"Alte Dame" muss weichen - Neue Bahnbrücke für Haltepunkt Mitte

Eine der meist befahrenen Strecken Plauens wird ab 24. Februar vollständig für den Fahrzeugverkehr gesperrt. An der Kreuzung Reichenbacher/Stresemannstraße entsteht der Haltepunkt Mitte. Viel wichtiger aber sei der Neubau der Bahnbrücke, sagt Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer.

Plauen - Eine alte Dame ist schuld. Stolze 102 Jahre zählt sie und muss daher geliftet werden. Was bei einem Menschen dieses Alters fast unlösbare Probleme bereitet, ist im Falle einer Brücke mit moderner Technik und ordentlich viel Geld machbar. Am Donnerstag informierten Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer und Vertreter des Bauamtes der Verwaltung über die ab 24. Februar beginnenden Baumaßnahmen an der Kreuzung Reichenbacher/Stresemannstraße.

Wer sich nur halbwegs für seine Stadt interessiert weiß längst - hier entsteht der Haltepunkt Mitte. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. "Ausgangspunkt allen Handelns ist die Bahnbrücke", sagt der OB. Damit Züge zwischen Gera und Eger künftig effektiver verkehren können, muss sie verbreitert und erhöht werden. Was das in der Praxis bedeutet, können wohl nur die Fachleute ermessen. Ein Jahrzehnt praktischer und geistiger Vorbereitung waren erforderlich - was in wenigen Tagen beginnt, bezeichnet der OB als "logistische Herausforderung". Die Gesamtkosten der - wie es im Fachdeutsch heißt - ÖPNV-Verknüpfungsstelle, betragen 11,5 Millionen Euro. Davon belaufen sich die für den Haltepunkt Mitte auf rund 850 000 Euro.

Oberdorfer ist die Freude darüber anzusehen, dass sich die Millionen auf viele Schultern verteilen und der kommunale Anteil und der des ÖPNV bei gerade mal 2,3 Millionen Euro liegen. Oberdorfer pragmatisch: "Es wäre doch schade drum gewesen, diese Gelegenheit nicht zu nutzen." Die Brücke also machts möglich, dass durch deren Neubau eine zweite Fahrspur gebaut werden kann, die das Nadelöhr bis zur Kreuzung Bismarckstraße endlich entschärft.

Probleme wirds geben, aber sie sind im Gegensatz zu anderen großen Baumaßnahmen wenigstens schon bekannt. "Die zweite Spur muss in felsigen Boden gestemmt werden", sagt Tiefbauamtsleiter Steffen Ullmann, der auch gleich noch den Tag der "Entwarnung" bekannt gibt: Am 3. November werden die Züge wieder fahren, und deshalb ist ein verspäteter Baubeginn wegen eines vielleicht doch noch kommenden Winters für ihn kein Thema. Terminüberschreitungen im Geschäft mit der Bahn schlagen mit Hunderten Euro zu Buche - pro Stunde. In den Folgemonaten bis zum Sommer 2015 erfolgt dann hauptsächlich der Straßenbau.

Die (offizielle) Umleitung steht fest und wird fast doppelt so lang sein wie der bisherige Weg aus und in die Stadt. "Ich vertraue auf meine Plauener, dass sie ihre Stadt wieder ein bisschen besser kennenlernen", schmunzelt Oberdorfer, wohl wissend, dass Schleichwege dazu da sind, genutzt zu werden.

Ist die neue Brücke fertiggestellt, wird sich ab Juni 2015 auch die Zugfrequenz erhöhen. Für mindestens 15 Jahre fahren dann statt der bisher 16 Züge 22 pro Tag in beide Richtungen. Prognostiziert hat diesen Bedarf die Deutsche Bahn, die von 600 Ein- und Ausstiegen pro Tag ausgeht - bisher waren es 200. Bis es so weit ist, müssen die Gleise auf einer Länge von 600 Metern angehoben, Telekommunikationskabel erst rück- und dann neu verlegt, Trinkwasserleitungen umverlegt, ein Mischwasserkanal erneuert werden...

Wenn er von den Vorteilen des neuen Haltepunktes spricht, gerät Oberdorfer nachgerade ins Schwärmen: Nicht nur durch den erhöhten Zugverkehr werde die Verbindung deutlich aufgewertet, mit der Straßenbahn gelange man binnen kürzester Zeit in die Innenstadt, zum Landratsamt, ins Stadtbad, die Festhalle, das Vogtland-Klinikum. Apropos: Die bis dahin geltende Umleitung gilt auch für Rettungsfahrzeuge. "Werdende Mütter sollten das berücksichtigen", lacht Oberdorfer.

Und weil man aus Schaden klug wird - siehe Sperrung der Pausaer Straße - verspricht die Verwaltung, die Bürger und vor allem Anrainer regelmäßig auf dem Laufenden zu halten. Eine erste Informationsveranstaltung findet am 19. März, 18 Uhr, im Ratssaal des Rathauses statt.

Umleitung ab 24. Februar

Von der Neuen Elsterbrücke über die Hammer- und Dresdener Straße zur Äußeren Reichenbacher Straße. Die Verbindung über die Bismarckstraße und den Rinnelberg kann mit Einschränkungen genutzt werden. Die Einrichtungen und Behörden (KfZ-Führerscheinstelle) in der Reichenbacher Straße 34 sind über den Bebel-Hain erreichbar, die Poller werden dafür gesenkt.

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