Alte Entwürfe neu aufgepeppt

Die Modespitze Plauen hat zum 100. Bauhaus-Jubiläum eine kleine Kollektion nach überlieferten Mustern und Entwürfen der Moderne herausgebracht. Kommende Woche ist sie komplett im Handel.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Wer in den vergangenen Wochen das Stickereifachgeschäft in der Annenstraße besucht hat, konnte sie bereits betrachten: Die Repliken dreier Kragen aus Plauener Spitze, die zu Zeiten des Bauhauses entstanden sind. "Wir haben uns durch zahlreiche Musterbücher gewühlt und haben Stoffstickereien, Spitzen und Kragen entdeckt. Doch auch die passenden Lochkarten mussten im Archiv gefunden werden. Zu drei Kragen hatten wir das Glück", erzählt Modespitze-Geschäftsführer Andreas Reinhardt. Wer die Designer der Muster waren, ließe sich nicht mehr sagen, weil die Informationen dazu verloren gingen oder nicht in den Musterbüchern vermerkt wurden. Reinhardt erinnert zugleich daran, dass alleine über 90 Jahre alte Lochkarte nichts nütze. Sie muss oft, durch Lagerung und Nässe verzogen, auf der Repetiermaschine "kopiert" werden, um digital eingelesen werden zu können. Und das ist für die neuen Maschinen Arbeitsgrundlage. 
 Außerdem ist ein DIY-Set für ein Armband entstanden. Eine weiße karierte Spitze kann nach eigenen Belieben mit roten, gelben und blauen Stickereien verziert werden. "So ergibt sich ein Armband mit den für das Bauhaus typischen Farben und Formen", erklärt Reinhardt.
 Doch nun gibt es ab kommende Woche auch Kurzgardinen mit Mustern aus der Zeit der Moderne, die absolut zeitlos ist. "Es gibt keine modenere Phase als damals", bekräftigt der Geschäftsführer: "Heute, 100 Jahre später, stellen wir fest, die Moderne ist das größte Kulturexportprodukt was Deutschland je hatte. Es wurde eine Formsprache gefunden, die nie alt wird." Für die nun gefertigten Gardinen seien historische Entwürfe aufgegriffen worden, die vermutlich nie produziert wurden. "Es sind Entwürfe aus Plauen aus den 20er Jahren", sagt er. Aber auch hierbei gebe es keine Klarheit, wer der Entwerfer ist.
 In den Anfangsjahren habe sich die Spitzenindustrie am französischen Design orientiert, das eine starke florale Note zeigte. Doch dann zeigten sich Plauener Textiler auch aufgeschlossen gegenüber dem Jugendstil und ab 1910 mit dessen Aufkommen auch der Moderne. Das beweisen auch die gefundenen Entwürfe. 
 18 Stunden Arbeitszeit hat die Modespitze von der Designentwicklung bis zur Produktion in die drei Kurzgardinen gesteckt, die in einer Höhe von 40 Zentimeter gefertigt wird. "150 Meter haben wir zunächst aufgelegt, die würden für rund 100 Fenster reichen. Die Breite wird nach Kundenwunsch geschnitten und anschließend konfektioniert. Der Preis wird sich um die 25 Euro pro Meter bewegen", sagt Reinhardt. Die drei Gardinen ohne Blumen, aber mit tollen zeitlosen Mustern gibt es im Fachgeschäft in der Plauener Annenstraße und im Online-Shop.