Alte Maschinen rotieren

Aus dem Liebauer "Backhaus zur schwarzen Semmel" kam ein wohliger Duft von frischem Kaffee und warmen Zwiebelkuchen. Vereinsvorsitzende Anne Schwegler und die vielen anderen vom Vogtländischen Volksmusikverein "De Gockeschen" hatten zum Tag des offenen Denkmals eingeladen.

Von Gabi Kertscher

Liebau Während viele Gäste die Stufen zum Turm der Ruine Liebau hinaufstiegen und die Aussicht genossen, konnten auf dem Festgelände einige der landwirtschaftlichen Großgeräte in Aktion gesehen und vor allem gehört werden. Den Kindern machte es richtig viel Spaß, mittels einer handbetriebenen Schrotmühle Gerste zu mahlen. Unter den Dächern klapperten Dreschmaschine, Strohpresse und Strohschneider. Jens Bieber hatte alle Hände voll zu tun, alle Maschinen aus den 1940-iger Jahren am Laufen zu halten. Eigentümer ist Jörg Gemeinhardt. Der Ruppertsgrüner ist leidenschaftlicher "Zeug-Sammler". Zu seiner Sammlung gehören Schulranzen, Feuerwehrausrüstung, alte Gartengeräte oder Töpfe - einfach alles, was früher auf einen Bauernhof gehörte. Zum Tag des offenen Denkmals präsentierte er seine "Schätze" und ist besonders stolz auf einen alten Sack aus dem Jahr 1827. "Der war für Getreide und wurde wahrscheinlich nie benutzt."
Nicht ganz so alt, wie der alte Sack, ist das 1876 gebaute Herrenhaus Liebau. Der Verein LandVogt-land hatte ebenfalls die Türen weit geöffnet und konnte interessierten Gästen das Geschaffene zeigen.
War doch das alte Gebäude noch vor einigen Jahren eher eine Ruine und dem Abriss schon sehr nah gekommen, zeigte es sich zum Tag des offenen Denkmals von seiner freundlichsten Seite. Die Vereinsmitglieder hatten Kuchen gebacken, die Kaffeemaschine lief fast ununterbrochen und für die Kinder gab es eine Mal- und Spielecke. Einen Raum haben die Herrenhaus-Retter fast fertig. Einen großen Teil an Arbeitsleistung bringt Philipp Sieber ein. Er ist der Enkel des letzten Besitzers vor der Enteignung 1945 und Kassenwart des Vereins. Sieber ließ es sich nicht nehmen, zum Tag des offenen Denkmals aus Nordrhein-Westfalen anzureisen. "Dank den vom Bauhaus Plauen gesponserten Materialien konnten wir einen Raum so gut wie fertigstellen", erzählte der Abkömmling der ehemaligen Gutsbesitzer-Familie. Es wurden Fenster eingebaut und Möbel gerückt. Die obere Etage macht einen gemütlichen Eindruck. Wenn am 20. Dezember hier das Adventskalender-Türchen der Gemeinde Pöhl geöffnet wird, soll alles kuschlig sein. "Wir brauchen dringend noch Container für Schutt und jede Menge Material", erzählte der Wahlvogtländer nachdenklich, denn es fehle vor allem am Geld. Sonntag ruhten allerdings alle Arbeiten. Die Vereinsmitglieder berichteten vom schweren Anfang und dass es immer noch nicht einfach sei, Interesse bei anderen Leuten zu wecken. Sie konnten aus der Geschichte des Hauses einige Dinge erzählen und ließen auch hinter die Kulissen im Erdgeschoss schauen. "Da habt ihr ja noch einiges vor!", war zu hören. Aber auch anerkennende Worte wurden gesprochen.
Eines der nächsten Ziele sei die Sanierung des Balkons und die Übergabe des Gartens für die Nutzung an solchen Tagen mit viel Publikum.