Matthias Reim, von "Hardy und Heros", von Inka Bause und nun also auch von Dan Lucas und Frank Pänke.
"Der Song verfolgt mich schon seit meiner Kindheit", verrät Frank, der abgefahrene Geschichten erlebt, wenn Stars in sein Auto steigen für eine lockere Plauder-Runde. Auf erfrischend andere Art entlockt Frank seinen Gästen ganz persönliche Geschichten. Im Star-Car sind Kameras installiert, die das Gespräch aufzeichnen. Im Ministudio unterm Dach in Bad Elster werden daraus kleine Filmchen, die kurze Zeit später auf Facebook und Youtube zu sehen und zu hören sind.
"Mein Traum war, mit einigen meiner Gäste einen Song aufzunehmen", lässt der Hobbymusiker wissen.
"Zeit, die nie vergeht" hängte sich fest und führte in den ersten Februartagen des noch frischen Jahres zur Blitzidee. "Ich griff zum Hörer, rief Dan Lucas an und sagte, wir könnten doch den Song covern. Ich fand, Dans Stimme passt, auch wenn er sonst eher englisch singt."
"Da klingelte also bei mir das Telefon, und der Frank meldete sich mal wieder. Ehrlich gesagt, kannte ich den Song gar nicht. Asche auf mein Haupt. Aber 1985 war ich gerade in anderen Welten unterwegs. Den Hype um den Song hatte ich damals wohl nicht wirklich mitbekommen", gesteht der Münchener.
Dan lässt sich nicht lange bitten. Hört rein ins Original von "Perl". Setzt sich in sein kleines Studio, nimmt ein Demo auf, drückt seinem Mädel Nadine Mader das Handy in die Hand, gibt dem Song mit Keyboard, Gitarre und rockiger Röhre eine frische Farbe und schickt das Ganze ins Vogtland.
Mit Begeisterung und Spaß macht sich dort Frank an die Arbeit. Schnappt sich das Mikro, singt und filmt und bastelt die Videospuren zusammen. Eine Blitzidee und keine zehn Tage später war der Coversong auf Youtube hochgeladen. Und prompt gab es "Daumen hoch", "Ich könnte heulen", "Ich will tanzen" und Freudentränen und ein "Hee, sehr geil!!!" auch von Lütte - Angelika Mann. Und was Dan und Frank besonders berührt, auch Annett Barakowski, die Witwe des 2018 mit 63 Jahren viel zu früh verstorbenen Michael Barakowski gab dem Song ein "Daumen hoch".
"Ist es nicht der Wahnsinn, dass der Song nach über 35 Jahren noch immer nicht vergessen ist, dass er weitergetragen wird und so auch Micha weiterlebt", freut sich Annett am Telefon und wünscht Frank Pänke weitere Blitzideen.
Das Eis ist gebrochen, die Premiere ist geglückt. Der erste Coversong ist raus. Vielleicht kommt als nächstes eine Frauenstimme ins Spiel. "Isabell Krämer oder Angelika Mann könnte ich mal anrufen", überlegt Frank Pänke, setzt sich den lila Zylinder auf, steigt ins Auto und gibt Gas für neue abgefahrene Star-Geschichten.